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05.01.2009

16:14 Uhr

Entwicklungsökonom

Grenzgänger mit schlechtem Gedächtnis

VonDorit Marschall

In der VWL findet ein Generationswechsel statt. Das Handelsblatt stellt die neuen Köpfe vor. Heute: Axel Dreher. Der 36-jährige Entwicklungsökonom wechselte von der ETH Zürich nach Göttingen. Sein Forschungsschwerpunkt ist die Kreditvergabe von Weltbank und IWF.

GÖTTINGEN. Wie ein zerstreuter Professor sieht der 36-jährige Axel Dreher in seinen lässigen Jeans und mit seinen gegelten Haaren nicht aus. Und doch ist er einer. „Ich neige dazu, zu vergessen, wo ich war“, sagt er. Dass er kürzlich seinen ersten Urlaub seit Jahren auf Mauritius verbracht hat, fällt ihm genau sowenig spontan ein wie der Ort seiner letzten Dienstreise. Nur an eines erinnert er sich noch: „Ich hatte mit meiner Freundin vor der Reise ausgehandelt, dass ich mindestens eine Stunde pro Tag arbeiten durfte.“

Sein Fleiß hat Dreher weit gebracht. Seit September lehrt und forscht er an der Universität in Göttingen, die es zum ersten Mal unter die Top 25 der volkswirtschaftlichen Fakultäten im Handelsblatt-Ranking gebracht hat.

Dazu hat der Entwicklungsökonom Dreher, der von der ETH Zürich nach Göttingen wechselte, viel beigetragen. In der Rangliste der besten Volkswirte unter 40 Jahren liegt Dreher auf Platz zehn. Dabei war er zunächst alles andere als fleißig und ideenreich. Nach der siebten Klasse musste er vom Gymnasium in die Realschule wechseln, weil seine Strategie aus der Grundschule – nicht zu lernen – nicht mehr funktioniert hat. „Da halfen alle Maßnahmen meiner Eltern nichts, ich hatte einfach keine Lust“, erzählt Dreher. Die mittlere Reife genügte ihm dann aber doch nicht, Dreher wechselte nach der zehnten Klasse erneut die Schulform und machte Abitur.

Dass er anschließend in Mannheim, an einer der besten Adressen für Wirtschaftswissenschaftler in Deutschland, Volkswirtschaftslehre studierte, war Zufall. „Ich habe mich bewusst für meine Heimatstadt entschieden – nicht für die Uni“, gibt er zu. Aus dem faulen Schüler wurde ein ehrgeiziger und erfolgreicher Forscher. „An der Uni hatte ich eben Interesse an den Themen, mit denen ich mich beschäftigte.“

Das Interesse und die Themen sind geblieben. Drehers Fokus liegt an der Grenze zwischen Politik und Ökonomie. Vor allem Institutionen wie den Internationalen Währungsfonds (IWF) und die Weltbank nimmt er unter die Lupe. „Inwieweit wird die Kreditvergabe durch politische Entscheidungen getrieben?“ hat er gefragt. Und herausgefunden: Die Chancen eines Landes, vom IWF einen Kredit zu bekommen, steigen um 20 Prozent, wenn das Land vorübergehend Mitglied des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen war. Auch die Weltbank vergebe Projekte eher an jene Länder, die temporär dem Sicherheitsrat angehörten. Drehers Analyse ist eindeutig: „Die wichtigsten Anteilseigner, allen voran die USA, missbrauchen die Institutionen, um ihren politischen Willen durchzusetzen.“

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