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27.08.2012

13:40 Uhr

Euro-Krise

Die Leiden und Freuden der Ökonomen

Sie müssen ständig Antworten liefern und Ratschläge geben: Ökonomen sind in der Euro-Krise gefordert wie nie. Die Dauerkrise wird für einige Volkswirte zur Qual, andere blühen im Rampenlicht auf.

Die Euro-Skulptur leuchtet der Zentrale der Europäischen Zentralbank. dpa

Die Euro-Skulptur leuchtet der Zentrale der Europäischen Zentralbank.

Brüssel Mit Schaudern denkt Jörg Krämer an den Sommertag zurück, der sein Berufsleben auf den Kopf stellte. "Als die Geldmarktsätze auseinanderflogen, dachten wir erst an einen Datenfehler im System", erinnert sich der Chefvolkswirt der Commerzbank an jenen 9. August 2007, als die US-Hypothekenkrise endgültig nach Europa rüberschwappte. "Aber als die Europäische Zentralbank kurz darauf Milliarden in den Markt pumpte, wusste ich: Die Krise hat begonnen." Für Krämer und andere Ökonomen brachen turbulente Zeiten los, die ihnen die Fehlbarkeit ihrer eigenen Prognosen vor Augen führten.

"Danach war nichts mehr wie vorher", blickt der Bankenexperte Hans-Peter Burghof heute zurück. Die Finanzkrise verschärfte sich rasant, riss erst die Investmentbank Lehman, dann ganze Volkswirtschaften und schließlich auch den Euro in ihren Strudel. Inzwischen können und wollen viele Normalbürger den täglichen Hiobsbotschaften nicht mehr folgen. Politiker sind überfordert, auch Fachjournalisten stoßen an ihre Grenzen. In solchen Krisenzeiten sind Experten gefragt, die den komplexen Informationsfluss verdauen, analysieren und einordnen - Männer wie Krämer und Burghof.

"Ich habe kaum noch Tage ohne Medienanfrage", seufzt Burghof, während vor seiner Bürotür schon das nächste Fernsehteam wartet. Es klingt, als wisse er nicht so recht, ob er sich darüber nun freuen oder ärgern soll. Vor EU-Gipfeln klingelt sein Telefon besonders häufig, 20 Anfragen pro Woche sind dann keine Ausnahme. Burghof versucht, sie alle zu beantworten. "Medien müssen immer gleich behandelt werden", sagt der Professor für Bankwirtschaft an der Universität Hohenheim. "Deshalb habe ich selbst für das Leipziger Studentenradio noch in der größten Hektik ein Ohr."

Von solch hehren Ansprüchen hat sich Guntram Wolff längst verabschiedet. "Wir haben eine Rangliste von Medien", verrät der Vizedirektor des Brüsseler Thinktanks Bruegel, ein viel gefragter Experte für Wirtschafts- und Währungsfragen. "Wenn das 'Wall Street Journal' oder die 'New York Times' anrufen, nehmen wir das eher entgegen als bei Regionalzeitungen." In besonders geschäftigen Wochen hätten "nur Premiummedien" eine Chance, für den Rest bleibe keine Zeit. Denn die eigene Forschung müsse im Zweifelsfall Priorität haben, "sonst wird man in die Krise hineingesogen".

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