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03.09.2012

15:48 Uhr

Euro-Zone in Gefahr

Das ideale Opfer für den Domino-Effekt

VonOlaf Storbeck

Eine US-Studie zeigt, dass die Gefahr der ökonomischen Ansteckung im Euro-Raum höher ist als in anderen Wirtschaftsräumen. Die Rettungspakete für Griechenland erhöhen die Abhängigkeiten weiter - und damit das Risiko.

Die Ansteckungsgefahr ist im Euro-Raum besonders hoch. dpa

Die Ansteckungsgefahr ist im Euro-Raum besonders hoch.

LondonWirtschaftliche Schocks schwappen in der Euro-Zone so schnell wie nirgendwo sonst von einem Land auf andere über - das ist das Ergebnis einer Studie, die die US-Ökonomin Kristin Forbes am Freitag auf der Notenbank-Tagung in Jackson Hole vorgestellt hat. Forbes hat die Risiken von ökonomischen Domino-Effekten in allen wichtigen Wirtschaftsräumen empirisch untersucht.

Insgesamt ist die gegenseitige Abhängigkeit zwischen verschiedenen Ländern in den vergangen 20 Jahren deutlich gewachsen und die Weltwirtschaft damit verwundbarer geworden, stellte Forbes fest. "Im Euro-Raum haben die Ansteckungsgefahren aber überproportional stark zugenommen", warnt die Professorin des Massachusetts Institute of Technology.

Mehrere Faktoren sind dafür verantwortlich - unter anderem die intensiven Handelsverflechtungen innerhalb des Wirtschaftsraums und das starke Wachstum der grenzüberschreitend tätigen Großbanken. Aber auch der Verlust einer eigenständigen Geldpolitik in den einzelnen Euro-Ländern trägt zur Ansteckungsgefahr bei.

Die Ergebnisse der Studie sind vor allem mit Blick auf die Diskussionen über einen möglichen Ausstieg Griechenlands aus der Euro-Zone relevant. Eine Reihe von Politikern und Ökonomen haben in den vergangenen Wochen mögliche Domino-Effekte eines solchen Schritts heruntergespielt. So hatte der Luxemburger Premierminister und Chef der Euro-Finanzministergruppe, Jean-Claude Juncker, einen Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone als "beherrschbar" bezeichnet. Ähnlich argumentierten auch Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) und Unions-Fraktionschef Volker Kauder (CDU).

EZB-Streit: Showdown zwischen Draghi und Weidmann?

Wollte Weidmann zurücktreten?

„Nicht alle Deutschen glauben an Gott, aber alle glauben an die Bundesbank“, hat der Ex-Präsident der Europäischen Kommission, Jacques Delors, einst gestöhnt. Jetzt soll ausgerechnet der Chef der Bundesbank, Jens Weidmann, mit seinem Rücktritt gedroht haben, weil er den Kurs der Europäischen Zentralbank (EZB) in der Euro-Krise für grundfalsch hält. Am Donnerstag tagt der EZB-Rat. Wo verlaufen die Fronten? Kommt es zum Showdown zwischen Weidmann und EZB-Präsident Mario Drahgi? Einige Antworten auf zentrale Fragen:

Was will Mario Draghi?

Der EZB-Chef wirbt für den unbegrenzten Ankauf von Staatsanleihen kriselnder Euro-Staaten, um deren Zinslast zu drücken. Die von einer Pleite bedrohten Länder sollen nach seinen Vorstellungen im Gegenzug einen Antrag auf Hilfen aus dem Euro-Rettungsschirm ESM stellen und Reformauflagen erfüllen. Beim ESM hätte Deutschland ein Mitsprache- und Vetorecht. Die Umsetzung der Vorgaben von EZB und EU - soweit sie bisher bekannt wurden - soll unter anderem vom Internationalen Währungsfonds (IWF) überprüft werden. Offenbar steht die große Mehrheit des EZB-Rats hinter diesem Konzept.

Welche Bedenken hat Weidmann?

Der Bundesbankchef lehnt einen Anleihenkauf von Krisenländern als Schritt zur „Staatsfinanzierung durch die Notenpresse“ ab. Eine Finanzierung durch die Notenbank könne traditionell hoch verschuldete Länder „süchtig machen wie eine Droge“. Weidmann, dessen Bundesbank zur Geldwertstabilität und damit zu Inflationsbekämpfung verpflichtet ist, befürchtet, dass mit dem Draghi-Modell die Schulden der hoch defizitären Südstaaten letztlich beim Steuerzahler landen. Als größtes Euro-Land steht Deutschland mit knapp 27 Prozent für die Schulden der EZB gerade.

Wie reagiert Angela Merkel?

Auf die offenbar gezielt gestreuten Gerüchte über Rücktrittsgedanken des Notenbankchefs ließ die Kanzlerin am Freitag zunächst wissen, dass sie „natürlich Jens Weidmann als unserem Bundesbanker den Rücken stärkt“. In manchen Ohren klang das eher wie eine Pflichtübung, zumal sie genau das schon vor einer Woche im ARD-Sommerinterview erklärt hatte. Am Samstag meldete dann die „Bild“-Zeitung, Merkel und Finanzminister Wolfgang Schäuble (beide CDU) hätten Weidmann persönlich von einem möglichen Rücktritt abgebracht und ihn ermutigt, seine Position weiter zu vertreten.

Welche Beweggründe hat Merkel?

Das ist schwer zu sagen. Die eine Lesart ist, die Kanzlerin habe zwar ebenfalls Bedenken gegen den Ankauf der Staatsanleihen von Krisenländern, sehe sich nicht mehr in der Lage, die Phalanx der Unterstützer des Draghi-Modells zu stoppen. Die andere Lesart lautet, Merkel stehe hinter den Plänen Draghis, könne aber nicht offen dafür eintreten, weil sie unter den Euro-Skeptikern von Union und FDP als „rechtswidrige Schuldenvergemeinschaftung zu Lasten Deutschlands“ angesehen werden.

Welches Gewicht hat Weidmann im EZB-Rat?

Der Bundesbankchef hat eine von 23 Stimmen. Damit hat Deutschland als größte Volkswirtschaft in der EU in dem Gremium genauso viel Einfluss wie zum Beispiel Malta. FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle hat deshalb bereits gefordert, das Stimmgewicht Deutschland mittelfristig zu stärken. Kurzfristig jedoch wird sich daran nichts ändern. Da sich inzwischen sogar das deutsche EZB-Direktoriumsmitglied Jörg Asmussen hinter den Kurs von Draghi gestellt hat, steht Weidmann ziemlich allein da.

Die Studie von Kristin Forbes dagegen macht deutlich, dass die Politik Ansteckungsgefahren ("contagion") nicht auf die leichte Schulter nehmen sollte. Es sei sehr schwierig - vielleicht sogar unmöglich - dieses Phänomen zu stoppen, lautet das erste Fazit der Untersuchung.

Kommentare (13)

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Account gelöscht!

03.09.2012, 16:14 Uhr

Ach Jottchen, was hätten wohl diese Wissenschaftler zu tun, wenn es doch dem Dollar endlich mal besser ginge?
Nehmen die Wissenschaftler in den USA auch die wissenschaftlichen Aussagen der Europäer so ernst?
Nein? Ach, das ist ja merkwürdig.
Hätten die ach so weltbeherrschenden Schlauberger ihre eigene Finanzkrise in den Griff bekommen, ohne andere Länder und Währungsgemeinschaft mit in diesen Salat zu ziehen, brauchte man sich über eine künstlich aufrecht erhaltende Euro-Krise verursach durch eine Bankenschuldenblase wegen Schrottpapieren nicht zu unterhalten. Also, erstmal eigenen Hütte putzen, dann über andere wissenschaftliche Abhandlungen verbreiten. Wer hat die überhaupt bezahlt? Moodys?

Rechner

03.09.2012, 16:17 Uhr

US-Studien langweilen besonders.

Die USA sollen 'mal ihre Staatsverschuldung von 103% BSP in den Griff bekommen, oder ihre Haushaltsdefizit von 7,x% dieses Jahr.

Ansonsten erinnert das Euro-Krisen-Geschwätz der Yankees an die Propagandageschichten in der UdSSR über die hungernden Abeiter im "Kapitalischen Ausland".

...

Das jetzt natürlich wieder über "contagion" gezetert wird nimmt nicht Wunder.

Denn die anerikanischen Finanzterroristen versuchen mit Erzeugung von Panik zu verhindern, daß die Pestbeule Griechenland operativ entfernt wird.

Weil sie an einer möglichst langwierigen Schwächung Europas interessiert sind, umd ihre einfältigen asiatischen Gläubiger noch etwas länger bei der Stange zu halten.

...

Richtig, daß Draghi dieser Propaganadveranstaltung fern geblieben ist.

Schade daß das Handelsblatt die amerikanische Agitprop unkritisch wiederkäut.

bjarki

03.09.2012, 16:27 Uhr

Q Rechner: Agitprop der Bundesregierung, dass ist es was Ihre drittklassige Schreibe ausmacht. Weiss doch jeder hier wer Sie sind.

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