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14.07.2011

10:08 Uhr

Eurokrise

Der hohe Preis eines Haircuts

VonOlaf Storbeck

Griechenland rückt immer näher an einen Schuldenschnitt. Doch nach neuen Erkenntnissen werden Pleitestaaten nach einem Haircut von den Finanzmärktenbestraft. Mit Vergebung der Investoren kann Athen nicht rechnen.

Flaggen von Griechenland und der EU vor dem Parthenon-Tempel in Athen. Quelle: dapd

Flaggen von Griechenland und der EU vor dem Parthenon-Tempel in Athen.

LondonEs ist ein merkwürdiger Begriff für ein so simples wie unangenehmes Phänomen auf den Finanzmärkten: "Haircut". So nennen es die Fachleute, wenn ein Schuldner in die Insolvenz rutscht und seine Kredite nur noch teilweise zurückzahlen kann. Wenn Sie der griechischen Regierung 100 Euro leihen, aber nur 60 Euro zurückbekommen, haben Sie einen Haircut in Höhe von 40 Prozent erlitten.

Die Herkunft des Begriffs ist unklar - offenbar hat er sich erst in den vergangenen zwei Jahrzehnten eingebürgert. Im "American Economic Review" erwähnt ein Volkswirt den Begriff im Zusammenhang mit Finanzmärkten erstmals 1989.

Dank der Euro-Krise ist der Begriff heute fest im Alltagsdeutsch angekommen. Mit Händen und Füßen versucht die Europäische Zentralbank, jede Form von Haircut bei Anleihen aus Problemstaaten zu verhindern - Volkswirte dagegen machen sich für Haircuts stark. Und auch die EU-Regierungen scheinen einen Schuldenschnitt nicht mehr kategorisch auszuschließen.

Doch ein Schuldenschnitt wäre für Griechenland hochgradig riskant - das ist die Botschaft einer neuen Studie eines deutsch-argentinischen Forscherteams, die vor wenigen Tagen auf dem Weltkongress der International Economic Association in Peking vorgestellt wurde.

Ein Haircut dürfte dazu führen, dass Griechenland über Jahre auf den internationalen Kreditmärkten zum Paria würde. Wenn sich das Land überhaupt noch neues Geld leihen kann, dann nur zu extrem hohen Zinsen, so das Fazit der Arbeit.

Die Finanzmärkte haben mit Blick auf Staatsbankrotte ein Elefantengedächtnis, zeigen Juan Cruces von der Universität Torcuato Di Tella in Argentinien und Christoph Trebesch von der Berliner Hertie School of Governance. "Länder, die ihre Schulden nicht pünktlich bezahlen, werden auf den Kreditmärkten hart und dauerhaft bestraft", stellen die beiden Ökonomen fest.

Die Arbeit mit dem Titel "Sovereign Defaults: The Price of Haircuts" stellt den alten Konsens in der Wirtschaftswissenschaft zu den Folgen von Hair-Cuts nachhaltig infrage.

Bislang waren Forscher, die historische Präzedenzfälle von Haircuts untersucht hatten, immer zu einem anderen, beruhigenderem Ergebnis gekommen: Die Finanzmärkte schienen das Fehlverhalten von Regierungen schnell zu verzeihen - die Sorge, dass Länder nach einer Staatsinsolvenz über viele Jahre vom weltweiten Kapitalmarkt abgeschnitten wären, schien unbegründet.

Kommentare (9)

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Markus_Diehl

14.07.2011, 11:33 Uhr

Die zentrale Aussage der Studie, dass Länder mit Default bzw. Schuldenerlass viele Jahre vom Kapitalmarkt abgeschnitten werden, basiert anscheinend auf der großen Zahl von Ländern in Afrika und der Karibik. Der Grund ist dort aber nicht im Default zu sehen, sondern in den schlechen Fundamentaldaten.

bommel

14.07.2011, 12:33 Uhr

geschichte wird sich wiederholen. waqs heißt das für uns? abwarten und schnell in ein land, dass nicht kriegsgefährdet ist.

Kackbolzen

14.07.2011, 12:37 Uhr

Wenn damit Druck ausgeübt werden soll, dass die anderen Europäer die Partyzeche zahlen, dann interessiert mich das so wie der besagte Reissack in China...

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