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07.01.2008

11:30 Uhr

Exzellenz in der VWL

Spitzen-Ökonomie à la Française

VonRuth Berschens

ExklusivFrankreich strebt gleich mit zwei neuen Elite-Instituten für Volkswirtschaftslehre an die Weltspitze. Was können deutsche Forscher und Hochschulpolitiker davon lernen? Ein Ortsbesuch in Paris und Toulouse.

Frankreich strebt gleich mit zwei neuen Elite-Instituten für Volkswirtschaftslehre an die Weltspitze. Foto: ap ap

Frankreich strebt gleich mit zwei neuen Elite-Instituten für Volkswirtschaftslehre an die Weltspitze. Foto: ap

PARIS/TOULOUSE. Die Fassaden sind grau geworden, von den Fensterrahmen blättert der Lack ab, und ein Türschild ist nirgends zu finden. Die altmodische gläserne Pförtnerloge, der Linoleumboden und die vergilbten Wände lassen lange zurückliegende Schul-Erinnerungen aufleben. Es geht durch lange Flure um einen begrünten Innenhof herum. Hier soll die wirtschaftswissenschaftliche Elite Frankreichs ausgebildet werden? Erst im hintersten Winkel des Campus findet sich darauf ein Hinweis: „Paris School of Economics“ steht in winzigen Lettern an vier Bürotüren. Hinter einer davon residiert der frisch gebackene Schuldirektor, Francois Bourguignon. „Dieses Nachkriegsgebäude war eigentlich als Provisorium gedacht, hat sich dann aber doch als ganz solide erwiesen“, sagt er.

Vor zwei Jahren hat die Frankreichs Regierung die Gründung der Paris School of Economics beschlossen. Die Idee: Die renommiertesten ökonomischen Forschungsinstitute und Wirtschaftsfakultäten der französischen Hauptstadt unter einem Dach zusammenzuführen. Entstehen soll eine kritische Masse an Top-Wissenschaftlern und ein „Schaufenster der französischen Wirtschaftswissenschaften“, hofft das Bildungsministerium in Paris.

200 Forscher beschäftigt das neue Institut inzwischen, 400 Studenten arbeiten an ihrem Master- oder Doktortitel. Dass die neue Institution nach der berühmten London School of Economics (LSE) benannt wurde, ist kein Zufall: Die LSE ist die mit Abstand beste Adresse für volkswirtschaftliche Forschung in Europa. Dagegen fristen die französischen Ökonomen ein Schattendasein.

Frankreichs Hochschul-Ökonomen haben ganz ähnliche Probleme wie ihre deutschen Kollegen: Die Universitätsstrukturen sind verknöchert, die Wissenschaftler ersticken in Bürokratie, zum Forschen bleibt ihnen zu wenig Freiraum. Zahlreiche der besten Nachwuchsökonomen gehen daher ins Ausland – auch, weil sie dort häufig mehr Geld verdienen.

Den deutschen Fachbereichen für VWL fehle es dadurch an wissenschaftlicher Exzellenz, kritisierte der deutsche Makro-Ökonom Harald Uhlig, der 2007 von Berlin nach Chicago wechselte, in einem viel beachteten Konzeptpapier. Verantwortlich dafür sei die Hochschulpolitik. Als Ausweg empfiehlt Uhlig die Gründung eines neuen Elite-Fachbereichs. Dieser müsse vor allem groß sein – denn für einen Spitzenforscher seien nur solche Unis attraktiv, an denen schon viele andere Top-Wissenschaftler arbeiten.

Frankreich hat diesen Weg bereits eingeschlagen – nicht nur mit der Paris School of Economics, sondern auch in Toulouse. Dort baut Jean Tirole, einer der international angesehensten Ökonomen Europas, seit Monaten eine zweite französische Eliteschule für Ökonomen auf. Die Toulouse School of Economics (TSE).

Das Projekt in der südwestlichen Provinz des Landes nötigt sogar den Hauptstädtern einigen Respekt ab. „In Toulouse sind sie schon weiter gekommen als wir“, räumt PSE-Direktor Bourguignon ein.

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