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09.06.2014

19:53 Uhr

EZB-Politik

ZEW-Chef warnt vor neuer Finanzkrise

ExklusivZEW-Chef Clemens Fuest ist beunruhigt: „Wir haben alle Zutaten einer Blase“, beurteilt er die Niedrigzinspolitik der EZB. Zudem sei kein Ende finanzpolitischer Aktionen in Aussicht.

Clemens Fuest, Präsident des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), befürchtet expansive Geldpolitik. dpa

Clemens Fuest, Präsident des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), befürchtet expansive Geldpolitik.

FrankfurtDer Chef des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), Clemens Fuest, warnt vor einer neuen Krise am Finanzmarkt. Auslöser könnten die Entscheidungen der Europäischen Zentralbank (EZB) sein. „Mich beunruhigt die Gefahr, dass die EZB mit ihrer Politik des billigen Geldes neue Blasen erzeugt“, sagte er dem Handelsblatt (Dienstagsausgabe). „Wir haben alle Zutaten einer Blase: Die Preise an den Immobilien- und Aktienmärkten steigen immer weiter, und an den Bondmärkten sinken die Renditen trotz hoher Risiken“, sagte Fuest. Die geballten Maßnahmen der EZB leiten dem ZEW-Chef zufolge eine „Zeitenwende“ hin zu einer noch expansiveren Geldpolitik ein. „Ich habe ein ungutes Gefühl dabei“, sagte er.

Die EZB hatte in der vergangenen Woche ein ganzes Bündel an Maßnahmen beschlossen. Fuest geht davon aus, dass weitere Schritte folgen werden. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Anleihekaufprogramm (QE) kommt, sieht er bei 95 Prozent. Die EZB habe schon signalisiert, dass QE ein zentraler Bestandteil ihrer Strategie sei. „Und da die beschlossenen Maßnahmen die Probleme vermutlich nicht lösen werden, wird der Ruf nach neuen Aktionen schon bald zu hören sein“, erwartet Fuest.

Im Falle einer Deflationsspirale wäre der Einsatz von QE laut Fuest auch sinnvoll. „Den Kauf von Unternehmensanleihen sehe ich unkritisch, sofern die Bonität stimmt“, sagte er. Und Staatsanleihenkäufe wären unter zwei Bedingungen akzeptabel: „Wenn die EZB explizit Senioritätsstatus beansprucht, sie bei einem Schuldenschnitt also ausgenommen wäre, und wenn sie nicht Anleihen bestimmter Länder kauft mit dem Ziel, Renditeunterschiede zu reduzieren.“ Eine Deflationsgefahr sehe er derzeit im Euro-Raum allerdings nicht. Eine vorübergehend geringere Preissteigerung sei „kein Grund zur Sorge“. Auch wenn die Aussage weder neu noch originell sei: „Um die Krise zu überwinden, müssen die Regierungen in Europa handeln, die EZB allein ist überfordert.“

Von

doh

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

11.06.2014, 11:58 Uhr

Die Regierungen müssen handeln!?: Raus mit den Südländern aus dem Einheitseuro, und die Welt sähe wieder besser aus.

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