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28.02.2011

09:01 Uhr

Frauen in der Chefetage

Die wahre Kraft des weiblichen Führungsstils

VonOlaf Storbeck

Frauen in der Chefetage können mehr bewirken, als so mancher annimmt. Studien zeigen: Sie arbeiten gewissenhafter und halten sich bei Entlassungen von Mitarbeitern stärker zurück. Doch die Gewinne könnten leiden.

Frau neben zwei Männern: Weibliche Führungskräfte wirken sich auch positiv auf die männlichen Mitglieder aus. Quelle: dapd

Frau neben zwei Männern: Weibliche Führungskräfte wirken sich auch positiv auf die männlichen Mitglieder aus.

LondonDeutsche-Bank-Chef Josef Ackermann hält sie vor allem optisch für eine Bereicherung: Frauen würden Vorstände und Aufsichtsräte  „farbiger und schöner“ machen, sagte er jüngst – und erntete dafür jede Menge Spott und Kritik.

Fakt ist: Ackermann unterschätzt die Veränderungen, die mit mehr Frauen im Topmanagement einhergehen, gewaltig. Managerinnen in den Chefetagen können einen grundsätzlichen Wandel anstoßen, denn sie treffen systematisch andere unternehmerische Entscheidungen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Reihe wissenschaftlicher Studien.

Frauen in Führungspositionen denken langfristiger und führen Firmen seltener in überteuerte Übernahmen, haben Ökonomen festgestellt – und sie arbeiten gewissenhafter. Weibliche Aufsichtsratsmitglieder nehmen zum Beispiel häufiger als Männer an den Sitzungen der Kontrollgremien teil, beobachteten die Forscher Renée Adams (University of Queensland) und Daniel Ferreira (London School of Economics). Das hat auch Rückwirkungen auf die männlichen Kollegen. Je mehr Frauen in einem Aufsichtsrat sitzen, desto besser ist die Anwesenheit der männlichen Mitglieder.

Zugleich stellten Adams und Ferreira fest: Aufsichtsgremien mit einem höherem Frauenanteil legen die Manager aus dem operativen Geschäft an eine kürzere Leine. So müssen Vorstandschefs eher für maue Performance an den Aktienmärkten geradestehen. Sie verlieren schneller ihren Job, wenn es an der Börse schlecht läuft.

Die Ergebnisse der Studien sind politisch hochrelevant. Sie zeigen, dass Geschlechtervielfalt in Vorständen und Aufsichtsräten längst nicht nur Selbstzweck ist. Derzeit sind die Firmen in Deutschland fest in der Hand von Männern. In den größten 200 deutschen Unternehmen sind 877 der 906 Vorstandsposten mit Männern besetzt, zeigt eine Studie des DIW Berlin. 90 der 100 größten Konzerne haben keine einzige Frau im Vorstand.

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