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27.02.2012

20:21 Uhr

Gehaltsstudie

Manager werden nicht nach Leistung bezahlt

VonDorit Marschall, Olaf Storbeck

Ökonomen halten die Gehälter deutscher Manager für unverhältnismäßig. Wie viel ein Vorstand verdient, hängt weniger von seiner eigenen Leistung als von der seiner Kollegen ab. Oft bestimmt sogar der Zufall das Gehalt.

Im Schnitt verdient ein Vorstandsmitglied heute mehr als dreimal so viel wie noch vor 30 Jahren. Reuters, Sascha Rheker

Im Schnitt verdient ein Vorstandsmitglied heute mehr als dreimal so viel wie noch vor 30 Jahren.

Frankfurt/LondonFür Telekom-Chef René Obermann war 2011 kein besonders berauschendes Jahr: Um drei Prozent ist sein Jahreseinkommen gefallen. 3,27 Millionen Euro hat Obermann im vergangenen Jahr laut Telekom-Geschäftsbericht verdient - knapp 100 000 Euro weniger als 2010.

Solche Gehaltseinbußen sind für Topmanager eine echte Seltenheit. In der Regel kennt ihre Vergütung nur eine Richtung: nach oben. In den vergangenen 30 Jahren sind die Gehälter von Führungskräften in Deutschland wesentlich schneller gestiegen als die Einkommen von normalen Arbeitnehmern. Im Jahr 2010 war auch Obermanns Einkommen noch um stolze 23 Prozent gestiegen.

Oft lassen sich diese enormen Gehaltssprünge in den Vorstandsetagen allerdings nicht mit der Leistung der Manager erklären - zu diesem Schluss kommen die Ökonominnen Dalia Marin (Ludwig-Maximilians-Universität München) und Francesca Fabbri (University of East Anglia, Norwich) in einer neuen Studie. "Die Gehälter in deutschen Vorständen folgen völlig falschen Anreizen", sagt Dalia Marin, derzeit Gastprofessorin an der US-Universität Harvard.

Die Wissenschaftlerinnen haben für die 500 größten deutschen Unternehmen ausgewertet, wie sich die Bezahlung der Vorstandsmitglieder seit 1977 entwickelt hat. Grundlage dafür waren detaillierte Daten der Beratungsgesellschaft Kienbaum, die einen bislang einzigartigen Einblick in die Lohnstrukturen der Topmanager geben.

Im Schnitt verdient ein Vorstandsmitglied heute mehr als dreimal so viel wie noch vor drei Jahrzehnten, stellen die Forscherinnen fest. Die Gesamtvergütung stieg pro Kopf von 1977 bis 2007 inflationsbereinigt von 200.000 Euro auf 700.000 Euro pro Jahr.

Kommentare (10)

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Einanderer

27.02.2012, 21:03 Uhr

Die Forderung nach Leistungsgerechtigkeit bekommt eine ganz neue Bedeutung...

Mitbuerger

27.02.2012, 21:10 Uhr

Die Initialzündung, der Wendepunkt zu einer gerechteren Gesellschaft ?

keeper

28.02.2012, 00:10 Uhr

In der Eigentumsgesellschaft bekommen natürlich die Eigentümer am meisten.
Und das, was die Verwalter bekommen, orientiert sich daran.

Kapitalerträge nachfragewirksam über ein BGE umverteilen,
und auch dieses Problem löst sich als Nebeneffekt auf.

Die Kernproblematik der herrschenden Ungleichverteilung, daß die Nachfrage und Wirtschaftskreislauf zwangsläufig viel zu sehr von der kreditfinanzierten Nachfrage-auf-Pump abhängen, ist der eigentliche Störfaktor, ist "des Pudels Kern" im System.

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