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11.11.2011

13:08 Uhr

Geldpolitik

Was die Deutschen über die EZB wissen

VonJohannes Pennekamp

Selten war effektive Geldpolitik so wichtig wie heute. Doch laut Forschern wissen die Deutschen mitten im Überlebenskampf des Euro erschreckend wenig über die Maßnahmen der Zentralbanker in Europa.

Statt Verständnis Protest: Das belagerte Gelände der Europäischen Zentralbank in Frankfurt. dpa

Statt Verständnis Protest: Das belagerte Gelände der Europäischen Zentralbank in Frankfurt.

DüsseldorfEr sah die Antwort auf die Frage als seine Mission an – doch geliefert hat er sie nicht: „Was genau ist die Aufgabe der Europäischen Zentralbank?“ Das wollte Ex-Zentralbankchef Jean-Claude Trichet den Europäern „umfassend“ und „leicht zugänglich“ erklären. Schließlich sei es für die EZB wichtig, dass die Menschen verstehen, warum Geldwertstabilität die Voraussetzung für den Wohlstand ist, schrieb der Franzose staatstragend in einer EZB-Broschüre.

Doch statt einfacher Erklärungen liefern die Banker auf knapp 80 Seiten komplizierte Satzgebilde, die aus einer Uni-Vorlesung stammen könnten. „Aufgrund seiner Liquidität erbringt Geld seinem Besitzer eine Dienstleistung, indem es Transaktionen erleichtert“, schreiben die Autoren, um zu erklären, wozu man Bargeld benötigt. „Da braucht man einen BWL-Bachelor, um das zu verstehen“, kritisiert Edith Neuenkirch, die gemeinsam mit dem Marburger Makroökonomen Bernd Hayo erforscht hat, wie gut die Deutschen über Geldpolitik Bescheid wissen.

Ihre Ergebnisse sind ernüchternd: Mitten in der Krise verstehen die Deutschen nicht, welche Rolle die EZB in der Wirtschaft spielt. Über die Aufgaben und Instrumente der Zentralbank wissen sie bestenfalls bruchstückhaft Bescheid. Die Mehrheit weiß weder, dass die Institution unabhängig entscheiden soll, noch welche Folgen eine Leitzins-Erhöhung hat. Die Unwissenheit der Bürger könnte die Legitimation der EZB schwächen und zur Gefahr für den privaten Geldbeutel werden, befürchten die Forscher.

Wie weit verbreitet die Defizite sind, offenbart unter anderem die Studie des Frankfurter BWL-Professors Guido Friebel, der schon vor zwei Jahren über 2000 Wirtschaftsstudenten zur Krise befragte: Selbst die angehenden Ökonomen können grundlegende wirtschaftliche Zusammenhänge oft nicht erklären, bilanzierte der Forscher. Wichtige EU-Politiker wie den Ratspräsidenten Herman Van Rompuy, kennt nur jeder vierte Deutsche. Im internationalen Vergleich rangiert die Bundesrepublik in Sachen ökonomischer Sachverstand im Mittelfeld, weit abgeschlagen hinter Finanzmetropolen wie Singapur und Hongkong, zeigte der italienische Ökonom Tullio Jappelli kürzlich.

Diese eklatanten Wissenslücken stehen im starken Gegensatz zur Dringlichkeit, mit der die Sorge ums Geld den Deutschen unter den Nägeln brennt. Die repräsentative Erhebung des Marburger-Forscher-Duos, durchgeführt von der Gesellschaft für Konsumforschung, brachte ans Licht: Fast jeder Dritte hält „die Bekämpfung steigender Preise langfristig für Deutschland für am wichtigsten.“

Link zum kostenlosen Download der im Text zitierten Studien

Kommentare (11)

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Leopold

11.11.2011, 13:36 Uhr

Ich weiss, dass die EZB in der Hand der EU-Schuldenstaaten ist. Aufgrund der besonderen Stimmrechte in der EZB. Und die EZB soll jetzt zur Gelddruckmaschine umfunktioniert werden.
Ist ja auch einfacher als zu sparen.

Rumpelstilz

11.11.2011, 13:41 Uhr

Tja, die "Dummen" oder besser die Nichtinformierten sind letzlich die Gezwickten. Darüber, ob es angebrachter ist, die große Masse in einem küstlichen Dämmerzustand zu belassen oder nicht, kann man sich streiten. Die Frage "wer soll das bezahlen?", gibt eigentlich die Antwort.

Account gelöscht!

11.11.2011, 14:33 Uhr

„Wer soll das alles bezahlen?“- Das ist doch eine gute Frage. Ich würde sie einmal an die EZB richten, die seit geraumer Zeit massenhaft Schrottanleihen aufkauft und EBEN gerade NICHT ihren Verpflichtungen nachkommt, zumal der deutsche Steuerzahler hier erheblich zur Kasse gebeten werden wird, sobald es in Kürze zum unausbleiblichen Crash kommt. Wieso sitzen eigentlich unsere Politiker so still da, während die EZB mittlerweile über das 440-Milliarden-Rettungsschirmspaket hinaus Schrottanleihen aufkauft?- Aber es stimmt schon, die meisten Deutschen interessieren sich offensichtlich gar nicht dafür, dass ihnen soeben ihre Demokratie, die Freiheit und der Wohlstand zerstört und weggenommen wird. Übrigens gerade auch mit Hilfe der EZB!

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