Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

20.02.2012

19:17 Uhr

Die gehandelte Menge an Getreide ist um ein Vielfaches höher als das, was tatsächlich geerntet wird. dapd

Die gehandelte Menge an Getreide ist um ein Vielfaches höher als das, was tatsächlich geerntet wird.

DüsseldorfDer Protest, er wächst täglich: Rund 165.000 Menschen haben inzwischen eine Onlinepetition unterzeichnet, die die Finanzindustrie zum Ausstieg aus spekulativen Geschäften mit Lebensmitteln auffordert. Adressat des Aufrufs ist Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann, der auch Vorsitzender des weltweiten Bankenverbands IIF ist.

Die Aktivisten machen Geldhäuser und Börsen für die enorm gestiegenen Preise für Grundnahrungsmittel verantwortlich - und damit für die Welthungerkrise der Jahre 2007 und 2008. Innerhalb von zwei Jahren hatten sich damals die Preise für Weizen, Mais und Reis mehr als verdoppelt. Zwar fielen sie danach wieder, doch heute liegen sie erneut auf einem gefährlich hohen Niveau. Weltweit hungern jetzt eine Milliarde Menschen, schätzen die Vereinten Nationen.

Doch was ist dran an dem Vorwurf, die Finanzinvestoren hätten Spekulationsblasen erzeugt und Hungersnöte mitverursacht? Mehrere Forscherteams haben jetzt Studien vorgelegt, die die Spekulanten in Erklärungsnöte bringen.

So kommen drei Volkswirte der Universität Münster zu dem Schluss: Spekulanten haben den Weltmarkt für Getreide in den vergangenen zehn Jahren deutlich instabiler und schwankungsanfälliger gemacht. Die Ökonomen Philipp Adämmer, Martin Bohl und Patrick Stephan werteten die Börsenkurse für Weizen und Mais der letzten 25 Jahre aus. Der Anteil der Akteure, die nur aus Spekulationszwecken auf dem Markt agieren, ist in dieser Zeit deutlich gestiegen.

Parallel dazu wichen die Preise immer häufiger von dem fundamental gerechtfertigten Wert ab, der durch Angebot und Nachfrage bestimmt wird. „Unsere Ergebnisse zeigen genau an den Zeitpunkten Spekulationsblasen, wo man sie erwartet hätte“, sagt Patrick Stephan - 2008 und 2011, den Jahren mit besonders hohen Nahrungsmittelpreisen.

Die Arbeit stützt die Ergebnisse eines Forscherteams der UN-Organisation für Welthandel und Entwicklung (Unctad), das die Preisbildung nicht nur für Nahrungsmittel, sondern für Rohstoffe insgesamt untersuchte. Die Wissenschaftler kamen ebenfalls zu dem Schluss, dass die fundamentalen Faktoren von Angebot und Nachfrage für die Preisbildung an Bedeutung verloren haben und Finanzspekulationen die Preisausschläge verstärken.

Kommentare (29)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Kea

20.02.2012, 19:58 Uhr

Was für eine bekannte Weisheit, wie dieser Ausschnitt zeigt:

"... über ein Verbot für die Spekulation mit Rohstoffen für Personen und Institutionen, die diese nicht weiterverarbeiten, müsste nachgedacht werden. Gleichzeitig dürften sich Banken aber nicht in das produzierende Gewerbe einkaufen, weil dies eine Umgehung der Anti-Rohstoff-Spekulations-Regel zur Folge hätte …"

Honsen

20.02.2012, 20:10 Uhr

Ganz klar verbieten den Mist,
aber dann bitte auch Biosprit, Holzplantagen für die "erneuerbare Energiegewinnung", SUVs, allgemein zu sportliche Autos, die Ferienfliegerei und alle Motorisierten Freizeitbeschäftigungen.
Wir alle sollten jetzt endlich mal vernünftig werden.


MfG.

Account gelöscht!

20.02.2012, 20:38 Uhr

Alleine schon die Überschrift ist populistischer linker Schwachsinn und eine Frechheit !

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×