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20.10.2014

09:32 Uhr

„Gewisse Übertreibung“ an den Märkten

BIZ-Chefökonom warnt vor neuer Finanzkrise

Claudio Borio, Chef-Ökonom der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), sieht die Märkte in einer ähnlichen Situation wie vor der Finanzkrise 2008. So werden die billigen Kredite falsch genutzt.

Kommt die Finanzkrise zurück? Claudio Borio, Chefökonom der BIZ, fühlt sich bei Betrachtung der Märkte an 2008 erinnert. dpa

Kommt die Finanzkrise zurück? Claudio Borio, Chefökonom der BIZ, fühlt sich bei Betrachtung der Märkte an 2008 erinnert.

BerlinDer Chef-Ökonom der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) warnt vor einer neuen Finanzkrise als Folge der anhaltend lockeren Geldpolitik. „In der Tat sehen wir das Risiko, dass die derzeitige Geldpolitik aus globaler Perspektive zu Gefahren für die Finanzstabilität führt“, sagte Claudio Borio, der die Abteilung für Volkswirtschaft und Geldpolitik leitet, der „Welt“.

„Das Zinsniveau scheint weltweit zu niedrig, um langfristig für Preis- und Finanzstabilität zu sorgen“, beklagte er. Er sprach von „gewissen Übertreibungen“ an den Märkten und einer Situation, die der vor der Finanzkrise 2008 ähnlich sei. Die Gefahr von gefährlichen Blasenbildungen gebe es sowohl in Schwellen- wie in Industrieländern.

„Das Kreditvolumen hat stark zugenommen, oft begleitet von stark ansteigenden Immobilienpreisen“, beschrieb Borio ein klassisches Ungleichgewicht, das in einigen Staaten erneut zu beobachten sei. In Industrieländern, die von der Krise besonders betroffen waren, gebe es ein weiteres Phänomen: „Der Risikoappetit hat sich seit einiger Zeit auseinanderentwickelt: Während an den Finanzmärkten bis vor kurzem hohe Risiken eingegangen worden sind, ist in der Realwirtschaft das Gegenteil zu beobachten.“ Manager hätten billiges Geld lieber für Übernahmen und Aktienrückkäufe genutzt als zu investieren. „Das ist ein klares Signal, dass etwas schiefläuft“, sagte Borio.

Die wettbewerbsfähigsten Länder der Welt

Platz 10

Norwegen (Vorjahr: 6.)

Platz 9

Dänemark (Vorjahr: 12.)

Platz 8

Vereinigte Arabische Emirate (Vorjahr: 8.)

Platz 7

Kanada (Vorjahr: 7.)

Platz 6

Deutschland (Vorjahr: 9.)

Platz 5

Schweden (Vorjahr: 4.)

Platz 4

Hong Kong (Vorjahr: 3.)

Platz 3

Singapur (Vorjahr: 5.)

Platz 2

Schweiz (Vorjahr: 2.)

Platz 1

USA (Vorjahr: 1.)

Quelle

IMD World Competitiveness Ranking 2014

An den Finanzmärkten hätten Investoren verzweifelt nach Renditen gesucht, was zu sehr geringen Risikoaufschlägen bei Wertpapieren und historisch geringer Volatilität geführt habe. Insgesamt sieht der BIZ-Chefökonom die Notenbanken in der Pflicht, stärker auf die Finanzstabilität zu achten und die Gefahr von Übertreibungen.

Die BIZ ist die Bank der Notenbanken. Deutschland ist durch die Bundesbank vertreten. Bei der Kooperation der Zentralbanken und der internationalen Bankenregulierung spielt sie eine Schlüsselrolle.

Von

rtr

Kommentare (9)

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Herr Peter Petersen

20.10.2014, 09:49 Uhr

Es wird einfach viel zu viel Geld gedruckt, virtuelles Geld, dem weder Rohstoffe noch Produkte bzw. Dienstleitungen gegenüber stehen. Ferner befinden sich diese virtuellen Vermögen in den Händen weniger. Die arbeitende Masse, die den Konsum stärken könnte, wird von der Politik über Steuern bis auf das letzte Hemd ausgebeutet. Und es bleiben immer mehr auf der Strecke, die weder Arbeit noch Geld noch eine Perspektive haben. Wie bitteschön, sollen kapitalistische geführte Gesellschaften so funktionieren?? Die Welt wird erst wieder zur Vernunft kommen, wenn diese virtuellen Geldvermögen drastisch drastisch reduziert würden.

Herr Moritz J. Mueller

20.10.2014, 10:51 Uhr

Man kann nur leider das gedruckte Geld, was aus der Tube heraus gedrückt wurde, nicht wieder in die Tube herein drücken. Man muss also früher oder später (oder besser freiwillig oder, schlimmer, unfreiwillig) das Geld im Verhältniss zu genannten Produkten, Dienstleistungen und Rohstoffen neu berechnen um es wieder in ein gesundes Gleichgewicht zu setzten. Und dies geht nur über Inflation.

Herr Thomas Behrends

20.10.2014, 11:15 Uhr

Na, das wären dann ja ganz tolle Perspektiven, wenn ich dem folge, was meine beiden Kommentatoren vor mir hier zum Besten geben.

Inflation als Anpassungsmaßnahme an Güter- und Dienstleistungsmengen. Wohl dem der über Realkapital verfügt (Haus, ETW, Gold, Silber etc.).

Aber Vorsicht, auch wenn dem so ist; bereits zu Inflationszeiten 1923 (Weimarer Republik) wurden Realvermögen stark besteuert, wodurch Rechtskonservative (Altkaiserliche und Deutschnationale) Ende der 1920er/Anfang der 1930er Jahre aus Wut gegen die Demokratische Regierung in Berlin zu den Nazis getrieben.

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