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17.03.2011

15:45 Uhr

Globalisierung

Wie objektiv ist die deutsche Presse?

VonAnne Kunz

Die Medien in Deutschland berichten verzerrt über Globalisierung, zeigt eine neue Studie der Universität Frankfurt. Wenn ausländische Firmen in Deutschland Jobs streichen, schauen die Zeitungen viel kritischer hin als bei deutschen Unternehmen.

Deutsche Tageszeitungen:  Nicht immer objektiv: Quelle: ap

Deutsche Tageszeitungen: Nicht immer objektiv:

LondonBochum, Januar 2008: Der Handyhersteller Nokia gibt bekannt, dass er sein Werk im Ruhrgebiet schließt und 2000 Menschen ihre Jobs verlieren. München, wenige Wochen später: Der Autohersteller BMW meldet, dass er in Deutschland 7500 Stellen streicht.

Die Entscheidung der Finnen dominiert wochenlang die Schlagzeilen in regionalen und überregionalen Zeitungen - die Stellenstreichungen bei BMW dagegen sind in den Medien nur kurz ein Thema.

Das ist offenbar kein Zufall. Wenn ausländische Firmen in Deutschland Jobs streichen, berichten die Medien deutlich genauer und kritischer als bei einheimischen Firmen. Zu diesem Ergebnis kommen die Frankfurter Wirtschaftswissenschaftler Guido Friebel und Matthias Heinz in einer neuen Studie. Der Ruf ausländischer Arbeitgeber leidet unter dieser ungleichen Berichterstattung.

Wenn ein ausländischer Konzern in Deutschland einen Job streicht, berichten überregionale Zeitungen 60 Prozent mehr als bei deutschen Unternehmen, stellen die Wissenschaftler fest. "Deutsche Medien berichten verzerrt über Arbeitsplatzabbau in der Wirtschaft", fasst Guido Friebel den Kernbefund der Arbeit mit dem Titel "Media bias against foreign owners: Downsizing" zusammen.

Die schlechtere Presse beeinflusst das Bild der Leser von ausländischen Unternehmen und der Globalisierung, vermuten die Forscher. "Die Zeitungen vermitteln ein negativeres Bild von ausländischen Unternehmen", sagt Friebel. "Das führt wahrscheinlich dazu, dass die Leute einen negativen Eindruck von der Globalisierung bekommen oder dass sich Vorurteile verstärken."

Für diese These spricht, dass Wirtschaftsstudenten mehrheitlich der Meinung sind, dass ausländische Unternehmen häufiger Stellen abbauen, wie eine Umfrage unter 900 Studenten ergab. Die Befragten glauben auch, dass ausländische Unternehmen Arbeitnehmerrechte weniger wichtig nehmen als deutsche Firmen. Diese Ansichten waren umso stärker ausgeprägt, je häufiger die Befragten Zeitungen lasen.

Die Arbeit der Frankfurter Forscher ist das jüngste Beispiel dafür, dass auch die Medien und die Frage, wie neutral und unabhängig sie berichten, in den Fokus ökonomischer Forschung geraten. So haben die US-Ökonomen Jonathan Reuter und Eric Zitzewitz nachgewiesen: US-Anleger-Magazine schreiben ihren Anzeigenkunden nach dem Mund - sie empfehlen Investmentfonds, die viel Werbung schalten, überproportional oft.

Kommentare (2)

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Hartmann

26.03.2011, 17:17 Uhr

In vielerlei Hinsicht haben die Medien, was ihre Darstellung der Ereignisse gerade auf den eigentlich seriösen und wichtigen Gebieten Politik, Gesellschaftssystem und vor allem Wirtschaft und Unternehmen angeht wegen ihrer tendenziösen Berichterstattung ausgeprägte Verachtung verdient.
Leider nimmt die Mehrzahl der Konsumenten diese Sachlage zu kritiklos hin. Einschränkende Gesetze wären natürlich fehl am Platze.

AKQUISEscout

31.03.2011, 08:54 Uhr

Die Anwort finden Sie hier:

Die Massenmedien belügen euch! – “Wer über die Wahrheit schweigt, der lügt”
http://www.akquisescout.de/2010/02/die-massenmedien-belugen-euch-wer-uber-die-wahrheit-schweigt-der-lugt/


Mit besten Grüßen,

Alexander E. Schröpfer

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