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18.03.2012

16:08 Uhr

Griechenland

Tourismus leidet unter antieuropäischer Stimmung

VonThomas Ludwig

ExklusivHorst Reichenbach ist Chef der EU-Task-Force, die Griechenland bei ihren Reformbemühungen unterstützt. Für 2012 sieht er vor allem Probleme im Tourismussektor: Die antieuropäische Stimmung hinterlasse Spuren.

Horst Reichenbach ist Chef der EU-Task-Force, die Griechenland bei ihren Reformbemühungen unterstützt. AFP

Horst Reichenbach ist Chef der EU-Task-Force, die Griechenland bei ihren Reformbemühungen unterstützt.

BrüsselDie schwierige wirtschaftliche Lage und die antieuropäische Stimmung in Griechenland hinterlässt offenbar Spuren im Tourismus. „Im vergangen Jahr hat sich der Sektor sehr gut entwickelt. Für dieses Jahr sieht es weniger gut aus als in 2011“, sagte der Chef der EU-Task-Force, Horst Reichenbach, dem Handelsblatt. Er schließt nicht aus, dass auch antideutsche Kampagnen in Griechenland inzwischen Wirkung zeigten.

„Die Zahl deutscher Touristen ist in der Tat rückläufig. Da mag die Stimmung im Land eine Rolle spielen“, sagte Reichenbach. Sicher habe das aber auch etwas damit zu tun, dass sich die Lage in Nordafrika stabilisiert und die Menschen die dortigen Tourismusziele wieder ins Auge fassten.

Reichenbach leitet seit September 2011 die Task-Force der EU zur Unterstützung Griechenlands bei der Reform der Verwaltung. In seinem jüngsten Bericht attestierte er dem Land erste Fortschritte bei der Bewältigung der Krise. So hätten die Behörden mehr Steuern eingetrieben, als gedacht. Und auch der Abruf von EU-Geldern für den Aufbau des Landes habe sich beschleunigt.

Mit seiner Sparpolitik und der gelungenen Beteiligung Privater am Schuldenschnitt habe Athen das „Fundament für Fortschritte“ gelegt: „Griechenland hat Einzigartiges geleistet. Man ist an die Grenzen dessen gegangen, was die Menschen zu tragen bereit sind.“

Dass von den für Mai geplanten Neuwahlen und einem drohenden Umbruch in der Parteienlandschaft neues Chaos ausgehen könnte, glaubt Reichenbach nicht. „Die Wahrscheinlichkeit, dass die politischen Kräfte, die die Vereinbarungen mit der EU und dem IWF getroffen haben, auch künftig die Geschicke des Landes mitbestimmen, ist hoch. Die zwei großen Parteien Pasok und Nea Demokratia haben akzeptiert, dass an der Umsetzung des Sparpakets kein Weg vorbeiführt“, betonte Reichenbach. Manch andere Partei habe ähnliche Signale ausgesandt.

Bei den Anstrengungen das Land zu reformieren, dürfe die Regierung aber nicht nachlassen, warnte Reichenbach. Als Beispiel nannte er den Bereich Exportwirtschaft. Die Ausfuhrvorgänge dauerten mit 20 Tagen immer noch doppelt so lange wie im Durchschnitt der EU. Immer noch würden 90 Prozent aller Ausfuhrwaren physisch kontrolliert. Hier gebe es enormes Verbesserungspotenzial.

Große Fortschritte macht Reichenbach bei der Ausgabenkontrolle aus: „Die Fortschritte bei der Budgetkontrolle sind erstaunlich. Es gibt inzwischen erstmals einen kompletten Überblick über die Ausgaben des Landes, sowohl auf zentraler Ebene wie auch in den Regionen und im Lokalen.“

Kommentare (26)

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18.03.2012, 16:32 Uhr

Die Griechen haben ja auch einen besseren Weg gefunden. Sie bekommen ja das Geld ohne die nervige Touristen.

helmi

18.03.2012, 17:15 Uhr

wünsche allen urlaubern in griechenland viele streiks und abzocke.

Mazi

18.03.2012, 17:33 Uhr

Frau Merkel sollte Herrn Schäuble nach dort entsenden, um für Klarheit zu sorgen.

Er hat es gesät und sollte auch die Ernte einbringen (dürfen). Die Griechen werden ihn ebenos lieben wie wir.

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