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18.01.2011

12:33 Uhr

Höhere Inflation

Der geheime Traum des Ben Bernanke

VonOlaf Storbeck

Der amerikanischen Wirtschaft droht eine lange Durststrecke, warnt der Stanford-Ökonom Robert Hall. Allerdings sieht er einen Ausweg: etwas mehr Inflation. Andere renommierte Wirtschaftswissenschaftler pflichten Hall bei. Doch die Widerstände sind stark.

DENVER. Ben Bernanke würde es selbst niemals öffentlich zugeben. Doch Ökonomen, die den US-Notenbankchef und seine Arbeit gut kennen, sind überzeugt: Im Stillen wünscht sich der Mann eine etwas höhere Inflationsrate.

„Was würde Ben dafür geben, dass die Inflationserwartungen bei drei Prozent liegen?“ fragte der Stanford-Professor Robert Hall Anfang Januar auf der Jahrestagung der American Economic Association in Denver in einem Vortrag mit dem Titel "The Long Slump" . „Ich bin mir sicher: Seinen Doktortitel vom MIT wäre ihm das mindestens wert, wahrscheinlich sogar noch mehr.“

Denn so sehr Volkswirte in normalen Zeiten ein stabiles Preisniveau hochhalten, derzeit könnten die USA eine höhere Geldentwertung gut gebrauchen, argumentierte Hall auf der wichtigsten Ökonomentagung der Welt.

Wenn die Inflation nicht steige, drohe der US-Wirtschaft eine lange Durststrecke mit magerem Wachstum und hoher Arbeitslosigkeit, warnte er. Es könne sich bis zum Jahr 2015 hinziehen, bis sich die Arbeitslosigkeit in den USA wieder von zehn auf fünf Prozent normalisiert habe.

Damit die Wirtschaft schneller in Fahrt komme, müssten die Unternehmen mehr investieren. Voraussetzung dafür seien niedrigere Realzinsen. Doch die, so Hall, gebe es derzeit nur über den Umweg einer höheren Inflation.

Die Realzinsen ergeben sich aus den nominalen Leitzinsen der Notenbank minus der Inflationsrate. Die Federal Reserve Bank hat ihre Leitzinsen schon Ende 2008 auf nahezu null reduziert – tiefer können sie nicht sinken. Der einzige Weg, die Realzinsen jetzt noch weiter zu reduzieren, sei eine höhere Geldentwertung.

Kommentare (2)

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nachhaltiger

21.01.2011, 23:43 Uhr

weil die USA wenig nachhaltig wirtschaften ist die Geldentwertung unaufhaltsam.

Denn die nächsten Politikgeneration wird sich nicht fesseln lassen von den Megaschulden der Vorgänger.

Alternativ wird die FED einen Großteil der Staatsanleihen kaufen und damit die Geldmenge erhöhen. Dadurch werden alle Anleger in den Vermögensmärkten unter Zugzwang gesetzt: Entweder investieren oder null Zinsen.

Eine dämpfende Wirkung hat hierbei, dass dann die Staatszinsen zwischen Staat und Fed hin- und herpendeln und dann von der inflation entwertet werden.

Nur ein effizienteres Amerika mit weniger Ressourcenverbrauch und keinen Defiziten wird schnell gesunden.

Dafür gibt es keine anzeichen. Es werden weiterhin ineffiziente Güter aus schlechter Gewohnheit lieber nachgefragt.

Mit europäischem Energiesparniveau, und das ist kein besonders gutes, müssten die Amerikaner keinen Tropfen Öl importieren.

Solange die Amerikaner nicht nachhaltiger werden, werden sie ihre Probleme nachhaltig pflegen.

Domenq

28.01.2011, 07:23 Uhr

Dazu gibt es keine Alternative; auch in der Euro-Zone.
Die Schulden dürfen die reale Wirtschaft, die realen Konsumenten nicht strangulieren. Der Laden muss laufen, der Rubel muss rollen.

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