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23.11.2011

07:36 Uhr

Ifo-Studie

Ziele des Kyoto-Protokolls wurden komplett verfehlt

VonHans-Christian Müller

Die Klima-Bilanz der EU kann sich sehen lassen – zumindest auf den ersten Blick. Ökonomen sahen genauer hin und stellten fest: Die Industrieländer erzielten beim Klimaschutz viel weniger Forschritte als angenommen.

Die CO2-Fußabdrücke der Länder werden laut Ifo-Forscher Felbermayser falsch gemessen. dpa

Die CO2-Fußabdrücke der Länder werden laut Ifo-Forscher Felbermayser falsch gemessen.

DüsseldorfIm Vergleich zu 1990 stößt Europa heute ein Sechstel weniger klimaschädliches Kohlendioxid (CO2) aus. Im gleichen Zeitraum ist die Wirtschaftsleistung in der EU um 40 Prozent gewachsen. Wachstum und CO2-Ausstoß, prahlt die EU-Kommission auf ihrer Webseite, seien entkoppelt.

Doch das ist nur die halbe Wahrheit. Bei genauerem Hinschauen erweist sich die Klimabilanz der westlichen Welt als deutlich schlechter, zeigen die Ökonomen Rahel Aichele und Gabriel Felbermayr, die beide am Münchener Ifo-Institut forschen, in einer neuen Studie.

Der bisher übliche Weg, die Klimabilanz eines Landes – den sogenannten CO2–Fußabdruck – zu ermitteln, sei irreführend, argumentieren die Wissenschaftler in einer Studie, die demnächst im „Journal of Environmental Economics and Management“ erscheint. „Die CO2-Fußabdrücke der Länder werden falsch gemessen“, fasst Felbermayr das Ergebnis zusammen.

Er begründet dies mit dem Welthandelsboom der vergangenen Jahrzehnte. Güter werden häufig nicht mehr dort hergestellt, wo sie konsumiert werden. Die internationale Klimapolitik orientiert sich dagegen an den Ländergrenzen. Sie konzentriert sich auf die Treibhausgase, die in einem Land ausgestoßen werden. Um ein vollständiges Bild von der Klimabilanz eines Landes zu bekommen, argumentieren die Münchener Forscher, müsse man aber sämtliche Emissionen betrachten, die durch den Konsum und die Investitionen in einem Land entstehen – also auch die, die importierte Güter in ihrem Produktionsland verursachen.

Wie groß die Lücke zwischen den beiden Betrachtungsweisen ist, zeigen Aichele und Felbermayr in ihrer Studie. Sie haben eine Datenbank der internationalen Im- und Export-Beziehungen von 40 Ländern aufgebaut, die nicht auf den Wert der gehandelten Waren abstellt, sondern auf die bei der Herstellung angefallenen Klimagase.

Kommentare (13)

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wone

23.11.2011, 08:04 Uhr

Großspurige Angela total versagt!

Baere

23.11.2011, 08:09 Uhr

Sehr interessante Betrachtungsweise!

SlingShot

23.11.2011, 08:20 Uhr

China legt jede Woche im Durchschnitt 2 neue Kohlekraftwerke ans Netz. Und uns wird jeder Furz strafbesteuert.

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