Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

01.08.2013

12:41 Uhr

Industrialisierung

Der Aufstiegskampf wird härter

VonFrederic Spohr

Für Entwicklungsländer könnte der Weg zum Wohlstand künftig beschwerlicher werden. Arbeitnehmer werden stärker um ihre Jobs bangen. Besonders der technische Fortschritt bedroht, Jobs in Fabriken.

China und Südkorea katapultierten einen Großteil ihrer Bevölkerung aus der Armut, indem sie Landarbeitern Jobs in den Fabriken verschafften. Reuters

China und Südkorea katapultierten einen Großteil ihrer Bevölkerung aus der Armut, indem sie Landarbeitern Jobs in den Fabriken verschafften.

Was der Finanzchef von Nike im Juni verkündete, verheißt nichts Gutes für Länder wie Vietnam. Nike müsse sparen, und zwar vor allem bei den Belegschaften im Ausland, sagte Don Blair bei der Vorstellung der Quartalszahlen. Weniger Arbeiter und mehr Maschinen sollen künftig in Asien die Textilien fertigen.

Die Ankündigung Blairs bestätigt eine Befürchtung von Dani Rodrik: Künftig müssten Arbeiter in den Entwicklungsländern stärker um ihre Jobs bangen, erwartet der Ökonom der Universität Princeton, seien sie auch noch so billig. "In Zukunft werden Entwicklungsländer einen deutlich stärkeren Gegenwind zu spüren bekommen", schreibt er in einer Studie. Erfolgsgeschichten, wie der kometenhaften Aufstieg Chinas oder Südkoreas, könnten noch rarer werden.

China und Südkorea katapultierten einen Großteil ihrer Bevölkerung aus der Armut, indem sie Landarbeitern Jobs in den Fabriken verschafften. Billige Arbeitskräfte in Verbindung mit importierter westlicher Produktionstechnologie bildeten eine unschlagbare Kombination. Doch der technische Fortschritt bedroht dieses Modell.

Besonders gefährlich für die Entwicklungsländer können Technologien wie 3-D-Drucker werden, die den Bedarf an Arbeitskräften reduzieren. Nike setzt diese Technologie bereits ein und fertigt damit maßgefertigte Trikots für Spitzensportler sowie Teile von Schuhen.

Entwicklungspolitik: Schwellenländer in der Falle

Entwicklungspolitik

Schwellenländer in der Falle

Die aufstrebenden Wirtschaftsnationen bleiben oft bei einem mittleren Einkommensniveau hängen. Auch China nähert sich mittlerweile einer kritischen Schwelle. Die Ökonomen sind sich über die beste Strategie uneins.

Auch der Erfolg Chinas ist für die, die es dem Land gleichtun wollen, eine Hürde. "Die meisten afrikanischen Produzenten werden mit billigen Importen aus China und anderen asiatischen Ländern angegriffen" schreibt Rodrik. Diese Konkurrenz mache es für Regierungen schwieriger ein verarbeitendes Gewerbe anzulocken und weiterzuentwickeln." Hinzu kommt, dass sich Lieferketten immer weiter über den gesamten Globus verteilen. Das mache es zwar einfacher, einen kleines Glied der Kette auszufüllen. Aber es erschwert auch, erfolgreiche Cluster ähnlicher Unternehmen zu bilden - so wie es beispielsweise Thailand mit der Automobilindustrie gelungen ist.

Rodrik empfiehlt daher ein neues Entwicklungsmodell, dem es an Vorbildern fehlt. Statt sich darauf zu konzentrieren, Kapital und Kunden aus dem Ausland zu gewinnen, hänge die künftige Entwicklung eher vom Binnenmarkt ab. "Für dessen Aufbau ist es notwendig, mehr Wert auf Einkommensverteilung und eine gesunde Mittelklasse zu legen", schreibt der Ökonom. "Sozialpolitik und Wachstumspolitik werden deutlich enger verbunden werden müssen."

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

hanji

01.08.2013, 17:38 Uhr

Zit "Erfolgsgeschichten, wie der kometenhaften Aufstieg Chinas oder Südkoreas, könnten noch rarer werden."
Versteh ich nicht. China ist doch noch gar nicht richtig aufgestiegen. Es ist im Schnitt immer noch ein Schwellenland mit ziemlich rückständiger Infrastruktur und einem mickrigen Prokopf-Einkommen unter dem Niveau von Irak oder Peru. Es hinkt dem ebenfalls erwähnten Südkorea, das im Development-Index etwa auf Niveau Dänemark/Finnland steht, in seiner Entwicklung um Jahrzehnte
hinterher.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×