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08.01.2007

06:00 Uhr

Internationale Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Universitäten

Abstimmung mit den Füßen

VonOlaf Storbeck

Deutsche Unis verlieren ihre besten Ökonomen, weil das Ausland bessere Arbeitsbedingungen bietet.

Hans-Werner Sinn sprach es offen aus: „Natürlich finden wir es nicht schön, dass Sie alle im Ausland sind“, begrüßte er 45 deutsche Auslandsökonomen, die sich kurz vor Jahreswechsel in München zu einer wissenschaftlichen Konferenz trafen. „Lieber wäre uns, Sie wären hier“, betonte der Chef des Ifo-Instituts.

Tatsächlich fällt es deutschen VWL-Fakultäten zunehmend schwer, die besten Nachwuchswissenschaftler an sich zu binden. Rund jeder fünfte akademisch arbeitende Volkswirt mit deutschem Pass ist heute im Ausland tätig: Den rund 750 Ökonomen an deutschen Universitäten stehen fast 200 „Expatriates gegenüber. Ausländische Hochschulen bieten Wissenschaftlern deutlich bessere Arbeitsbedingungen.

Das Wintertreffen der deutschen Wirtschaftswissenschaftler im Ausland warf ein Schlaglicht auf diesen Exodus: Zahlreiche der angereisten Forscher arbeiten an den besten Universitäten der Welt wie Yale, Standford und der London School of Economics. Gerade jüngere, begabte und gut ausgebildete Forscher kehren dem verkrusteten deutschen Hochschulsystem den Rücken. Selbst deutsche Top-Fakultäten wie Bonn, München und Mannheim tun sich im internationalen Wettbewerb um die klügsten Köpfe schwer – die starren Hochschulgesetze und das Beamtenrecht lassen ihnen zu wenigen Spielraum.

Neben zahlreichen Nachwuchsforschern verloren die deutschen Fakultäten im vergangenen Jahr mindestens fünf ihrer besten Forscher an ausländische Hochschulen: So wechselte der Bonner Wirtschaftstheoretiker Georg Nöldeke nach Basel, die Makroökonomen Felix Kübler (Mannheim) und Dirk Kürger (Frankfurt) gingen an die University of Pennsylvania. Hans Gersbach zog von Heidelberg nach Zürich, Daniel Sturm von München nach London. Und ein Ende des „Brain Drains“ ist nicht in Sicht –mehrere führende deutsche Ökonomen werden derzeit von internationalen Top-Unis umworben. „Die Abwanderung hat sich in den letzten Jahren verschärft“, klagt Ifo-Chef Sinn. „Gerade sehr guten Forscher verlieren wir in spürbarem Ausmaß an ausländische Hochschulen.“ Umgekehrt haben jedoch selbst die besten deutschen Fakultäten erhebliche Probleme, Forscher aus dem Ausland anzuwerben.

Diese Abstimmung mit den Füßen trägt dazu bei, dass deutsche Unis kaum mit den besten Ökonomie-Fakultäten der Welt mithalten können – trotz aller Anstrengungen und Fortschritte der letzten Jahre. In einem Ranking im Auftrag der European Economic Association lag Bonn 2003 in der VWL als deutsche Nummer eins weltweit auf Platz 87.

Grund für die Misere sind die verknöcherten Strukturen der heimischen Hochschulgesetzgebung – sie macht die Unis unflexibel, bürokratisch und verhindert, dass sie Spitzenforschern konkurrenzfähige Gehälter anbieten können. „Zwischen den Arbeitsbedingungen an guten US-Fakultäten und an deutschen Unis liegen nach wie vor Welten“, sagt Döpke. Der Kölner Vertragtheoretiker Patrick Schmitz, laut Handelsblatt-Ranking der forschungsstärkste deutsche Volkswirt unter 40 Jahren, betont: „Die Rahmenbedingungen für Forscher sind in Deutschland nicht gut – und sie werden nicht besser, sondern schlechter.“ So haben sich die Verdienstmöglichkeiten für jüngere Professoren durch das neue „W“-Besoldungsrecht spürbar verschlechtert; und zahlreiche Bundesländer schraubten die Lehrverpflichtungen nach oben.

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