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15.10.2012

16:39 Uhr

Interview Axel Ockenfels

„Roth war nie im Elfenbeinturm“

VonDorit Marschall

Alvin Roth ist neuer Wirtschafts-Nobelpreisträger. Kaum einer kennt ihn so gut wie sein Ex-Assistent Axel Ockenfels. Der erklärt Handelsblatt Online wie der US-Ökonom arbeitet – und wie dessen Theorie in der Krise hilft.

Der Kölner Professor Axel Ockenfels.

Der Kölner Professor Axel Ockenfels.

Herr Ockenfels, Sie waren als Postdoc bei Alvin Roth und haben schon sechs Paper mit ihm zusammen publiziert. Was zeichnet den Nobelpreisträger vor allem aus?
Seine Schnelligkeit. Es ist unglaublich, in welchem Tempo er denkt und agiert. Das hat er heute schon wieder bewiesen (lacht…). Kaum gratulierte ich ihm per Mail wenige Minuten nach Bekanntgabe der Laureaten, antwortete er. In Harvard, wo ich sein Postdoc war, hat er eine tägliche Kaffeepause eingeführt, jeden Morgen um 10 h stand er auf dem Flur. Nicht alle Studenten kamen jeden Tag vorbei – aber Al war immer da.

Ich dachte damals, ich würde nie verstehen, wie viel er publiziert – und wie viel Zeit er sich trotzdem immer für jeden Einzelnen nahm. Er hatte immer ein offenes Ohr und legte mit seinen Rückfragen den Finger in die Wunde. Dann saßen wir Wochen in unserem Büro, um die Anregungen umzusetzen…

Der Elfenbeinturm ist also nicht gerade das Zuhause des Professors?

Im Gegenteil. Er verbindet Menschen und Märkte. Er agiert mit seiner Forschung wie ein Brückenbauer. Al geht immer einen Schritt weiter. Während die Forscher, die sich um Mechanism Design kümmern, fragen, wie sich ein gewünschtes Ergebnis durch die Änderung von idealisierten Spielregeln bei perfekt rationalem Verhalten erreichen lässt, geht er einen Schritt weiter: Im Market Design, das er stark geprägt hat, geht es um die Frage, wie reale Institutionen gestaltet sein müssen, um bei realem Verhalten bestmögliche Ergebnisse zu erzielen.

Können Sie das weniger abstrakt erklären?

Lassen Sie es mich am Beispiel erklären, das auch das Nobelpreiskomitee in Stockholm genannt hat: der Zuteilung von Praktikanten auf Krankenhäuser. Um dieses Problem zu lösen, wurden eine Reihe von Theoremen entwickelt. Die waren sehr elegant, aber zuweilen praxisuntauglich. Sie haben beispielsweise die Wünsche von Ehepartnern missachtet, in der selben Klinik zu arbeiten. Ehepaare sahen diese Theorien nicht vor. Al hat Algorithmen entwickelt, die zwar komplizierter sind, aber in der Praxis auch funktionieren.

Alvin Roth und Loyd Shapley: Spielend zum Wirtschaftsnobelpreis

Alvin Roth und Loyd Shapley

Spielend zum Wirtschaftsnobelpreis

Schon wieder: Die Schwedische Akademie hat zum 56. Mal US-Forscher mit dem Wirtschaftsnobelpreis geehrt. Haben die Amerikaner ein Abonnement auf diesen Preis - oder haben sie tatsächlich die besten Wissenschaftler?

Was verbindet die Arbeiten von Alvin Roth und Lloyd Shapley?

Shapley hat die Grundlagen gelegt, auf denen Roth viele Jahrzehnte später aufgebaut hat.

Kommentare (3)

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15.10.2012, 21:08 Uhr

Hört sich alles ziemlich lächerlich an.

BBlaze

15.10.2012, 21:23 Uhr

Nee, ist klar. Sowas wie das New England Program for Kidney Exchange, das Roth (mit-)designt hat ist natuerlich total laecherlich. Hilft ja auch nur bei sowas Trivialem wie der Allokation von Spenderorganen...

Lorenzo

16.10.2012, 11:59 Uhr

Guten Tag.

Was Herr Prof. Ockenfels schreibt bzw. beschreibt, ist durchaus verständlich geschrieben. Nur, es ist nichts Neues. Die "Rational Choice Theory" ist doch längst widerlegt und es gibt kein rationales Verhalten beim Menschen und es gibt auch kein optimales Umfeld, in dem solcher Art Entscheidungen gefällt werden. Bezogen auf die praktische Ökonomie, also das Handeln von Unternehmen, können diese eben nicht durch theoretische Modelle der Wirtschaftswissenschaft, entsprechend dem tatsächlichen Verlauf und Ergebnis der Handlungen von Unternehmen, vorhergesagt werden. In dem Sinne wäre es wünschenswert, wenn an den Universitäten noch viel näher an der Praxis orientiert und Interdisziplinär (Fachübergreifend) gelehrt würde.

Dr. Lorenz H. Becker (MBA)

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