Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

11.01.2005

13:39 Uhr

Die Anzahl und das Volumen der Erstnotierungen von Aktien (engl. Initial Public Offering, IPO) an den europäischen Börsen sind auch im vierten Quartal 2004 weiter gestiegen: Nach 118 IPOs mit einem Volumen von 4,66 Mrd. Euro im dritten Quartal gingen zwischen Oktober und Dezember 2004 151 Firmen an die Börse und konnten insgesamt 8,64 Mrd. Euro einsammeln. Noch stärker fällt der Anstieg im Vergleich zum Schlussquartal 2003 aus - damals ließen sich nur 72 Firmen an den Börsen listen und erzielten einen Emissionswert von 2,59 Mrd. Euro. Führender Handelsplatz war, wie im dritten Quartal, London mit 113 IPOs und einem Volumen von 2,78 Mrd. Euro (Viertes Quartal 2003: 44 IPOs und 1,68 Mrd. Euro). Die meisten Börsengänge (einhundert) fanden erneut am Alternative Investment Market (AIM) statt, dem Marktsegment für kleinere, wachstumsstarke Firmen der Londoner Börse. In Deutschland gab es im vierten Quartal 2004 wieder nur eine Neuemission: Nach dem Biotech-Unternehmen Epigenomics im Juli wagte sich die Softwarefirma InTiCom Systems AG im November an die Börse und erzielte mit ihrem IPO am Geregelten Markt einen Emissionserlös von rund 9,6 Millionen Euro beziehungsweise rund 10,7 Millionen Euro bei voller Ausübung der Mehrzuteilungsoption (Greenshoe).
Dies sind die wichtigsten Ergebnisse der aktuellen Ausgabe des IPO Watch Europe von PricewaterhouseCoopers (PwC). In dieser Untersuchung beleuchtet PwC vierteljährlich die Neuemissionen an den 18 wichtigsten Börsen und Marktsegmenten in Europa (Belgien, Dänemark, Deutschland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Großbritannien, Irland, Italien, Luxemburg, Österreich, Niederlande, Norwegen, Polen, Portugal, Schweden, Schweiz und Spanien).
Die größte Neuemission im Schlussquartal des vergangenen Jahres fand danach in Warschau statt, wo die polnische Privatbank PKO BP bei ihrem Börsendebüt Anfang November 1,78 Mrd. Euro erzielte. Auf den Plätzen zwei und drei folgten die IPOs des spanischen Mautstraßenbetreibers Cintra Ende Oktober für 1,24 Mrd. Euro in Madrid sowie des französischen Autobahnbetreibers Autoroutes Paris-Rhin-Rhône (APRR) einen Monat später für 1,21 Mrd. Euro an der Euronext. Erfolgreich war auch die Privatisierung von Chinas größter Luftfahrtlinie: Air Chinas Dual Listing in London und Hongkong brachte 803 Millionen Euro ein.
Der Börsengang der PKO BP hob Warschau auf den zweiten Platz der erfolgreichsten europäischen Handelsplätze nach London: Insgesamt 16 IPOs mit einem Volumen von 2,67 Mrd. Euro wurden dort im vergangenen Vierteljahr platziert. Damit ließ Warschau in Bezug auf das Emissionsvolumen erstmals die Vier-Länder-Börse Euronext mit ihren 16 Neuemissionen und einem Volumen von 1,49 Mrd. Euro hinter sich. Der Erfolg des Handelsplatzes London wurde im letzten Quartal 2004 im Wesentlichen durch die einhundert Erstnotierungen an der AIM geprägt, deren Volumen rund 42% aller IPOs in London ausmachte. Zudem verzeichnete die Londoner AIM zwei Jubiläen: das eintausendste notierte Unternehmen sowie den einhundertsten Börsengang eines ausländischen Emittenten.
In Athen, Dublin, Helsinki, Kopenhagen, Luxemburg, Oslo sowie Stockholm gab es keine Börsengänge.
Betrachtet man die IPOs nach Branchen, so fanden die meisten Börseneinführungen (18) in der Finanzdienstleistungsbranche statt; das sind zwölf mehr als im Vergleichszeitraum des Vorjahres, aber fünf weniger als zwischen Juli und September 2004. Es folgt der Bereich Support Services (Kundenbetreuung) mit 17 IPOs (Drittes Quartal 2004: zehn). Der Bergbausektor sowie die Öl- und Gasindustrie sind mit zwölf respektive 14 IPOs weiterhin stark vertreten.
Trotz des Anstiegs der IPOs reichen Europas Börsenplätze noch nicht an die Vereinigten Staaten heran: Obwohl an der New York Stock Exchange und am Börsensegment für Technologie-Unternehmen, Nasdaq, zwischen Oktober und Dezember 2004 nur 69 Unternehmen erstmal notiert wurden, überstieg ihr Emissionswert mit 9,14 Mrd. Euro das Volumen der 151 europäischen IPOs um rund 6 %. Im dritten Quartal war dieser Trend noch stärker: Damals verzeichneten die USA mit 56 IPOs weniger als die Hälfte aller europäischen Börsengänge - ihr Wert übertraf mit 10,69 Mrd. Euro jedoch den aller europäischen IPOs (4,67 Mrd. Euro) um mehr als das Doppelte.
Der aktuelle IPO Watch Europe ist abrufbar unter: http://www.pwc.com/uk/eng/about/svcs/gp/IPO.html.

Quelle: FINANZ BETRIEB, 11.01.2005

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×