Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

09.07.2012

14:28 Uhr

Kommentar

Die leeren Versprechen der Wutökonomen

VonOlaf Storbeck

Die Euro-Krise erregt die Gemüter. Selbst nüchterne Wissenschaftler lassen sich zu emotionalen Reaktionen hinreißen. Ein Beispiel dafür ist der Aufruf von 172 Ökonomen zum jüngsten EU-Gipfel.

Olaf Storbeck ist Redakteur des Handelblatts. Pablo Castagnola

Olaf Storbeck ist Redakteur des Handelblatts.

Vom ehemaligen US-Präsidenten Harry S. Truman ist überliefert, dass er sich nach einem "einhändigen Volkswirt" sehnte. Einem, der nicht ständig von "on the one hand, on the other hand" spricht, der sich nicht zwischen "einerseits, andererseits" bewegt, sondern einfach eine klare Meinung hat. Eine Reihe der derzeit in der deutschen Debatte über die Euro-Krise tonangebenden Volkswirte hätte Truman vermutlich gefallen.

Offenbar gehören die Zeiten, in denen Ökonomen differenziert argumentierten, zunehmend der Vergangenheit an. Je verworrener die Euro-Krise wird, desto schriller die Tonlage, in der sich manche Wirtschaftswissenschaftler zu Wort melden.

Vorläufiger Höhepunkt ist der Aufruf von 172 Ökonomen zum jüngsten EU-Gipfel und dem dort beschlossenen Einstieg in eine Bankenunion. Inhalt und Stil des öffentlichen Briefs wurden zu Recht dafür kritisiert, dass sie einem seriösen, wissenschaftlichen Diskurs nicht angemessen seien. In zwei Gegenaufrufen haben sich Fachkollegen von dem Manifest distanziert. Kritiker aus Wissenschaft und Politik werfen den Ökonomen vor, Fakten verzerrt darzustellen, Ängste zu schüren und emotional statt rational zu argumentieren.

Tatsächlich drängt sich angesichts dieser Diskussionskultur unter Volkswirten die Frage auf: Erleben wir in diesen Tagen nach dem Aufstieg der Wutbürger nun den Siegeszug der Wutökonomen?

Das gilt mit Sicherheit nicht für die Gesamtheit der deutschsprachigen Volkswirtschaftslehre. Denn es gibt eine ganze Reihe von Wirtschaftswissenschaftlern, die an konstruktiven Konzepten zur Lösung der Euro-Krise arbeiten.

Das jüngste Beispiel kommt jetzt vom Sachverständigenrat. Die Wirtschaftsweisen konkretisierten in einem Sondergutachten ihr Konzept des Schuldentilgungsfonds - einer der interessantesten Lösungsvorschläge, die bislang vorliegen. Die Idee sieht vor, einen Teil der Staatsschulden zeitlich beschränkt und unter strengen Auflagen zu vergemeinschaften. Ein weiteres Beispiel sind die "Euro-Safe-Bonds", die ein Forscherteam um den deutschen Princeton-Ökonomen Markus Brunnermeier entwickelt hat und die den Markt für Staatsanleihen beruhigen könnten, ohne eine gemeinsame Haftung einzuführen. Oder die Idee der "Euro-Bills" von Christian Hellwig (Toulouse) und Thomas Philippon (New York University). Sie schlagen kurzfristige, ein Jahr laufende Euro-Bonds vor, die von einer zentralen Instanz unter strengen Bedingungen emittiert werden.

Kommentare (68)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

09.07.2012, 14:36 Uhr

Hm, aber die Ökonomen anderer Richtungen haben eben auch nur eine (vorübergehende? wers glaubt) Vergemeinschaftung von Schulden zu bieten.
Aber ob damit die Krise eingedämmt wird? Ist doch dann die Bonität der anderen Länder, starken Geberländer auch anzweifelbar, sinkt deren Bonität, verteuert die Kreditaufnahme. Den Nehmerländern ist nicht geholfen, weil die "Investoren" weiterhin keinen Erfolg bei der Umstrukturierung sehen. Und das ist das Dilemma.

Man kann es sich schönrechnen wie man will: es geht nicht ohne harte Einschnitte, die sollen aber bitte auch die vornehmen, die es verbockt haben.

Globalyze

09.07.2012, 14:49 Uhr

Sehr geehrter Herr Storbeck,

Sie behaupten, dass "...die Volkswirtschaftslehre nun mal keine Naturwissenschaft mit ewig gültigen Gesetzen und eindeutigen Ursache-Wirkung-Zusammenhängen" wäre. Damit sprechen Sie der Volkswirtschaftslehre den wissenschaftlichen Charakter ab. Diese Feststellung von Ihnen ist natürlich Unsinn. In der VWL gibt es eindeutige Gesetze, die an die naturwissenschaftlichen Gesetze heranreichen. Das Problem sind häufig die vielen unterschiedlichen Einflussgrößen, weswegen wir Volkswirte mit der ceteris paribus Klausel arbeiten. So ist z.B. der Zusammenhang zwischen zu hoher, also über der Produktivität liegenden Geldmenge und Inflation nahezu unbestritten. Was den Aufruf betrifft, so wundere ich mich doch über die Abqualifizierung Ihrerseits ein Wenig. Was glauben Sie, welche Wirkung ein Aufruf mit Formeln hätte? Fakt ist, dass die Kritiker offensichtlich nicht anerkennen können, dass viele der Volkswirte, die sich übrigens schon seit Jahren melden, richtig lagen. Sie sollten sich vielleicht eher die Frage stellen, warum vier Jahre nach der Finanzkrise noch immer im Hauruckverfahren Gesetze durch den Bundestag gepeitscht werden müssen. Das sieht mir persönlich nach nicht sehr solidem Vorgehen aus. Oder sind da auch wir Kritiker dieser falschen Wirtschafts- und Europapolitik dran schuld?

Mit freundlichen Grüßen

Norbert Lohrke
Vorstand Globalyze Invest AG
(www.globalyze.de)

Account gelöscht!

09.07.2012, 14:50 Uhr

also grad truman als einstig... oweih
unser kleiner bomben werfer.... wie war ads Japan ha tne woche lang versucht sich zu ergeben ?

und ja VWL is keine wissenschaft...

aber ne währung EMOTIONAL zu begründen....
kanns ja wohl auch nicht sein..
und es läst sich faktisch belegen das der lebenstandart und die Realeinkomen der Masse der Menschen gesunken sind... auch wirkung des Euro.. punkt

Ist es Ehtisch vertrettbar, die Lebensleistung der Menschen zu enteignen nur um was "politisches" hochzuhalten....... man kann "gehn sie zurück auf LOS" machen.... wer sagt das Europa sich an die gurgel geht wenn man was wirtschaftlich unvernüftiges auflöst..

selbst grad in der Schwäche phase ist der Euro für die Südländer noch zu stark..... und bei uns inflationiert er die altervorsorge der Leute.. für uns ist er weit zu schwach.... das kann man drehn und wenden wie man will

wir sollten Politik für die Menschn machn nicht für Märkte

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×