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25.09.2012

06:52 Uhr

Korruption

Wo Renditen von mehr als 1000 Prozent möglich sind

VonMalte Buhse

Korruption ist noch immer weit verbreitet - und für Unternehmen ausgesprochen lukrativ. Wirtschaftsforschern zufolge steigt der Börsenwert nach Auftragsvergabe stark an. Doch Bestechen will gelernt sein.

Korruption lohnt sich für Unternehmen - der Marktwert steigt. dpa

Korruption lohnt sich für Unternehmen - der Marktwert steigt.

KölnDie Buchhalter trauten ihren Augen nicht: Auf ihrem Schreibtisch lag eine Rechnung über 850.000 Euro, eingereicht von einem chinesischen Geschäftspartner. Ausgabegrund: Schmiergeldzahlungen an staatliche Behörden. Erlebt hat das im Frühjahr der Chemiekonzern Evonik. Das war der Anlass, das Gemeinschaftsunternehmen mit den Partnern in China dichtzumachen. Auch wenn wenige Firmen so unverfroren sind wie die chinesischen Evonik-Geschäftspartner - Korruption ist noch immer weit verbreitet - und offenbar auch hoch lukrativ.

Fast jedes zweite Unternehmen verdächtigt laut einer Umfrage der Nachrichtenagentur Dow Jones seine Konkurrenten, mit unsauberen Mitteln zu kämpfen. Weltkonzerne wie Siemens, Halliburton und Lockheed Martin sind überführte Korruptionssünder. Den Cambridge-Forscher Raghavendra Rau wundert das wenig. Denn Schmiergeld hat eine extrem hohe Rendite, zeigt er in einer aktuellen Studie.

Zusammen mit zwei Kollegen hat Rau eine Datenbank mit 166 Korruptionsfällen aus der ganzen Welt zusammengetragen. Dabei konnten die Forscher naturgemäß nur bekannt gewordene Fälle auswerten. Trotzdem sind die Daten aussagekräftig, denn sie stammen aus 52 Ländern und decken einen Zeitraum von 36 Jahren ab.

Anhand der Aussagen der beschuldigten Manager vor Gericht bestimmten die Forscher, für welchen Vertragsabschluss wie viel Schmiergeld geflossen war. Anschließend analysierten sie, wie weit der Börsenkurs in die Höhe geschnellt war, als das Unternehmen den Vertragsabschluss öffentlich verkündet hatte.

Diesen Wertzuwachs des Unternehmens behandeln sie als Ertrag der Schmiergeldzahlungen, die den Abschluss möglich machten. Das Ergebnis der Autoren: „Jeder Dollar Schmiergeld erhöht den Marktwert eines Unternehmens im Durchschnitt um rund elf Dollar.“ Das entspricht einer Rendite von 1100 Prozent.

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Zu einem ähnlichen Ergebnis war im vergangenen Jahr das US-Justizministerium bei einer Auswertung von Korruptionsfällen, die vor amerikanischen Gerichten verhandelt wurden, gekommen. Diese Zahlen zeigen: Durch Bestechung können sich Firmen häufig sehr lukrative Aufträge sichern. Schmiergeld ist in vielen Fällen extrem ertragreich.

Doch Bestechen will gelernt sein. Erfolgreiche Unternehmen scheinen auch in Sachen Korruption einen Wettbewerbsvorteil zu haben: Firmen, die hohe Gewinne erwirtschaften, bekommen für ihr Schmiergeld eine bessere Rendite als Konkurrenten, bei denen die Geschäfte schlecht laufen, zeigt die Studie. Sie verhandeln geschickter mit den korrupten Beamten und drücken so den Preis, vermuten die Ökonomen.

Die Ergebnisse der Forscher sind für die Bekämpfung von Korruption sehr wichtig. Denn erst wenn bekannt ist, wie viel Unternehmen mit der Zahlung von Schmiergeld verdienen, haben Aufsichtsbehörden ein Maß, an dem sie sich bei Strafzahlungen orientieren können. Nur wenn die potenzielle Strafe höher ist als der durch eine kriminelle Tätigkeit erwirtschaftete Gewinn, entfaltet sie eine abschreckende Wirkung, hat der Nobelpreisträger Gary Becker von der Universität Chicago in einem bekannten Modell zur Ökonomie des Verbrechens gezeigt.

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Kommentare (17)

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Hermosa

25.09.2012, 08:00 Uhr


Korruption/Steuerhinterziehung findet mittlerweile an allen Ecken und Enden statt....auch in Deutschland!

Ein Grund dafür ist der größer werdende Vertrauensverlust in Wirtschaft und Politik und der damit einhergende sinkende Respekt den Selbigen gegenüber.

Frei nach" wenn die es da oben machen" kann ich das auch!






Umverteilung

25.09.2012, 08:08 Uhr

Wenn ich richtig informiert bin, so liegt Deutschland was Korruption angeht schon auf den vorderen Plätzen. Also : 1: den Stein nicht so weit werfen, und 2. nicht so arg mit dem Finger auf andere zeigen!

steuerhilfe.net

25.09.2012, 08:11 Uhr

Wer heute nicht korrupt ist wird doch nur ausgelacht, in unserer heutigen Welt zählt doch nur noch der schnöde Mammon. Ich schätze 90 % sind korrupt oder würden es gerne sein, ob nun in Wirtschaft oder Politik.

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