Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

15.07.2012

09:23 Uhr

Kreditvergabe

Eigenkapital macht Finanzsystem sicherer

VonOlaf Storbeck

Eine neue Studie zeigt, dass die Kreditvergabe nicht leidet, wenn Banken über dickere Kapitalpolster verfügen. Die Geldinstitute wollen ein dickeres Eigenkapitalpuffer einrichten, um das System sicherer zu machen.

Die Banken in Frankfurt: Die Branche droht mit höheren Zinsen. dpa

Die Banken in Frankfurt: Die Branche droht mit höheren Zinsen.

LondonGenug ist genug, protestiert Charles Dallara, der Direktor der internationalen Bankenvereinigung IIF. Mit Forderungen nach immer höheren Eigenkapitalauflagen für Banken müsse Schluss sein. Würde der Staat Geldinstitute zwingen, noch mehr Eigenkapital zur Seite zu legen, riskiere er eine neue Rezession, warnt Dallara. Dann stünden weltweit bis zu 7,5 Millionen Jobs auf dem Spiel.

Strenge Eigenkapitalanforderungen sind Banken ein Dorn im Auge. Seit dem Ausbruch der Finanzkrise machen sich Forscher und Bankenregulierer dafür stark, dass Geldinstitute deutlich dickere Eigenkapitalpuffer einrichten, um das Finanzsystem sicherer zu machen. So sprechen sich Volkswirte der Bank of England für Eigenkapitalquoten von 16 bis 20 Prozent aus - das wäre mindestens doppelt so viel, wie die Basel-III-Regeln ab 2018 vorschreiben.

Banker und ihre Lobby wehren sich mit Händen und Füßen gegen diese Ideen. Zu hohe Eigenkapitalauflagen führten dazu, dass sie weniger neue Kredite vergeben könnten, argumentieren sie. Zudem müssten sie höhere Zinsen verlangen. Beides bremse Wachstum und Beschäftigung.

Aber wie stichhaltig sind diese Warnungen? Dieser Frage ist die Tübinger Ökonomin und neue Wirtschaftsweise Claudia Buch in einer empirischen Studie auf den Grund gegangen - gemeinsam mit ihren Fakultätskollegen Esteban Prieto und am Beispiel der Kreditvergabepraxis der deutschen Banken von 1950 bis 2009.

Ihr Befund ist bemerkenswert: Die Sorge, dass besser kapitalisierte Banken weniger Kredite vergeben, erweist sich als unbegründet. "Es gibt keine Belege dafür, dass hohes Eigenkapital einer Bank negative Folgen für die Kreditvergabe an Unternehmen hat", lautet das Fazit der Studie mit dem Titel "Do Better Capitalized Banks Lend Less?"

Die Arbeit liefert neue empirische Belege für die Zweifel, die zahlreiche Ökonomen seit Jahren an der Argumentation der Bankenlobby hegen. Ein Forscherteam der Bank of England hatte im vergangenen Jahr ebenfalls auf historische Erfahrungen verwiesen: Zwischen 1880 und 1960 verfügten Banken in den USA und Großbritannien demnach über deutlich höhere Eigenkapitalpuffer als heute - dies habe aber weder zu systematischen Kreditklemmen noch zu Problemen beim Wirtschaftswachstum geführt.

Kommentare (4)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

RD1

15.07.2012, 10:12 Uhr

Das ist doch mal ein Artikel, der in die richtige Richtung geht.
Die hier angedeutete Richtung wäre eigentlich schon früher ein Teil der Lösung der Finanzkrise gewesen.

Account gelöscht!

15.07.2012, 10:58 Uhr

Zustimmung, solche Verlaufsstudien habe ich bis jetzt auch vermißt. So kann man sich besser eine Meinung abseits vom Mainstream bilden, und nachvollziehen um was es bei den Einzelnen Standpunkten wirklich geht, nämlich um eigene kurzfristige Interessen.

Tricheur

15.07.2012, 11:45 Uhr

Neue Eigenkapitalregeln und überhaupt Bankenregulierungen werden über Schattenbanken in Steueroasen umgangen. Solange die Berater der Politiker Bankenmanager sind wird es keine Bankenregulierung geben. Die Finanzministerien müssen selbst das Knowhow haben und die Regeln bestimmen und nicht die Lobbyisten die gleichzeitig von den Banken bezahlt werden.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×