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11.01.2012

14:01 Uhr

Krisen-Politik

Das Heil aus der Druckmaschine

VonOlaf Storbeck

Der Kauf von Staatsanleihen gilt vielen Zentralbankern als scharfe Waffe im Kampf gegen den Abschwung. Doch die genauen Folgen lockerer Geldpolitik sind kaum kalkulierbar. Und irgendwann verschleißt selbst diese Klinge.

Geld wie am Fließband: die Bundesdruckerei in Berlin ddp

Geld wie am Fließband: die Bundesdruckerei in Berlin

LondonIhre Worte sollten die Finanzmärkte beruhigen und Panik verhindern. Ein bisschen sprach sich die US-Notenbankerin Janet Yellen aber auch selbst Mut zu, als sie Anfang Januar 2009 über die Zukunft der US-Geldpolitik redete: Sicherlich, die Leitzinsen seien bei null angekommen. Aber damit hätten die Notenbanken ihr Pulver keineswegs verschossen, beteuerte die heutige Stellvertreterin von Fed-Chef Ben Bernanke.

„Dass die konventionelle Geldpolitik ausgeschöpft ist, bedeutet nicht, dass wir keine Optionen mehr hätten, die Wirtschaft mit anderen Maßnahmen zu stimulieren“, sagte sie. Schließlich könnten die Notenbanken auf den Finanzmärkten unbegrenzt Wertpapiere kaufen und so neues Geld in die Wirtschaft pumpen.

Schnell ließen die Fed und die Bank of England (BoE) diesen Worten Taten folgen. In einem nie zuvor da gewesenen Ausmaß kauften diese Zentralbanken Staatsanleihen und andere Wertpapiere. Bis heute ist diese Politik der „quantitativen Lockerung“ („Quantitative Easing“, QE) für beide Zentralbanken – anders als für die EZB – ein zentrales geldpolitisches Instrument. Im Herbst haben Fed und BoE neue QE-Runden eingeläutet.

Aber wie genau wirkt diese schöne, neue Geldpolitik? Makroökonomen und Geldpolitikexperten tun sich mit einer Antwort auf diese Frage erstaunlich schwer. „Es ist schwierig, die Folgen von Politikmaßnahmen wie QE direkt zu messen“, räumen die Volkswirte der Bank of England ein. „Die Schätzungen dazu sind hochgradig unsicher.“

Einig sind sich die meisten Experten darin, dass QE ein wichtiges Element war, um ein Abrutschen der Weltwirtschaft in eine zweite Große Depression zu verhindern. Für die Vereinigten Staaten schätzt John Williams, Präsident der Federal Reserve Bank von San Francisco, dass die Anleihekäufe der Fed bis Mitte 2012 das Wirtschaftswachstum um rund drei Prozent angekurbelt und dabei drei Millionen zusätzliche Jobs geschaffen haben. Die Wirkungen seien vergleichbar mit einer Senkung der Leitzinsen um 75 Basispunkte.

Kommentare (8)

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atp50

11.01.2012, 14:55 Uhr

Könnte mir bitte ein freundlich geneigter Journalist oder auch hilfsbereite Leser nachvollziehbar und aktuell praxisnah erläutern wie der HB-Titel "Das Heil aus der Druckmaschine" (oder auch "die drucken wieder Geld") gemeint ist. Das es nicht physisch gedruckt wird ist dabei schon klar.

Also: da sind zuerst die Anleihen, die teilweise dann auch zu "Schrottanleihen" verkommen, die wiederum werden von der EZB aufgekauft/in Zahlung genommen/beliehen? und weiter...?
Vielen Dank

Realo

11.01.2012, 16:35 Uhr

Geld, das durch nichts gedeckt ist und beliebig aus dem Nichts erschaffen werden kann, wird immer zu einem Riesencrash führen. Wir brauchen eine solide Eigentumsökonomik.

Realo

11.01.2012, 16:40 Uhr

@atp50: Nichts weiter. Sie brauchen sich nur mal die Frage zu stellen, woher die EZB das Geld nimmt, mit dem sie die Anleihen kauft. Sie schöpft es aus dem Nichts. Es existiert schlichtweg nicht und wird einfach geschaffen.

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