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19.10.2011

09:33 Uhr

Langzeitstudie

Kinderkrippen machen schlau und reich

VonOlaf Storbeck

Wenn ihre Mütter arbeiten, werden viele Sprösslinge schon früh in Ganztagskindergärten betreut. Ob ihnen das nützt oder schadet, hat eine Langzeitstudie aus Norwegen untersucht. Die Ergebnisse sind bemerkenswert.

Kinder, die Betreuungseinrichtungen nutzen, sind seltener auf Sozialhilfe angewiesen. ap

Kinder, die Betreuungseinrichtungen nutzen, sind seltener auf Sozialhilfe angewiesen.

LondonFür die ehemalige Tagesschau-Sprecherin Eva Herman besteht kein Zweifel: Mütter gehören zu ihren Kindern, nicht an den Arbeitsplatz - sonst bleiben die Kinder auf der Strecke.

Im September kritisierte Herman Bundesfamilienministerin Kristina Schröder in einem offenen Brief scharf dafür, dass diese schon drei Monate nach der Geburt ihrer Tochter an den Schreibtisch zurückgekehrt ist: "Ich hätte mir gewünscht, dass das kleine Mädchen mehr von ihrer Mama gehabt hätte."

Auch mit den Plänen der Bundesregierung, deutlich mehr Kinderkrippen zu bauen, rechnete Herman ab. Das richte "verheerenden Schaden" an. "Jedes schon früh fremdbetreute Kleinkind ist eines zu viel." Das, so Herman, sei nichts weniger als "die Wahrheit". Herman hätte vor dem Schreiben ihres Briefes einen Blick in das "American Economic Journal" werfen sollen - in der anspruchsvollen Fachzeitschrift hätte sie eine einzigartige Langzeitstudie zu den Folgen staatlicher Kinderbetreuung gefunden.

Die Arbeit kommt zu dem Fazit: das Gegenteil von dem, was Herman schreibt, ist richtig. "Staatlich subventionierte Kinderbetreuung hat starken positiven Einfluss auf das spätere Erwachsenenleben der Kinder", schreiben Tarjei Havnes (Universität Oslo) und Magne Mogstad (University College London). Wer in einer staatlich finanzierten Kindertagesstätte war, hat im Alter von 30 eine bessere Bildung und ein höheres Einkommen.

Die Studie analysiert die Langzeitfolgen eines politischen Kurswechsels in Norwegen in den frühen 70er-Jahren. Um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu erleichtern, baute der Staat ab 1975 die Kinderbetreuung stark aus. Bis 1979 verdoppelte sich die Zahl der Plätze in Ganztagskindergärten für Drei- bis Sechsjährige.

Die Wissenschaftler verfolgen die Bildungs- und Erwerbskarrieren der ersten Generation von Norwegern, die in den neuen Kindertagesstätten aufwuchsen - rund 175.000 zwischen 1973 und 1976 Geborene. Zum Vergleich zogen die Forscher 400.000 Norweger heran, die 1967 bis 1972 geboren wurden und schon ganz oder teilweise aus dem Kindergartenalter herausgewachsen waren, als die Gesetze griffen. Um Ursache und Wirkung messen zu können, nutzten die Wissenschaftler aus, dass es damals große regionale Unterschiede bei der Kinderbetreuung gab.

Kommentare (26)

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otto15

19.10.2011, 10:03 Uhr

Bevor man einen Kommentar abgibt, sollte man genau lesen. Die Betreuungsplätze für 3-6 jährige wurden ausgebaut. Frau Herman kritisierte Bundesfamilienministerin Kristina Schröder in einem offenen Brief scharf dagegen dafür, dass diese schon drei Monate nach der Geburt ihrer Tochter an den Schreibtisch zurückgekehrt ist.
Was lerne ich daraus: Dass Autoren im HB keine Zeit mehr haben, Artikel Korrektur zu lesen. Eilen wahrscheinlich zur KITA...

Kinderkrippen

19.10.2011, 10:25 Uhr

Es ist keine Frage, ob fremdbetreut oder zu Hause erziehend, sondern es geht letztendlich um die Qualität der Betreuung. Es gibt viele Kinder, die zu Hause "versorgt" werden, aber wo die Versorgung wesentlich schlechter ist, wie Fremdbetreuung.
Und ich finde, dass es auch langsam in D mal Zeit wird, um die Entscheidung der Mütter bzw. Eltern zu diesem Thema zu respektieren.
In vielen Ländern ist es ganz normal, dass Frauen nach drei Monaten wieder arbeiten gehen und die Kinder fremdbetreut werden, ohne dass hierdurch psychische Schäden entstehen (das wird schon seit Jahrzehnten so gemacht mit gutem Erfolg, wenn die Krippe gut geführt ist, also Fachpersonal mit einer nicht zu hohen Ratio Versorger Kind - max. 6 Kinder pro Versorger).

Frau Herman sollte mal im 21. Jahrhundert ankommen und vor allen Dingen sich nicht in Dinge einzumischen, die deutlich zur Privatsphäre einer Person gehören.

petersen

19.10.2011, 10:25 Uhr

"Die Forscher stellen fest: Jeder zusätzlich eingerichtete Betreuungsplatz führte dazu, dass ein Kind später im Schnitt 0,35 Jahre länger zur Schule ging."

Aha. Wenn man also 1000 Betreuungsplätze schafft, gehen die Kinder dann 350 Jahre länger zur Schule. So so.

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