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25.08.2011

11:53 Uhr

Lindauer Treffen

Nobelpreisträger mit Selbstzweifeln

VonDorit Marschall, Olaf Storbeck

Am Bodensee treffen sich zum vierten Mal die Top-Ökonomen der Welt. Die Krise veranlassst sie zu ungewohnt klarer Kritik an ihrem eigenen Fach.

Gräfin Bettina Bernadotte eröffnete das vierte Treffen der Nobelpreisträger in Lindau. Christian Flemming

Gräfin Bettina Bernadotte eröffnete das vierte Treffen der Nobelpreisträger in Lindau.

LindauDie Begrüßung von Nobelpreisträgern fiel schon mal freundlicher aus: „Schande über euch ‚noble’ Ökonomen – ihr habt die Welt mit euren neoliberalen Ideen an den Abgrund geführt“, hieß es auf einem Plakat, das Attac-Aktivisten vor der Lindauer Inselhalle aufgehängt hatten.

Was sie vermutlich nicht ahnten: Ganz ähnliche Argumente waren auch drinnen zu hören – von den so gescholtenen „noblen Ökonomen“. So betonte der New Yorker Wirtschaftswissenschaftler und Nobelpreisträger Joseph Stiglitz: „Die gängigen makroökonomischen Modelle sind zu einem großen Teil verantwortlich für die Krise.“ Die Politikempfehlungen, die Volkswirte daraus ableiteten, hätten in die Misere geführt. „In unserem analytischen Rahmenwerk sind viele Dinge falsch.“ So habe das Fach die Bedeutung von Banken und Kreditmärkten für die ökonomische Stabilität über Jahrzehnte sträflich vernachlässigt.

Bis Samstag diskutieren 17 Laureaten und rund 360 junge Wissenschaftler aus 60 Ländern über die Wirtschaftswissenschaft der Zukunft. Welche Lehren muss die Disziplin aus der Krise ziehen? Was sind die Themen von morgen?

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Edmund Phelps plädiert für höhere Steuer in den USA - in Form einer neuen landesweiten Mehrwertsteuer und höherer Sätze bei der Einkommensteuer. Im Interview verrät er weitere Rezepte gegen die Krise.

Vor der offiziellen Eröffnung der Konferenz durch Bundespräsident Christian Wulff hatten Attac-Aktivisten vor der Inselhalle Flugblätter an die Besucher verteilt – mit „zehn Fragen für die Ökonomie-Laureaten und Wissenschaftler“. Sie wollten zum Beispiel wissen, ob das Finanzsystem so weit stabilisiert sei, dass die Steuerzahler nicht erneut damit rechnen müssten, mit ihren Geldern systemrelevante Banken retten zu müssen. Sie beklagten, dass die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinandergehe – und fragten, wie dieser Trend gestoppt werden könne.

Bemerkenswert war, dass Bundespräsident Wulff in seiner Rede auf ganz ähnliche Punkte einging – so forderte er eine Trendwende hin zu nachhaltigem Wirtschaften, kritisierte die hohe Bezahlung von Bankern und betonte mit Blick auf die Entwicklungsländer: „Wir leben nicht nur auf Kosten zukünftiger Generationen, sondern auch auf Kosten der Schwächsten unserer Zeit.“

Kommentare (5)

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Blickensdoerfer

25.08.2011, 21:21 Uhr

„Die gängigen makroökonomischen Modelle sind zu einem großen Teil verantwortlich für die Krise.“ „In unserem analytischen Rahmenwerk sind viele Dinge falsch.“ Wenn das eine zutreffende Übersetzung von Stiglitz Aussagen ist, dann kommt auch in diesen Aussagen ein Merkmal der herrschenden Wirtschaftswissenschaft zum Ausdruck:
1. Modelle seien verantwortlich - nicht Wissenschaftler / Nobel-Preisträger, die diese Modelle als Wissenschaft verkauft haben.
2. Wirtschaftswissenschaft bedarf eines "analytischen Rahmenwerks" - nicht eines als wissenschaftlich zu bezeichnendes Verstehens /Denkens.
Warum zum Beispiel wurde, trotz dieser festgestellten "falschen Dinge" , das "Rahmenwerk für "Politik und Analyse" (SNA, ESVG 95) bisher nicht von solchen Dingen befreit?
Der letzte G20-Gipfel hat als Ursache der Krise "Wirtschaftsungleichgewichte" und das Fehlen eines neuen "Weltwährungssystems" verstanden. Und die herrschende Wirtschaftswissenschaft? Sie müsse jetzt(!) die Frage beantworten, welche Lehren aus der Krise zu ziehen sein?
Wenn nun ein so kluger Mann wie der Bundespräsident Christian Wulff im Vertrauen darauf, was Wirtschaftswissenschaft zur Krise äußert, als Ursache der Krise vor allem die "Politik" sieht, welche sich von den Märkten und Zentralbanken abhängig fühlt, hektisch reagiert und ihre Handlungsfähigkeit verloren habe, dann zeigt das doch auch das Fehlen von als wissenschaftlich zu bezeichnenden Vorschlägen der Wirtschaftswissenschaft, was und wie Politik handeln muss.
Wirtschaftswissenschaft muss sich lösen von einer Ideologie, die nicht nur in “wirtschaftspolitischer Orthodoxie” zum Ausdruck kommt und die jedes Andersdenken, Weiterdenken verhindert. “There ist no alternative”, diese Ideologie muss auch in der Wissenschaft vom Menschen und von der Menschheit überwunden werden. Es gibt eine Alternative!
(s.a. http://diskussion.erkenntniswiderspruch.de)

Account gelöscht!

27.08.2011, 11:14 Uhr

Die Betrachtung weltwirtschaftlicher Prozesse ist wohl eher aus Sicht der (bisher in den Anfängen steckenden) Chaos-Theorie und der Kriminologie genauer und erkenntnisreicher zu betreiben, die sich mit Wirtschaftskriminalität, dem Entstehen und Funktionieren von Korruption und Netzwerken einflußreicher Interessengruppen, staatsmachtmißbrauchenden Eliten und der dazugehören Historie befaßt.
J. F. Kennedy hat mit dem Leben dafür bezahlt, daß er diesen Verhältnissen den Kampf angesagt hat, leider ist die Wirtschaftswissenschaft auf diesem "Auge" vollkommen blind:

http://www.youtube.com/user/Beobachter1927#p/f/68/D2sqnAWfrTc

WirSINDes

29.08.2011, 00:52 Uhr

„Wir leben nicht nur auf Kosten zukünftiger Generationen, sondern auch auf Kosten der Schwächsten unserer Zeit.“
Das muß der Bundespräsident gerade sagen . Er der gegen eine gemaschaft Europas ist . Und gegen Eurobonds usw
Oder liegen wir jetzt falsch ?

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