Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

24.11.2012

16:00 Uhr

Liquiditätspuffer

Flüssige Banken und blanke Firmen

VonNorbert Häring

Neben den Eigenkapitalregeln gilt es für Banken in Zukunft auch Liquiditätspuffer einzuhalten. Doch bei aller guten Absicht hat das einen Pferdefuß. Denn die Vorschriften gehen zu Lasten der übrigen Wirtschaft.

Der Times Square in New York mit der Pleite von Lehman Brothers im Newsticker. Reuters

Der Times Square in New York mit der Pleite von Lehman Brothers im Newsticker.

Zwei Buchstabenkombinationen sind Stolz und Hoffnung der Bankenregulierer, die NSFR und die LCR, kurz für Net Stable Funding Ratio und Liquidity Coverage Ratio. Bei diesen schwer zu übersetzenden Begriffen geht es darum, dass erstmals neben dem Eigenkapital der Banken auch deren Liquiditätslage Regeln unterworfen werden soll.

Die Net Stable Funding Ratio soll, wenn sie denn einmal in Kraft tritt, über eins liegen. Das bedeutet, dass die stabilen Finanzierungsquellen einer Bank höher sein müssen als deren langfristige Forderungen. Damit soll vermieden werden, dass unmittelbar die Zahlungsunfähigkeit droht, wenn die instabilen Finanzierungsquellen versiegen, wie etwa unbesicherte Kurzfristkredite, die Lehman Brothers das Genick brachen. Eine Liquidity Coverage Ratio von größer eins verlangt, dass Zahlungsverpflichtungen, die in den nächsten 30 Tagen auftreten können, von hochliquiden Wertpapieren mehr als abgedeckt sind.

Beides klingt fortschrittlich, hat aber einen Pferdefuß. Die einfachste Methode, beide Bedingungen zu erfüllen, ist es, keine langfristigen Kredite zu vergeben und stattdessen kurzfristige Kredite zu vergeben oder Wertpapiere zu kaufen. Denn mit der langfristigen Kreditvergabe ist unmittelbar eine Verschlechterung der Liquiditätslage verbunden. Will das Bankensystem insgesamt trotzdem hochliquide bleiben, muss es die Kreditvergabe durch Finanzmarkttransaktionen mit Nichtbanken kompensieren, bei denen es Liquidität gewinnt.

Die Folge drückt Bernard Vallageas von der Universität Paris Süd so aus: "In dem Maße, wie sich die Bilanzqualität der Banken verbessert, verschlechtert sich die Bilanzqualität der übrigen Wirtschaft", also von Versicherern, Unternehmen, Haushalten und Staat. Wenn die Unternehmen nicht mehr so leicht langfristige Kredite bekommen, haben die Kleinen ein Problem, und die Großen müssen auf den Kapitalmarkt ausweichen und Anleihen begeben. Diese können die Banken wiederum kaufen, weil sie im Bedarfsfall liquidierbar sind.

Basel III: Der Irrglaube an das Eigenkapital

Basel III

Der Irrglaube an das Eigenkapital

Die USA wollen die höheren Eigenkapitalregeln für Banken nun doch nicht umsetzen, die Europäer rufen "Foul". Doch womöglich haben die Amerikaner recht: Ökonomen sehen höheres Eigenkapital als trügerische Sicherheit.

Wenn aber die Banken ein Problem bekommen, weil sie sich mit Wertpapieren verzockt haben, versuchen sie massenhaft, Unternehmensanleihen zu verkaufen. Deren Kurse brechen ein. Die Unternehmen können keine Anleihen mehr absetzen und gehen pleite oder streichen ihre Investitionspläne zusammen. Die Konjunktur bricht ein. Das wiederum ist nicht gut für die Banken, die auf Forderungen sitzenbleiben.

Ähnliches findet bei Staatsanleihen der Krisenländer in Europa bereits statt. Scheinbar hochliquide Staatsanleihen werden toxische Ladenhüter, als die Banken sie massenhaft verkaufen wollen. Der Staat bekommt ein Problem und damit wiederum die Banken.

Kommentare (2)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Brasil

24.11.2012, 17:14 Uhr

Gibt es eigentlich in Europa in den letzten Jahren etwas, was von den Polittrotteln NICHT falscvh gemacht wurde?

merxdunix

24.11.2012, 21:09 Uhr

@ Brasil
Ja leider, das gibt es. Die Trottel haben das Falsche richtig gemacht und auch Geld dafür bekommen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×