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16.01.2012

14:43 Uhr

Lohnstückkosten

Qualität wichtiger als Preis für deutsche Exportstärke

Die Lohnstückkosten in Deutschland sind im vergangenen Jahrzehnt größtenteils konstant geblieben. Damit trugen sie zwar zum deutschen Exporterfolg bei - waren aber längst nicht die wichtigste Ursache.

Laut IW-Institut sind die Lohnstückkosten konstant geblieben. dpa

Laut IW-Institut sind die Lohnstückkosten konstant geblieben.

BerlinNiedrige Lohnstückkosten sind nach Ansicht des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) nicht der maßgebliche Faktor für die Exporterfolge der Bundesrepublik. In einer Analyse kommt das IW zu dem Ergebnis, dass Deutschland bei den Lohnstückkosten der Industrie zwar besser dastehe als die übrigen Länder der Eurozone, aber im Vergleich zu den USA und Japan zurückgefallen sei. „Die Exportstärke der deutschen Industrie erklärt sich vor allem durch die Qualität ihrer Produkte und die Kundenorientierung der Unternehmen“, sagte IW-Direktor Michael Hüther am Montag in Berlin.

Er wies die These zurück, Deutschland habe in den vergangenen Jahren zulasten seiner Nachbarn zu stark auf die Lohnbremse getreten. Das IW analysierte die internationale Entwicklung der Lohnstückkosten des verarbeitenden Gewerbes seit 1991. Unter den Lohnstückkosten versteht man den Quotienten aus Arbeitnehmereinkommen und dem Wert aller Güter eines Wirtschaftszweiges (hier: der Industrie) oder einer Volkswirtschaft

Der Studie zufolge stiegen die industriellen Lohnstückkosten Deutschlands nach der Wiedervereinigung bis 1996 stärker als im übrigen Euroraum. Danach sanken sie bis 2007, und zwar beschleunigt von 2002 an. In der Krise 2008 und 2009 ging es wieder rasant nach oben, weil die Unternehmen trotz Produktionseinbruchs nur wenig Mitarbeiter entließen.

Im gesamten Zeitraum 1991 bis 2010 erhöhten sich laut IW die Lohnstückkosten in Deutschland um 13 Prozent, im Rest der EU um 16 Prozent. Bei den wichtigsten ausländischen Konkurrenten Euro-15 (ohne Deutschland und Irland) USA, Japan, Kanada, Südkorea, Australien, Norwegen) kletterten sie lediglich um zwei Prozent.

Das deutsche Verarbeitende Gewerbe weise nach wie vor im internationalen Vergleich das fünfthöchste Lohnstückkostenniveau auf. „Anders als oft behauptet, ist Deutschland in den vergangenen Jahren keineswegs übermäßig auf die Lohnbremse getreten“, heißt es in der IW-Analyse.

Nach einer jüngsten Studie des gewerkschaftsnahen IMK-Instituts hingegen waren die Arbeitskosten der deutschen Privatwirtschaft zwischen 2000 und 2010 nominal um durchschnittlich 1,7 Prozent im Jahr gestiegen, im Schnitt des Euro-Raum um 2,8 Prozent.

Kommentare (4)

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Sozial_ist_was_Arbeit_schafft

16.01.2012, 11:57 Uhr

Arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) = Lobbyisteninstitut der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM).
Deren Ziel ist es, mit schlauen Sprüchen und Parolen den Bundesbürgern die Notwendigkeit radikaler Reformen einzuhämmern, damit sie die Wünsche der Wirtschaft als ihre eigenen begreifen. Grundsätzlich steht alles zur Disposition: Kündigungsschutz, Rente, Existenzsicherung.
Es geht nur noch um ein Mehr oder Weniger des Abbaus. Wirtschafts-Chef-Lobbyist dieses Kölner Instituts ist Michael Hüther, den uns die öffentlich-rechtlichen Meinungsmache-Talkshows als „unabhängigen Experten“ verkaufen und der seine kranke INSM-Ideologie dort unters deutsche Dummvolk verbreiten darf. Auch das Handelsblatt ist da nicht außen vor, welches Werbekampagnen der INSM wie „redaktionelle“ Beiträge aussehen lässt, anstatt diese als Werbung und Propagandapamphlet eines Vereins kenntlich zu machen. INSM-Spruch: „Sozial ist, was Arbeit schafft“, auch wenn man nicht davon leben kann. Übrigens hat diese sozialstaats- und menschenfeindliche Lobbyistentruppe des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall nun eine neue Anschrift in Berlin.

Tumb

16.01.2012, 13:13 Uhr

"Lohnstückkosten stabil"

Wäre ja auch eine Überraschung, wenn es Lohnerhöhungen gegeben hätte. So freuen wir uns eben einmal mehr gemeinsam mit dem Firmenchef, seinen Aktionären und damit auch dem DIW...

PS: Reallohn sank in den letzten 5 Jahren - trotz "XXL-Aufschwung" - um 7 Prozent (Quelle: FAZ, siehe: http://is.gd/KveOMx)

Tumb

16.01.2012, 13:13 Uhr

"Lohnstückkosten stabil"

Wäre ja auch eine Überraschung, wenn es Lohnerhöhungen gegeben hätte. So freuen wir uns eben einmal mehr gemeinsam mit dem Firmenchef, seinen Aktionären und damit auch dem DIW...

PS: Reallohn sank in den letzten 5 Jahren - trotz "XXL-Aufschwung" - um 7 Prozent (Quelle: FAZ, siehe: http://is.gd/KveOMx)

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