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04.03.2011

12:11 Uhr

LSE-Direktor im Zwielicht

Gaddafi-Spenden kosten Elite-Uni-Chef das Amt

VonOlaf Storbeck

Der Direktor der London School of Economics (LSE), Howard Davies, ist zurückgetreten – wegen zu großer Nähe der Universität zum libyschen Diktator Muammar al Gaddafi.

Howard Davies, der zurückgetretene Direktor der  LSE. Quelle: Reuters

Howard Davies, der zurückgetretene Direktor der LSE.

LondonDavies hatte 2009 durchgesetzt, dass die LSE von Gaddafis Sohn Saif eine Spende über 1,5 Millionen Pfund annimmt. Zudem hat die Londoner Elite-Universität für 2,2 Millionen Pfund Fortbildungskurse für 400 junge Libyer organisiert. Die Beziehungen zu Gaddafi hätten dem Ansehen der LSE geschadet, sagte Davies in seiner Rücktrittserklärung: „Ich bin verantwortlich für die Reputation der Schule, und die hat gelitten.“ Davies verteidigte nochmals sein Vorgehen: „Ich glaube, dass unsere Entscheidungen vernünftig waren und gerechtfertigt werden können.“

Die Spende über 1,5 Millionen Dollar kam von einer Stiftung des Gaddafi-Sohns Saif. Mit dem Geld wollte die LSE ein Nordafrika-Forschungszentrum aufbauen – diese Pläne legte die Uni in der vergangenen Woche auf Eis. Vor dem Hintergrund des aktuellen Geschehens in Libyen sei die Entscheidung, das Geld anzunehmen, „extrem unglücklich“ gewesen. „Dafür muss ich die Verantwortung übernehmen.“ Davies selbst hat 2007 auch den libyschen Staatsfonds bei Anlageentscheidungen beraten, dafür ging eine Spende über 50 000 Pfund an die LSE.

Parallel zum Rücktritt von Davies leitete die LSE eine interne Untersuchung ein, die die Beziehungen der Universität zu Gaddafi unter die Lupe nehmen soll. Geleitet wird die unabhängige Kommission von Lord Wolf, einem hochrangigen früheren britischen Richter.

Ob die LSE die Millionenspende aus Libyen annehmen sollte, war 2009 intern sehr umstritten. So sprach sich der emeritierte und inzwischen verstorbene Politik-Professor Fred Halliday vehement dagegen aus - mit dem Verweis auf Menschenrechtsverletzungen. Das Land werde von einer „verschlossenen, unberechenbaren und korrupten Elite“ geführt, schrieb Halliday laut „Financial Times“ an die LSE-Führung. Davies dagegen sprach ist damals dafür aus, das Geld anzunehmen und setzte sich durch.

Der Gaddafi-Sohn Saif hat von 2003 bis 2008 an der LSE studiert und dort promoviert. Inzwischen sind Zweifel an der wissenschaftlichen Güte seiner Arbeit aufgekommen: Vorwürfe, Saif habe seine Promotion von einen Ghostwriter schreiben lassen und fremde Texte ohne Quellenangaben übernommen, machen in London die Runde. Bereits am 1. März begann die Universität dazu eine interne Untersuchung: „Die LSE ist sich bewusst, dass es im Zusammenhang mit der Doktorarbeit von Saif Gaddafi Plagiatsvorwürfe gibt. Wir nehmen alle Plagiatsvorwürfe sehr ernst und prüfen den Sachverhalt gemäß der üblichen LSE-Verfahren.“ In seiner Rücktrittserklärung betonte Davies: „Nach meinem derzeitigen Wissensstand wurde die akademischen Grade an Saif Gaddafi korrekt verliehen, und es gab keine Verbindung zwischen der Spende und den Titeln.“

Howard Davies ist einer der renommiertesten Wissenschafter Großbritanniens und auf der Insel eine öffentliche Figur. Bevor er die Führung der LSE übernahm, war er unter anderem stellvertretender Gouverneur der Bank of England und Chef der britischen Finanzmarkt-Aufsicht. Die LSE ist eine der größten und renommiertesten wirtschaftswissenschaftlichen Fakultäten Europas.

Kommentare (2)

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Hansjoac

06.03.2011, 17:32 Uhr

Damit entsteht das nächste Problem. Wenn westliche Bildungseinrichtungen nicht mehr Bildung in problematische Schwällen und - Entwicklungsländer liefern wir das langfristig negativ für die Demokratisierung und die wirtschaftliche Entwicklung dort sein. Mehr Wissen ist traditionell ein Schritt zu mehr Freiheit.

Realo

08.03.2011, 02:27 Uhr

Man kann auch Bildung liefern, ohne sich "zu verkaufen", in dem man die Lehrer stellt (durchaus gegen die übliche Bezahlung) und den Rest im Land selbst besorgen lässt, heisst die Schüler gehen dort auf die Schule und nicht bloß ein Elite-Sohn - der letztlich noch sein Wissen gegen die eigenen Leute einsetzt.

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