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29.01.2010

14:30 Uhr

Management-Fehler

Wenn das Bauchgefühl versagt

VonFlorian Paulus Meyer

Führungskräfte entscheiden oft nach Intuition. Ein neuer Managementansatz soll ihr Handeln jetzt auf eine wissenschaftliche Grundlage stellen. Doch viele Praktiker aus der Wirtschafts schrecken vor der neuen Methode (noch) zurück. Dabei gibt es gute Gründe, sie anzuwenden.

Geistesblitz oder nicht? Mancher Führungskraft kann es helfen, ihr Handeln auf eine wissenschaftliche Grundlage zu stellen. Claudia Janke für Handelsblatt

Geistesblitz oder nicht? Mancher Führungskraft kann es helfen, ihr Handeln auf eine wissenschaftliche Grundlage zu stellen.

MÜNCHEN. Das Design des Informationsportals ist aufgeräumt und schlicht, die Menüführung übersichtlich. "News to use" steht in roter Schrift über dem Inhaltsverzeichnis am linken Bildschirmrand. Klein und unbedeutend erscheinen diese "Nachrichten mit Nutzwert", die Felix Brodbeck von der Ludwig-Maximilians-Universität in München empfiehlt. Und doch geht es bei diesen Nachrichten nicht um Kleinkram, sondern um eine neue Managementkultur.

1 200 Führungskräfte in Europa und darüber hinaus informiert der Münchener Wirtschaftspsychologe Brodbeck auf der Seite im Intranet der Eon Energie AG über neue Ideen und Studien aus der Managementforschung und der Sozialwissenschaft. Kurze und pointierte Ratschläge zu erfolgreicher transnationaler Führung, zum Zusammenhang von Arbeitszufriedenheit und Leistung oder zur Konfliktlösung gibt Brodbeck den Managern des Energiekonzerns.

Der Titel des Informationsangebots, "News to use", gleicht dabei mehr einer Aufforderung als einer Überschrift. Denn die Führungskräfte sollen die Tipps aus den Universitäten und Forschungsinstituten in ihrem Arbeitsalltag umsetzen. Evidenzbasiertes Management ist die Idee hinter den Empfehlungen. Und es ist ein neuer Trend in der Unternehmensführung. Professionelle Entscheidungen in der Wirtschaft seien viel zu lange abhängig gewesen von persönlichen Präferenzen und unsystematischer Erfahrung, lautet der Kerngedanke des evidenzbasierten Managements, kurz EbM.

Führungskräfte sollten dem Konzept nach ihre Entscheidungen stärker auf eine feste, wissenschaftliche Basis stellen, als sich an Meinungen zu orientieren oder nach dem Bauchgefühl zu handeln.

Entscheidungen, mit denen Manager aus einer Eingebung heraus Probleme zu lösen wussten, sollen jetzt wissenschaftlich systematisch unterfüttert werden: Führt ein Firmenzusammenschluss wirklich zu den geplanten Einsparungen im Personal? Nach welchen Methoden wählt man die besten Bewerber für eine Führungsposition aus? Und hat die Mitarbeiterschulung wirklich den gewünschten Lernerfolg erzielt? Auf all diese Fragen sollen evidenzgestützte Analysen Antworten liefern, die belast- und beweisbar sind.

EbM ist der bewusste Gebrauch bestmöglicher wissenschaftlicher Methoden und Befunde, um Managemententscheidungen zu treffen, schreibt die renommierte Psychologin und Organisationsforscherin Denise Rousseau von der Carnegie Mellon University im Magazin der Academy of Management. Manager sollten unternehmerische Entscheidungen gewissenhaft und ausdrücklich vernunftgesteuert treffen, und zwar auf Basis von Informationen, die entweder direkt von Firmen oder von "best practices" aus der Wissenschaft gewonnen werden.

Kommentare (7)

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WS

28.01.2010, 16:59 Uhr

so eine gequirlte Sch ....
wohl zulange Werbebroschüren von Harvard gelesen, oder was
genau diese idioten sind verantwortlich für das aktuelle Desaster

Ursula

28.01.2010, 17:20 Uhr

ich würde es nicht ganz so drastisch wie WS ausdrücken wollen, aber bis zu einem gewissen Grad hat er recht.
Gute Manager wenden heute schon eine gesunde Mischung aus Fakten und bauch an, auch wenn sie bisher nicht so einen schicken Namen führen konnten.
in Zukunft hat wohl dann auch (wieder) nicht der Manager versagt, sondern das Entscheidungssystem, oder die falsch gedeuteten Fakten oder was auch immer.
Und so lange Menschen mit Menschen zu tun haben, ist der bauch doch gar kein so schlechter Ratgeber.

Jonas

28.01.2010, 18:58 Uhr

ich bin dafür, die Manager nach indien auszulagern, dort bekommt man sicher mehr Leistung bei niedrigrem Lohn, und das Produkt der Manager, Dienstanweisungen, ist leicht per Telefon oder eMail zu verschicken.
Die paar kulturelle Unterschiede erhöhen den Spass der Mitarbeiter an ihrer Arbei sicherlich.

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