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25.06.2011

08:19 Uhr

Marken als Religion

Das Apple-unser

VonHans Christian Müller

Fanatische Markenfans glauben an ihre Produkte und verehren ihre Designer. Forscher zeigen: Vielen gibt ein Markenprodukt den gleichen Halt im Leben wie die Religion den Gläubigen.

huGO-BildID: 22307149 Illustration BWL-Thema: Produktreligion, ED: 16.06.11 Quelle: Klaus Meinhardt für Handelsblatt

huGO-BildID: 22307149 Illustration BWL-Thema: Produktreligion, ED: 16.06.11

DüsseldorfIm März 2012 wird sie endlich erscheinen, die erste autorisierte Biografie des Messias. „Ich würde lieber sterben, als das Buch nicht zu kaufen“, schreibt ein Anhänger in einem Fanforum. Die Rede ist von Steve Jobs, dem Gründer von Apple, dem wohl beliebtesten Computerkonzern der Welt. Es ist kein Zufall, dass der Titel seiner Biografie, „The Book of Jobs“, auf das „Buch Ijob“ anspielt, einen Teil der heiligen Schrift des Judentums.

Denn Apple-Jünger verehren Jobs wie einen Propheten und betreiben einen quasireligiösen Kult um seine Produkte. Wenn neue Versionen von iPhone oder iPad erscheinen, gehen viele von ihnen auf eine Art Wallfahrt und campieren vor den Apple-Shops. Als Zeichen der Zugehörigkeit zur Gemeinschaft kleben sie Apfel-Aufkleber auf die Heckscheiben ihrer Autos – wie Christen den Fisch.

Was manchem wie Blasphemie erscheint, begeistert Marketingforscher: Gleich mehrere neue Studien beschäftigen sich mit den Parallelen zwischen dem, was Religionsgemeinschaften ausmacht und sich bei den Markenanbetern wiederfindet.

Für die Forscher ist das Phänomen relevant, weil nicht nur Apple, sondern auch andere Kultmarken betroffen sind: Das Kinderspielzeug der Marke Lego oder die Rockerräder von Harley-Davidson werden von vielen Käufern geradezu angebetet. Und selbst Fahrer der eher unscheinbaren Automarke Saab hätten ihm von bewegenden und sinnstiftenden Reisen in ihren geliebten Vehikeln vorgeschwärmt, berichtet der Chicagoer Marketingforscher Al Muniz, der für seine Studien regelmäßig Anhänger verschiedener Markencommunitys interviewt.

Bei starken Marken geht der empfundene Wert eines Produkts für die Käufer über die reine Funktionalität hinaus, so weit die gängige Marketingtheorie. Doch wenn Marken sogar spirituelle Gefühle auslösten, wäre das eine neue Qualität. Übernehmen die Marken bei ihren Verehrern Funktionen der Religion?

Schaut man den Menschen in den Kopf, sieht es tatsächlich so aus. So stellte der amerikanische Marketingguru Martin Lindstrom mit Hilfe von Experimenten in Kernspintomographen fest: Der Anblick bekannter Markenlogos löst bei Konsumenten die gleichen Hirnaktivitäten aus wie bei Nonnen, die man bittet, an Gott zu denken. Ähnliche Ergebnisse lieferte eine Untersuchung im Auftrag des britischen Fernsehsenders BBC: Der Anblick bestimmter Markenprodukte stimulierte dieselben Hirnareale, die religiöse Symbole bei Gläubigen aktivieren.

Kommentare (4)

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tilo190

23.06.2011, 08:19 Uhr

Hier könnte man nun etwas weiter denken.

Ich selbst bin überzeugter Apple User,- Warum?

Wenn ich mir irgendeinen Marken PC kaufe, und diesen ca. 3 Jahre benutze ( Abschreibungszeitraum ) hat dieser nach dieser Zeit praktisch keinen Wert mehr.
Wenn ich mir aber einen Apple Rechner kaufe, egal ob Laptop oder iMac etc. hat dieser nach 3 Jahren noch über 50% !!! seines Neuwertes.
Wenn ich also günstig einkaufe, und diesen nach 3 Jahren wieder gut verkaufe, habe ich viel Geld gespart, im Vergleich zu einem PC.
Da ich aus der Handwerklichen Brange komme, fasziniert mich einfach die extremst gute Verarbeitung dieser Geräte.
Dies sind 2 Punkte die niemand abstreiten kann.

Oder werfen Sie gern hunderte von Euros aus dem Fenster?

Bei einem PC ist die Obsoleszenz eingebaut, bei einem Appe Gerät ( meiner Meinung nach ) nicht.
Wertstabiliät ist in der heutigen Welt wichtig, Werte die mir nicht verfallen, muss ich nicht erarbeiten!

kritischer.Leser

25.06.2011, 10:15 Uhr

Das mit den Fossil-Uhren meinen Sie doch nicht ernst?! Gehen Sie doch mal in Düsseldorf spazieren...

MaWo

25.06.2011, 10:49 Uhr

Hallo,
ach würde das Thema Obsoleszenz doch noch weit mehr beachtet werden.

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