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17.05.2013

18:38 Uhr

Munich Economic Summit

Krisenblues in München

VonNorbert Häring

Ein hochkarätig besetzter Munich Economic Summit brachte keine Rezepte gegen die Krise hervor. Die EZB soll nicht in die Führungsrolle gehen, die Europäische Investitionsbank will nicht und die Regierungen können nicht.

Ifo-Chef Hans-Werner Sinn spricht während des 12. Munich Economic Summit. dpa

Ifo-Chef Hans-Werner Sinn spricht während des 12. Munich Economic Summit.

MünchenEigentlich hätten die hochkarätigen Experten, die das Ifo-Institut und die BMW Stiftung Herbert Quandt nach München eingeladen hatten, den Weg weisen sollen, wie Europa wieder zu kräftigem Wachstum zurückfinden kann. „Relaunching Europe“ war das Motto des 12. Munich Economic Summit am 16. Und 17. Mai. Doch traf der Moderator des letzten Panels, Stephen Fiedler vom Wall Street Journal, unfreiwillig den Tenor des gesamten Summits, als er das Bonmot zum Besten gab: „Wenn Sie dorthin wollen, dann starten Sie am besten nicht von hier aus.“

Schon in seiner Einleitungsrede hatte Ifo-Chef Hans-Werner Sinn deutlich gemacht, dass er auf Jahre hinaus nicht mit einem „Relaunch“, einem Abheben Europas rechnet. „Es gibt nur drei Möglichkeiten, das Problem zu lösen, das der Euro-Krise zugrunde liegt“, sagte der streitbare Ökonom. Entweder, die Krisenländer müssten durch fortgesetzte Einschnitte bei Staatsausgaben und Löhnen ihre Wettbewerbsfähigkeit wiedergewinnen, oder Deutschland müsse zehn Jahre lang Inflationsraten von fünf Prozent haben, um den anderen Ländern ein Aufholen zu ermöglichen, oder manche Länder müssten die Währungsunion verlassen.

Die erste Lösung scheitere daran, dass man der Bevölkerung der Krisenländer nicht noch viel mehr Opfer abverlangen könne, ohne dass es zu Aufruhr käme. Die Inflationslösung in Deutschland im nötigen Ausmaß hält nicht nur Sinn für völlig unrealistisch. Austritte aus der Währungsunion könnten kurzfristig große Verwerfungen verursachen, komplettierte Sinn die Liste der unappetitlichen Optionen Europas.

Seine Schlussfolgerung: Wir müssen uns weiter durchwursteln und bei jeder der Optionen an das Maximum des Durchsetzbaren gehen. Dazu gehört für ihn auch ein Austritt Griechenlands aus der Währungsunion, mit dem er innerhalb von wenigen Jahren rechnet.

Das Ergebnis werde sein, dass Europa noch lange Zeit im Krisenmodus mit allenfalls schwächlichem Wachstum gefangen sein werde. Kein Abheben in Sicht.

Kommentare (19)

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Account gelöscht!

17.05.2013, 19:08 Uhr

An die Wand gefahren...
Jetzt wird endlich zugegeben, was die Bürger schon längst befürchtet und gewusst haben.

nachdenken

17.05.2013, 19:21 Uhr

Lösungen haben sie keine, außer weiter so und durchwurschteln.

Warum wir eine konstruktive Euro-Exit-Debatte brauchen
http://www.nachdenkseiten.de/?p=17262

Account gelöscht!

17.05.2013, 20:37 Uhr

Es ist keine Überraschung, sondern völlig normal, daß die Ökonomen mit ihrem Latei am Ende sind. Die Wirtschaftslehre (habe ich auch mal studiert) beruht zum großen Teil auf Empirik, und die fehlt jetzt. Der Fall war in der Form noch nie da. Man könnte allenfalls auf die japanischen Erfahrungen der letzten 20 Jahre zurückgreifen, aber das ist keinesfalls erheiternd.

Ich reise viel als Geschäftsmann und beobachte, z.Zt. wieder einmal in Griechenland.

Das generelle Problem ist, daß die Staatsorganisationen teils auf vorindustriellem Stand verkrustet sind (die Mittelmeerstaaten), teils noch im Absolutismus verharren (FRankreich), teils sich in den letzten 50 Jahren überperfektioniert haben (D). Und oben drauf sitzt Brüssel und verschärft die Situation fleißig weiter (Beispiel von heute = die Ölkännchen).

Warum sind in Athen die kafeneon ständig brechvoll? Weil die Leute warten. Warten, daß eine Behörde ihre Pforten öffnet (oft nur ein paar Stunden am Tag), daß wenn sie denn offen ist, der Sachbearbeiter auch an seinem Arbeitsplatz ist, wenn ja, daß er nicht gerade ungeniert privat telefoniert oder döst, und daß er endlich Lust verspürt, einen Stempel aufs Papier zu drücken.

Was ist davon zu halten, daß es mindestens einen halben Tag Lauferei braucht, um in der Werft ein Boot ins Wasser zu heben. Am Ende fehlt dann ein Wisch, den es nur am anderen Ende der Stadt gibt, also zweimal stehendes Taxi quer durch Athen, den kühnen Betrag von 0.85 € (!) entrichten und ein Papier in Empfang nehmen, das dann ungesehen in einem wilden Berg anderer Papiere verschwindet. So mir passiert vor ein paar Wochen, und ich speche griechisch.

Ich könnte noch seitenweise derart berichten, beileibe nicht nur aus GR, aber lassen wir's.

Hier im HB auf der rechten Seite steht gleichzeitig folgender Titel: "Akademiker-Beschäftigung so hoch wie nie". Ja um Himmelswillen, was tun denn die alle, soviel Taxi gibt es doch garnicht in D, damit die alle Arbeit finden.

folgt Teil 2

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