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14.01.2005

14:31 Uhr

Ökonomie

Neue Grundsätze des IDW zur Unternehmensbewertung

Am 30. 12. 2004 hat das Institut der Wirtschaftsprüfer in Deutschland e.V. (IDW) den Entwurf einer ...

Am 30. 12. 2004 hat das Institut der Wirtschaftsprüfer in Deutschland e.V. (IDW) den Entwurf einer Neufassung des IDW Standards: Grundsätze zur Durchführung von Unternehmensbewertungen (IDW ES 1 n.F.) veröffentlicht. Das IDW bittet interessierte Kreise vor der endgültigen Verabschiedung des IDW Standards um Stellungnahmen. Der Entwurf enthält neue Regelungen zur Ermittlung objektivierter Unternehmenswerte. Solche Unternehmensbewertungen sind insbesondere aufgrund der aktienrechtlichen Vorschriften zur Bestimmung von Abfindungen beim Ausschluss von Minderheitsaktionären (Squeeze Out) sowie beim Abschluss von Unternehmensverträgen (z.B. Beherrschungs-, Gewinnabführungs- und Eingliederungsverträge) erforderlich.
In diesen Fällen werden Wirtschaftsprüfer als neutrale Gutachter tätig, um anhand einer nachvollziehbaren Methodik die angemessene Abfindung aus dem Gesamtwert des Unternehmens abzuleiten. Dieser objektivierte Unternehmenswert ist von den individuellen Wertvorstellungen der betroffenen Parteien unabhängig. Dabei ermittelt der Wirtschaftsprüfer in einem schriftlichen Gutachten den Zukunftserfolgswert, in den realistische Erwartungen, die Marktchancen und-risiken des Unternehmens sowie dessen finanzielle Möglichkeiten einfließen. Dabei wird von der Fortführung des Unternehmens in unverändertem Konzept ausgegangen. Der objektivierte Unternehmenswert ergibt sich letztlich aus der Abzinsung der erwarteten finanziellen Überschüsse für die Aktionäre. Diese Abzinsung erfolgt anhand eines dem Risiko des zu bewertenden Unternehmens adäquaten Kapitalisierungszinsfußes.
Das IDW empfiehlt, die neuen Regelungen des Unternehmensbewertungsstandards, die in der Tendenz zur Ermittlung niedrigerer Unternehmenswerte führen, ab sofort anzuwenden. Der Entwurf der neu gefassten Grundsätze zur Ermittlung objektivierter Unternehmenswerte berücksichtigt den aktuellen Stand der theoretischen und empirischen Erkenntnisse. Er trägt zugleich veränderten Rahmenbedingungen Rechnung. Die wesentlichen Änderungen gegenüber der bisherigen Fassung des IDW S 1 betreffen folgende Aspekte:
Neuorientierung bei der Ermittlung des Kapitalisierungszinsfußes: Der Wirtschaftsprüfer ermittelt den objektivierten Unternehmenswert, indem er die erwarteten finanziellen Überschüsse auf den Bewertungsstichtag abzinst. Bisher ist der zur Abzinsung verwendete Kapitalisierungszinsfuß aus der Rendite eines festverzinslichen Wertpapiers abgeleitet worden. Nunmehr werden am Kapitalmarkt ermittelte Aktienrenditen als Ausgangsgröße bei der Bestimmung des Kapitalisierungszinsfußes herangezogen. Dahinter steht der Gedanke, dass Aktien als risikoäquivalente Alternativanlage besser mit dem zu bewertenden Unternehmen vergleichbar sind als festverzinsliche Wertpapiere. Möglich wurde diese Anpassung durch verbesserte empirische Grundlagen zu Kapitalmarktdaten und die Weiterentwicklung der theoretischen Grundlagen, insbesondere zu den Steuerwirkungen in Kapitalmarktmodellen.
Entsprechend der Alternativanlage in Aktien müssen auch die maßgeblichen Besteuerungsfolgen (Steuerfreiheit von Kursgewinnen, Besteuerung von Dividenden nach dem Halbeinkünfteverfahren) berücksichtigt werden, da der Unternehmenswert nach Ertragsteuern der Unternehmenseigner zu ermitteln ist. Die persönlichen Ertragsteuern werden somit im Kapitalisierungszinsfuß äquivalent zur Ermittlung der finanziellen Überschüsse berücksichtigt.
Seit Einführung des Halbeinkünfteverfahrens ist eine Vollausschüttung der Gewinne für die Anteilseigner oftmals steuerlich nicht vorteilhaft. Daher ist es sachgerecht, nicht mehr grundsätzlich davon auszugehen, dass die prognostizierten Gewinne voll ausgeschüttet werden, sondern eine Annahme über das wahrscheinliche Ausschüttungsverhalten zu treffen.
Bei Kapitalgesellschaften werden für die erste Phase des Prognosezeitraums, in der sich die erwarteten finanziellen Überschüsse aus detaillierten Planungen ergeben, die Ausschüttungen und die Reinvestitionen thesaurierter Mittel aus dem Unternehmenskonzept abgeleitet. Die zweite Phase beinhaltet in der Regel eine langfristige Fortschreibung der bisherigen Trendentwicklungen. Hier wird grundsätzlich angenommen, dass sich das Ausschüttungsverhalten des Unternehmens an der Alternativanlage ausrichtet, d.h. an der am Aktienmarkt zu beobachtenden durchschnittlichen Ausschüttungsquote. Für die thesaurierten Beträge wird in dieser Phase typisierend angenommen, dass sie sich zum Kapitalisierungszinssatz vor Unternehmenssteuern verzinsen.

Quelle: FINANZ BETRIEB, 14.01.2005

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