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14.11.2011

11:19 Uhr

Neue Studie

Bei den Briten funktioniert der Mindestlohn

VonJohannes Pennekamp

In Deutschland ist die Ausweitung des Mindestlohns heftig umstritten. In Großbritannien gibt es den flächendeckenden Mindestlohn schon lang, die Erfahrungen sind positiv. Allerdings unter anderen Bedingungen.

Eine Reinigungskraft bei der Arbeit: Der Mindestlohn wird in Deutschland oft kategorisch abgelehnt. dpa

Eine Reinigungskraft bei der Arbeit: Der Mindestlohn wird in Deutschland oft kategorisch abgelehnt.

DüsseldorfDie Diskussion über einen flächendeckenden Mindestlohn spaltet die Bundesregierung. Die CDU berät gerade auf ihrem Bundesparteitag, ob und in welcher Form sie ihn einführen will; die FDP hat sich auf ihrem Parteitag am Wochenende klar dagegen ausgesprochen. Der Mindestlohn stößt in Deutschland immer auf die gleichen Reflexe: Die einen befürworten ihn als Mittel gegen Lohndumping, die anderen lehnen ihn kategorisch als Arbeitsplatzvernichter ab.

Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt bezeichnet den Vorstoß der Christdemokraten als „außerordentlich bedenklich“. FDP-Generalsekretär Christian Lindner behauptete vor kurzem bei ARD-Talkerin Anne Will, dass 200.000 Arbeitsplätze in Gefahr seien, wenn der Mindestlohn komme.

Woher die Kritiker solche Gewissheiten nehmen, bleibt schleierhaft, denn akribische wissenschaftliche Untersuchungen aus Ländern mit langer Mindestlohn-Erfahrung zeichnen ein anderes Bild. Eine aufwendige Studie dreier Ökonomen des Royal Holloway College der University of London hat etwa die Auswirkungen der festen Lohnuntergrenze in Großbritannien über einen Zeitraum von zehn Jahren untersucht. „Der Mindestlohn hat über die gesamte Periode hinweg einen neutralen Beschäftigungseffekt“, resümieren die Forscher.

Die Studie bestätigt das Ergebnis einer Mammut-Untersuchung mehrerer Arbeitsmarktforscher der US-Eliteuniversität Berkeley. Sie hatten die gesamten USA in kleine, lokale Arbeitsmärkte unterteilt und konnten so die Beschäftigungseffekte in Regionen mit unterschiedlicher Wirtschaftskraft und verschieden hohen Mindestlöhnen untersuchen. Die Amerikaner stießen dabei auf keine negativen Job-Effekte.

Die Studie der Londoner Forscher, die kürzlich im Oxford Bulletin of Economics and Statistics erschienen ist, lehnt sich methodisch an die richtungweisende US-Untersuchung an. Auch Peter Dolton, Chiara Rosazza-Bondibene und Jonathan Wadsworth unterteilten ihr Untersuchungsgebiet, die britischen Inseln, in Hunderte geografische Untereinheiten. Mehrmals variierten sie die Größe der Regionen, um sicherzugehen, dass ihre Ergebnisse nicht durch regionale Besonderheiten verfälscht werden.

Kommentare (12)

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zarakthuul

14.11.2011, 11:53 Uhr

Wir brauchen keinen Mindestlohn, sondern Suppenküchen!

werner

14.11.2011, 12:01 Uhr

Ein Mindestlohn wäre auch für Deutschland nichts wirklich Neues: 1992 hatten wir rund 7,5 Millionen Angestellte bei öffentlichen Arbeitgebern. Heute sind es noch 5 Millionen. Manch einer mag sich noch erinnern, dass bis vor etwa 20 Jahren der öffentliche Sektor praktisch die Lohnuntergrenze definiert hat. Nur wer mehr wollte ging damals in die Privatwirtschaft. Diese Funktion der öffentlichen Arbeitgeber ist nach 20 Jahren Job-Abbau und Privatisierung verlorengegangen.
Heute diskutieren wir ersatzweise über eine gesetzliche Festlegung der Lohn-Untergrenze, denn wir haben "Kein Geld" um Polizisten, Soldaten, Lehrer oder Kindergärtner zu bezahlen. Stattdessen zahlen wir aber nahezu das gleiche Geld in Form von Sozialhilfe aus, erhöhen damit das Kindergeld oder subventionieren den täglichen Verkehrsinfarkt.

Account gelöscht!

14.11.2011, 12:22 Uhr

Linder ist gegen Mindestlohn weil das '200.000 Arbeitsplätze' kosten würde.

Nun - die Produktivitätssteigerung kostet jedes Jahr ca. 1,2 Mio. Arbeitsplätze(ca. 3% von 41 Mio. Arbeitnehmern).

Aber niemand ist gegen
Produktivitätssteigerung, nur, weil sie Arbeitsplätze kostet.

Solche Argumente zeigen nur, dass Lindner und Konsorten die Sache nicht zu Ende denken und nur das Schnäppchen für ihre Klientel im Kopf haben.

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