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06.01.2010

10:34 Uhr

Ökonomen

Grundlagenforschung vor der Glotze

VonChristoph Giesen

Von „Wer wird Millionär?“ bis „Deal or no Deal“ – Volkswirte nutzen Fernsehshows zunehmend für ihre wissenschaftliche Arbeit. In kaum einer anderen Situation können Ökonomen Risikoneigung und Rationalität ähnlich gut untersuchen wie in den quotenträchtigen Fernsehsendungen. Wo die Vorteile gegenüber herkömmlichen Experimenten liegen.

Quizshows wie "Wer wird Millionär?" sind für Ökonomen eine wertvolle Datenbank für empirische Untersuchungen. RTL

Quizshows wie "Wer wird Millionär?" sind für Ökonomen eine wertvolle Datenbank für empirische Untersuchungen.

LONDON. Studiert hat John de Mol nie, und ein besonderes Interesse für Volkswirtschaftslehre wird dem niederländischen Fernsehproduzenten auch nicht nachgesagt. Und doch ist sein Einfluss auf die Disziplin vielleicht größer als der vieler Doktoranden.

Alles begann im Jahr 2000, als das niederländische Fernsehen die erste Staffel der Gameshow „Deal or No Deal“ ausstrahlte – ein Spiel, bei dem ein Kandidat bis zu 250 000 Euro gewinnen kann.

Nicht nur Millionen Fernsehzuschauer in 38 Ländern fiebern regelmäßig mit – auch Ökonomen interessieren sich brennend für die Sendung. Für Forscher, die das menschliche Handeln, unsere Risikoneigung und unsere Rationalität verstehen wollen, ist die Show Pflichtprogramm – ebenso wie „Wer wird Millionär?“, „Jeopardy!“ und „Friend or Foe?“.

In wenig anderen Situationen können Ökonomen in so kontrollierter Umgebung menschliche Entscheidungen, bei denen es um sehr viel Geld geht, studieren wie in Quizsendungen und Spielshows.

Risikoneigung und Rationalität lassen sich gut untersuchen

Noch bis vor wenigen Jahren waren psychologische Entscheidungsexperimente das wichtigste Instrument von Verhaltensökonomen. Doch diese Methode hat Schwächen: In der Regel geht es nur um sehr geringe Beträge, und die Entscheidungssituation ist im Labor meist sehr artifiziell. In den Fernsehshows dagegen spielen echte Menschen um richtig viel Geld.

Ökonomen haben daher fast alle populären Rateshows der vergangenen Jahre untersucht. Anhand der englischen Version von Günter Jauchs Quiz „Wer wird Millionär?“ analysierten Wissenschaftler der University of East Anglia das Risikoverhalten von Männern und Frauen in Großbritannien. Der Grazer Wissenschaftler Fedor Daghofer spürte regionalen Unterschieden der Millionärsanwärter nach. Er verglich die Risikoaffinität deutscher, österreichischer und slowenischer Kandidaten.

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