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16.04.2012

00:00 Uhr

Ökonomie in der Krise

Die größten Irrtümer der Volkswirtschaftslehre

VonNorbert Häring, Dorit Marschall, Jan Mallien, Olaf Storbeck

Die Finanzkrise hat viele alte Glaubenssätze der Volkswirtschaftslehre weggespült. Klare Alternativen sind jedoch noch nicht absehbar. Immerhin sind sich die Ökonomen mehr und mehr darüber einig, wo sie falsch lagen.

VWL ist keine exakte Wissenschaft - dennoch werden die Ergebnisse, die die mit historischen Daten gefütterten Modelle der Ökonomen ausspucken, gern als absolute Wahrheiten verkauft.

VWL ist keine exakte Wissenschaft - dennoch werden die Ergebnisse, die die mit historischen Daten gefütterten Modelle der Ökonomen ausspucken, gern als absolute Wahrheiten verkauft.

Berlin/DüsseldorfDer Todeszeitpunkt des alten Paradigmas der Volkswirtschaftslehre lässt sich ziemlich genau beziffern. Am 15. September 2008 spülte eine riesige Welle die alten Glaubensgrundsätze der Ökonomen auf einen Schlag hinweg. Es war der Tag, an dem die US-Investmentbank Lehman Brothers Pleite ging - und die Finanzmärkte in den Abgrund schickte.

Seit diesem Tag ist es schwer geworden, von effizienten Finanzmärkten zu sprechen - ohne rot zu werden. Bis zur Finanzkrise gab es viele makroökonomische Modelle, in denen der Finanzsektor - und damit die Keimzelle der Krise - noch nicht einmal vorkam. Das zumindest ändert sich nun.

Dennoch hat die Volkswirtschaftslehre fast vier Jahre nach der Lehman-Pleite noch keine Alternativen zur alten Theorie gefunden. Das zeigte die Jahrestagung des "Institute for New Economic Thinking" vergangene Woche in Berlin. Unter dem Motto "Lost Paradigm" diskutierten 300 führende Forscher, Notenbanker und Politiker über den Stand der Wirtschaftswissenschaft. Der Hedge-Fonds Manager George Soros hatte das "Institute for New Economic Thinking" als Reaktion auf die Finanzkrise gegründet.

Funktionierende Alternativen zu den alten Modellen stecken bislang in den Kinderschuhen - es gibt weit mehr offene Fragen als überzeugende Antworten. "Viele neue Erkenntnisse sind zudem in einer Vielzahl theoretischer und empirischer Arbeiten zu Einzelproblemen verstreut", sagt der künftige ZEW-Chef Clemens Fuest. "Was noch fehlt, ist der Transfer dieser Erkenntnisse in konsistente wirtschaftspolitische Konzepte."

Bemerkenswert ist zudem: Vieles, was in Berlin an neuem Denken präsentiert wurde, nahm ausdrücklich Bezug auf verdrängte oder in Vergessenheit geratene Denker wie Joseph Schumpeter, Hyman Minsky und Irving Fischer. Mehrere Teilnehmer scherzten daher, man solle das Institut umbenennen - in "Institut zum Lesen alter ökonomischer Bücher".

Ein neues Paradigma in der Volkswirtschaftslehre ist bisher nicht erkennbar. Dafür herrscht zumindest bei der Analyse der Schwachstellen der alten Ideen zunehmend Konsens.

Kommentare (48)

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Blickensdoerfer

16.04.2012, 18:01 Uhr

Scheinbar ist es der größte Irrtum, dass es (die größten) Irrtümer der Volkswirtschaftslehre sind. Es sind die in den Lehren zum Ausdruck kommenden ideologisch geprägten Erkenntnis-Widersprüche und keine Irrtümer.

Dr.NorbertLeineweber

16.04.2012, 18:12 Uhr

Der Artikel ist eine unfassbare Plattheit, allerdings weil die Tagungsteilnehmer alles andere als ökonomisch versiert sind. Da hat sich eine überbordend dumme, homogene Truppe zusammengefunden.
Die von 2 bis 5 aufgelistetetn Plattheiten habe ich als Hochschullehrer niemals in den Mund genommen. "Blasen" kamen sogar in meinen Klausuren vor. Meine Dissertation ist ein Feldzug gegen den homo oeconomicus und die Rationalität von Entscheidungen. Sogar Illusionen werden detailliert besprochen.
Ich kann allen Tagungsteilnehmern nur bescheinigen, dass sie echte ökonomische Rumpelstilchen sind, Soros eingeschlossen, wenn sie sich an einem derartigen Unfug orientiert haben. Seit meiner Diss. in 1988 alles kalter Kaffee!
Dazu noch ein Leitspruch aus meiner Vorlesung zum Kapitalmarkt: "An der Börse gibt es nur Idioten. Am Besten sieht man das daran, wenn keiner einen crash eingepreist hat. Alle Preise vorher waren falsch. Am Übelsten ist der Neue Markt. Da werden den dummen Anlegern stories angedreht, weil die Unternehmen von den Banken keinen einzigen Cent Kredit bekommen würden."
Damit ist zum Medieninteresse an dieser unterirdischen Tagung wahrlich alles gesagt. Genau so ziehen die Herrn Ökonomen ihre eigene Disziplin in den Schmutz.

Account gelöscht!

16.04.2012, 18:12 Uhr

Es geht doch oft nicht um Volkswirtschaft, sondern um pures Geschaeft, welches durch volkswirtschaftliche Thesen verschleiert wird. Wenn man sich in den USA die ganzen letzten Bubbles ansieht, dann war es nichts Anderes. Die Banken konnten tun und lassen was sie wollten. Jetzt druckt Bernanke endlos Geld und enteignet die Sparer. Draghi folgt ihm. Hier geht es nicht mehr um Volkswirtschaft. Hier geht es um den Schutz von Lobbys um mittlerweile JEDEN Preis.

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