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10.01.2011

22:08 Uhr

Öl-Knappheit

Wenn der Schmierstoff fehlt

VonFrederic Spohr

Bislang bestreiten Ökonomen, dass die Ölfördermenge ihren Höhepunkt erreicht hat - nun müssen sie sich neuen Fakten stellen. Sinkende Ölproduktion und steigende Nachfrage können den Preis für den Rohstoff immens in die Höhe treiben.

Öl-Anzeige: Der Rohstoff ist für die Wirtschaft sehr wichtig. Klaus Meinhardt

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KÖLN. Es wäre ein wirtschaftlicher Alptraum: Die Autobahnen sind wie leergefegt, Industrieanlagen stehen still. Und weil die Menschen so viel Geld für Energie ausgeben müssen, können sie kaum noch etwas anderes kaufen. Wenn das Öl knapp wird, friert das Wirtschaftsleben ein. Und dass es bald schon knapp wird, davon gehen die Anhänger der Theorie des Globalen Ölfördermaximums (Peak Oil) aus.

Peak Oil heißt nicht, dass es kein Öl mehr gibt. Es bedeutet aber, dass die herkömmliche Ölproduktion nicht mehr gesteigert werden kann und schließlich abfällt. Doch weil die Nachfrage nach dem Rohstoff ständig, vor allem in China und anderen Schwellenländern, steigt, würde das den Preis in ungeahnte Höhen treiben.

Viele Ökonomen haben die Möglichkeit eines Ölfördermaximums immer bestritten und die Peak-Oil-Anhänger als Verschwörungstheoretiker gebrandmarkt. Doch es mehren sich die Zeichen, die sie zum Umdenken zwingen könnten.

2006 wurde das Maximum erreicht

Im November hatte die Internationale Energieagentur (IEA) in ihrem World Energy Outlook erstmals bestätigt, dass voraussichtlich nie wieder so viel konventionelles Öl gefördert werde wie im Jahr 2006. Das Ölangebot könne zwar noch gesteigert werden, allerdings nur noch durch unkonventionelles Öl. Das wird beispielsweise aus kanadischem Ölsand oder in der Tiefsee gewonnen - doch die Produktion ist sehr aufwendig und teuer.

Wie wichtig der Schmierstoff für die Wirtschaft ist, lässt sich gut belegen. Bisher driftete die Welt nach jeder Ölkrise in eine Rezession. Fast 99 Prozent der Energie, die durch den Verkehr weltweit verbraucht wird, werden aus der Substanz gewonnen. Öl ist außerdem ein wichtiger Rohstoff für Dünger, Kleider, Medikamente und vieles mehr.

In der ökonomischen Theorie schadet ein hoher Ölpreis gleich mehrfach: Er drosselt die Nachfrage, weil die Menschen das Geld für die teurere Energie ausgeben müssen. Außerdem verteuert sich die Produktion, und damit steigen die Preise. Die steigende Inflation führt zu einer strengeren Geldpolitik, die das Wachstum ausbremsen kann.

Klassische Ökonomen bezweifeln jedoch die Möglichkeit eines Produktionsmaximums. Sie glauben, dass die unsichtbare Hand des Marktes es allein richten werde: Ölknappheit würde den Preis nach oben treiben und die Produktion so automatisch immer weiter ausweiten. Der technische Fortschritt würde die steigenden Förderkosten aber dämpfen und es den Ölfirmen ermöglichen, immer ungünstigere Felder zu erschließen. Bis schließlich regenerative Energien günstiger sind. "Ökonomen berücksichtigen die Anpassungsprozesse und sehen, dass die Gesellschaften sich Gedanken machen", sagt Umweltökonom Frank Krysiak von der Universität Basel.

Die Peak-Oil-Anhänger halten dagegen, dass die Ökonomen die Möglichkeiten des technischen Fortschritts deutlich überschätzen. So auch Charles Hall von der State University of New York. Hall ist eigentlich Ökologe, beschäftigt sich aber schon seit Jahrzehnten mit Umwelt-Ökonomie. Auf Ökonomen ist er nicht gut zu sprechen. "Sie stecken wie Strauße den Kopf in den Sand", schimpft Hall. "Für alles, das sie nicht erklären können, setzen sie einfach den technischen Fortschritt ein."

Kommentare (13)

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Manfred K.

03.01.2011, 17:39 Uhr

Peak-Oil Gehirnwäsche für das zahlende Pöbel.....

Louis XIV

03.01.2011, 20:43 Uhr

Macht doch nix: dann schmier ich halt mit Solarstrom. Gibt ja genug davon (bei Schönwetter im Sommer) und billiger ist er er auch (sagen die Grünen).
bei schlechtem Wetter, Nachts und im Winter nehm ich einfach Salatöl, und statt Salat gibt es Milchreis.

norbert

03.01.2011, 20:43 Uhr

@[1]
Peak-oil mag ja eine Teheorie sein ...
Statt rumzupöbeln,argumentieren Sie bitte

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