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11.01.2009

21:46 Uhr

Porträtserie Jugend forscht

Martin Kocher - Der Vertrauensmann

VonPeter Brors

In der VWL findet ein Generationswechsel statt. Wir stellen die neuen Köpfe vor. Heute: Der Münchner Volkswirt Martin Kocher, der keine Grenzen kennt und schon mal auf dem Fußballplatz forscht.

MÜNCHEN. Es ist einer dieser windigen Tage. Der Winter kündigt mit ersten Stürmen sein baldiges Erscheinen nachdrücklich an. Auch die Finanzwelt ist zu jener Stunde längst umtost von immer neuen Böen, die Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers hat die Märkte in heftigste Turbulenzen gestürzt, das globale Fingerzeigen auf die Top-Banker dieser Welt hat begonnen, oft und gerne ummurmelt von einem Grundrauschen, aus dem Wort- und Satzfetzen dringen wie „Versager“, „Gier“ und „Die können einfach nicht genug bekommen“.

Ob bei der Podiumsdiskussion auf dem Ratinger Marktplatz zum Weltkindertag oder beim „Vortrag aus aktuellem Anlass“ der Volkshochschule Nürnberg-Erlangen – das Thema interessiert die Menschen, und die Meinung scheint fest zementiert: „Das hätten ja unsere Kinder besser hingekriegt“, ist sinngemäß eine landauf, landab oft geäußerte Parole. Also: „Kinder an die Macht“? – Frei und dann ohne Fragezeichen nach Herbert Grönemeyer, der schon vor 20 Jahren sang: „Gebt den Kindern das Kommando.“

Würde das tatsächlich auch für die Bewältigung der Finanzkrise gelten? „Alles, nur das nicht“, schreit Martin Kocher auf. Der Professor für experimentelle Finanzwissenschaften an der Münchener Ludwig-Maximilians-Universität hat in mehreren, mitunter aufsehenerregenden Versuchen nachgewiesen, dass Kinder egoistischer reagieren als Erwachsene und Vertrauensvorschüsse nicht honorieren. „Vertrauen und Vertrauenswürdigkeit aber sind die zentralen Voraussetzungen für wirtschaftlich effizientes Handeln“, sagt Kocher, 37, „und das fehlt Kindern einfach.“ Oder anders ausgedrückt und abgeleitet für die aktuelle Situation: „Kinder würden mit ihren Entscheidungsmustern noch mehr Unheil anrichten als alle gierigen Banker zusammen.“

Nachgewiesen hat der gebürtige Österreicher dieses zentrale Ergebnis seiner Studien in zahlreichen „Trust Games“, also Experimenten, die ökonomisches Verhalten zum Inhalt haben. Erschienen sind die Resultate, die er mit seinem Kollegen Matthias Sutter von der Universität Innsbruck zusammengetragen hat, in der angesehenen Fachzeitschrift „Games and Economic Behavior“.

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