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26.01.2009

12:25 Uhr

Porträtserie "Jugend Forscht"

Uwe Sunde - Der Makro-Mikro-Mann

VonTorsten Riecke

In der VWL findet ein Generationswechsel statt. Wir stellen die neuen Köpfe vor. Heute: Uwe Sunde aus St. Gallen, der nicht in die gängigen Schubladen des Fachs passt.

ST. GALLEN. Uwe Sunde ist nicht leicht zu fassen. In die üblichen Schubladen der ökonomischen Wissenschaft passt der Mann einfach nicht.

Sunde ist Inhaber eines Lehrstuhls für Makroökonomie an der Universität St. Gallen, beschäftigt sich aber gerne mit mikroökonomischen Fragen in der Wachstums- und Arbeitsmarkttheorie. Er lebt in einer abstrakten Welt der Methodik, sein Interesse gilt jedoch ganz konkreten Fragen der wirtschaftlichen Praxis. Er ist 35 Jahre alt, aber einer der fleißigsten Forscher im deutschsprachigen Raum. Sunde könnte leicht eine lukrative Stelle im Forschungsmekka Amerika bekommen, als bodenständiger Bayer bleibt er jedoch lieber in der Nähe seiner Heimat.

Wer den jungen Ökonomen in seiner Lehrstube in St. Gallen besucht, spürt sofort die intellektuelle Neugierde, mit der Sunde auf ökonomische Zeitfragen reagiert. Ob Finanzkrise, Arbeitsmarktreformen oder die Wechselwirkung von Demokratie und Wirtschaftsordnung – überall sieht er interessante Forschungsansätze für seine Zunft.

Es sind jedoch weniger große ökonomische Entwürfe, die ihn reizen und als Forscher antreiben, sondern konkrete Handlungsanweisungen, die sich aus theoretischen Erkenntnissen ableiten lassen. „Ich sehe mich eher als angewandten Ökonomen“, sagt Sunde.

Sein Steckenpferd, die Wachstumstheorie, ist ein gutes Beispiel dafür. Seit Jahren treibt ihn die Frage um, warum die westlichen Länder nach langer Stagnation mit der industriellen Revolution auf einen Wachstumspfad einschwenken konnten und Afrika nie richtig vorangekommen ist. Als eine mögliche Erklärung vermutet er die längere Lebenserwartung in Europa.

„In den meisten Wachstumsmodellen spielt sie keine Rolle. Ich glaube aber, dass sie für die wirtschaftliche Entwicklung sehr wichtig ist.“ Wer nur kurz lebe, habe wenig Zeit, zur Schule zu gehen und in seine Kinder zu investieren. Es reiche daher nicht aus, in ein Land zu investieren und neue Schulen zu bauen. Man müsse die Lebensbedingungen so verbessern, dass die Menschen von sich aus die richtigen Entscheidungen treffen können.

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