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16.08.2012

21:33 Uhr

Prognosebörsen

Der Schwarm ist klüger als die Experten

VonEva Maria Simon

Volkswirte entdecken die Weisheit der Masse und verbessern ihre Vorhersagen zu BIP-Entwicklung und Arbeitslosenzahlen mit Hilfe von Prognosebörsen. Je mehr Menschen mitmachen, desto exakter die Prognosen.

Viele Forscher glauben, dass sich der Mensch die Schwarmintelligenz stärker zunutze machen sollte. dpa

Viele Forscher glauben, dass sich der Mensch die Schwarmintelligenz stärker zunutze machen sollte.

DüsseldorfEine einzelne Ameise ist nicht besonders klug. Tausende aber bauen gemeinsam komplexe Staaten auf. Sie nutzen das Prinzip der Schwarmintelligenz: Jeder kann sich irren, aber in der Summe gleichen sich die Fehler aus, und das Gesamtergebnis passt. Das Onlinelexikon Wikipedia, bei dem Leser und Autoren sich gegenseitig kontrollieren, funktioniert nach dem gleichen Prinzip.

Neuerdings hilft diese Art der Intelligenz auch Wirtschaftswissenschaftlern. Immer mehr Ökonomen nutzen Prognosebörsen, um ihre Vorhersagen zu BIP-Entwicklung und Arbeitslosenzahlen exakter zu machen. Die Börsen sind virtuelle Märkte, auf denen Teilnehmer Ereignisse wie Aktien handeln.

Der Mechanismus ähnelt dem einer Fußballwette: Jeder Marktteilnehmer kann eine Prognose abgeben, etwa wie hoch die Arbeitslosigkeit in einem Jahr sein wird. Aus den unterschiedlichen Vorhersagen wird ein Kurs berechnet.

Wer glaubt, dass die Arbeitslosenquote höher liegen wird, als die aktuelle Meinung auf dem Markt ist, kauft Aktien und spekuliert auf steigende Kurse. Wenn die Arbeitsagentur ihre aktuellen Zahlen veröffentlicht, wird nach dem tatsächlichen Wert ausgezahlt. Auch das Handelsblatt betreibt solch eine Börse (http://eix.handelsblatt.com).

Doch die Prognosebörsen sind mehr als ein Spiel: „Sie haben die Fähigkeit, genaue, verlässliche Vorhersagen zu treffen“, schreiben drei Ökonomen um Eric Zitzewitz (Dartmouth College). Ob Wahlergebnisse oder Verkaufszahlen - oft liegen die Massen mit ihrer Prognose sehr nah an der Wirklichkeit.

Bei Konjunkturdaten wie Wirtschaftswachstum und Arbeitslosigkeit schnitten Prognosebörsen besonders gut ab, fanden Refet S. Gürkaynak (Bilkent Universität) und Justin Wolfers (Universität Pennsylvania) heraus. So ist eine US-Prognosebörse im Schnitt rund vier Prozent näher an den tatsächlichen Werten als eine Umfrage unter rund 30 Analysten.

Kommentare (10)

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Mazi

16.08.2012, 21:52 Uhr

Nach dem gleichen Prinzip funktioniert der Finanzmarkt. Um diesen besser zu beherrschen, versucht die Politik die "Masse" auszudünnen, will die Finanztransaktionssteuer einführen.

So schafft man Herdenintelligenz wieder ab, statt eigenes Handeln auf Sinnhaftigkeit zu überprüfen, soll die Messlatte einfach ausgetauscht werden. So sind sie!

Es ist an der Zeit, dass wir uns Gedanken darüber machen wie unser Modell: Demokratie in die Praxis umsetzen.

Kronecker

16.08.2012, 22:19 Uhr

Zunächst 'mal ist eine Prognosebörse ein "mentales" Konstrukt. Interessieren sollte uns, was wir da eigentlich "feststellen", sprich messen? Ist es eine Eigenschaft der Börse oder eine Eigenschaft des Messverfahrens? Das Ganze erinnert doch sehr an einen Finanzmarkt, wo bekanntermaßen, die Art der Kursfeststellung den Preis bestimmt - und nicht der Markt selbst. Wir sind eben Mieter und Vermieter zugleich.

Account gelöscht!

16.08.2012, 23:02 Uhr

"Der Schwarm ist klüger als die Experten"

Wenn das mal nicht die sogenannte "invisible Hand" bzw. "unsichtbare Hand" von Mr.Adam Smith ist. ;)

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