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18.11.2012

10:42 Uhr

Quote in Aufsichtsräten

Frauen-Revolution von oben ist fragwürdig

VonNorbert Häring

Geht es den Verfechtern einer Frauenquote tatsächlich um Gleichberechtigung, oder nur um Gleichmacherei? Streng wirtschaftlich betrachtet stellt sich die Frage, ob eine Pflichtquote nicht großen Schaden anrichten kann.

Die Frauenquote in Aufsichtsräten ist umstritten – denn das letztliche Ziel ist nicht ganz klar. dapd

Die Frauenquote in Aufsichtsräten ist umstritten – denn das letztliche Ziel ist nicht ganz klar.

Die Frauenquote für Aufsichtsräte ist derzeit das Schlachtfeld, auf dem der Kampf für und wider gesetzliche Regeln zur Gleichberechtigung im Beruf ausgetragen wird. Die Diskussion dreht sich fast nur um Freiwilligkeit versus zwingende Quote. Eine Diskussion darüber, ob Aufsichtsräte die richtigen Institutionen sind, um mit Frauenquoten anzufangen, findet dagegen kaum statt. Warum eine Quote für Aufsichtsräte und nicht für Vorstände oder Führungskräfte allgemein?

Um eine Antwort geben zu können, ist es wichtig, ob man Männer und Frauen im Wesentlichen als gleich ansieht oder davon ausgeht, dass sie sich unterscheiden - zum Beispiel in Sachen Risikofreude. Wenn Letzteres der Fall wäre, wie die Autoren vieler statistischer Studien fälschlicherweise nahelegen, wenn Frauen von Natur aus vorsichtiger und umsichtiger agierten als Männer, wäre der Aufsichtsrat ein guter Ort, um mit Frauenquoten anzufangen.

Vorsicht und Umsicht sind wichtige Eigenschaften für Aufsichtsräte. Vielleicht meint Arbeitsministerin Ursula von der Leyen das, wenn sie sagt: "Wenn die Länder Europas international wettbewerbsfähig bleiben wollen, dann geht das nicht ohne Frauen an der Spitze." Oder EU-Kommissarin Viviane Reding, wenn sie sagt. "Frauen werden gebraucht, wir können dieses Talent nicht verschleudern und Frauen sind gut für das Geschäft."

Aufsichtsräte: EU schiebt Entscheidung über Frauenquote auf

Aufsichtsräte

EU schiebt Entscheidung über Frauenquote auf

Die EU-Kommission ist intern so stark zerstritten, dass sie ihre Entscheidung über eine Frauenquote für Aufsichtsräte aufschieben muss. Gescheitert sei der Vorstoß jedoch noch nicht.

Wenn Frauen aber in vergleichbarer sozialer und beruflicher Position nicht grundsätzlich anders agieren als Männer, dann wird der Fokus auf Aufsichtsräte fragwürdig. Der Nutzen aus der "Diversität" ist dann gering im Vergleich zum möglichen Schaden aus der Quote.

Denn: Da Frauen in Führungspositionen rar sind, sind auch geeignete Kandidatinnen für Aufsichtsräte rar. Wenn man mit Quoten ganz oben anfängt, schöpft man kein ungenutztes Potenzial aus, sondern läuft Gefahr, zweitklassige Kräfte an die Spitze zu ziehen. Da es sich um wenige Stellen handelt, kann die Quote für Aufsichtsräte auch kaum einen Beitrag zur Chancengleichheit leisten.

Wenn es um die Nutzung von Potenzialen geht statt um "Diversity-Management", muss man auf den unteren Hierarchiestufen anfangen, nicht ganz oben.

Kommentare (32)

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Account gelöscht!

18.11.2012, 10:50 Uhr

Ob die Quote "grossen Schaden" anrichtet ist denen egal. Frau Merkel hat de CDU ja auch grossen Schaden angetan mit dem permanenten Männer-Mobbing und AUssortieren.

nein, es soll ein EU-Brüssel-diktierbares weibliches Netzwerk entstehen, dass den Willen der Männer in der Wirtschaft untergräbt und aushebelt. Nur darum geht es.

Hin zur Planwirtschaft heisst das Zauberwort. Dazu werden jetzt überall Quoten-Aussitz-Frauen platziert.

am_Thema_vorbei

18.11.2012, 11:41 Uhr

Wenn man mit Quoten ganz oben anfängt, schöpft man kein ungenutztes Potenzial aus, sondern läuft Gefahr, zweitklassige Kräfte an die Spitze zu ziehen. Da es sich um wenige Stellen handelt, kann die Quote für Aufsichtsräte auch kaum einen Beitrag zur Chancengleichheit leisten.

Das Wort zum Sonntag! Ohne Quote passiert das nicht???
Na dann sind wir ja froh, dass wir nur erstklassige Kandidaten zB in der EZB haben. Und die EU Kommission besteht ja auch nur aus erkannten Potentialen, Gott sei Dank zum grössten Teil männlich.

Das Argument ist total schief, weil mit oder ohne Quote gibt es ungeschriebene Selektionskriterien bei begehrten, da gutbezahlten Posten, die wesentlich mehr Probleme machen wie eine Frauenquote.
Warum geht es denn dem Süden so schlecht, genau wegen dieser Selektionskriterien! Ob die dann von einem "passenden" Mann oder einer "passenden" Frau eingefüllt werden, bleibt letztendlich egal.

Account gelöscht!

18.11.2012, 11:52 Uhr

Frau Schavan als Ministerin ist auch "von oben" eingesetzt an der Spitze der Forschungs-Landschaft Deutschland und eine offensichtliche Fehlbesetzung, aber sie tut ihren Job - genau das was Merkel ihr vorgibt. Das ist alles, was verlangt wird. aussitzen und Befehle entgegennehmen.

Gut' Nacht deutsche Wirtschaft.

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