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12.05.2011

08:54 Uhr

Ökonomie

Routine schlägt Jugend

VonOlaf Storbeck

Ältere Arbeitnehmer sind weniger produktiv als junge, oder? Zwei Ökonomen haben Daten eines Lkw-Werks von Mercedes ausgewertet - und kommen zu erstaunlichen Ergebnissen.

Ältere Arbeitnehmer müssen sich selbst bei körperlicher Arbeit, wie hier bei der Fertigung in einem Mercedes Benz-Werk, nicht vor jüngeren Kollegen verstecken, zeigt eine neue Studie. Quelle: dpa

Ältere Arbeitnehmer müssen sich selbst bei körperlicher Arbeit, wie hier bei der Fertigung in einem Mercedes Benz-Werk, nicht vor jüngeren Kollegen verstecken, zeigt eine neue Studie.

LondonDer Mann ist 73, als er seinen neuen Job antritt; und zur Ruhe setzt er sich erst mit stolzen 87 Jahren: Konrad Adenauer, erster Kanzler der Bundesrepublik und eine der wichtigsten Figuren der deutschen Nachkriegsgeschichte. Trotz seines hohen Alters hat er nach Ansicht der meisten Historiker exzellente Arbeit geleistet.

Und Adenauer ist längst nicht das einzige Beispiel dafür, dass wir die Leistungskraft älterer Menschen deutlich unterschätzen. Sie können selbst in der Industrie, wo es viel stärker auf die körperlichen Fähigkeiten ankommt als in der Politik, noch gut eingesetzt werden.

Handfeste Belege dafür liefern zwei Ökonomen des Mannheim Research Institute for the Economics of Aging (MEA) in einer einzigartigen Studie. Axel Börsch-Supan und Matthias Weiss werteten vertrauliche Statistiken der Mercedes-Benz-Lastwagenfabrik Wörth aus den Jahren 2003 bis 2006 aus. Sie konnten dabei so genau wie nie zuvor die Produktivität von jüngeren und älteren Mitarbeitern miteinander vergleichen.

Mit 11000 Beschäftigten ist Wörth das mit Abstand wichtigste Lkw-Werk des Automobilkonzerns. Am Fließband bauen die Beschäftigten dort in kleinen Gruppen die Lastwagen zusammen. Jede Aufgabe ist genau vorgegeben - ebenso wie die Zeit, die jedem Team zur Verfügung steht.

Trotz dieser strikten Vorgaben gibt es deutliche Produktivitätsunterschiede zwischen einzelnen Teams. Denn die einzelnen Arbeitsgruppen machen unterschiedlich viele Fehler.

Börsch-Supan und Weiss hatten Zugriff auf die Statistiken der internen Qualitätskontrolle von Mercedes, die die Fehler erfasst und nach Schwere einstuft. Die Forscher konnten diese Angaben mit genauen Informationen über die einzelnen Mitglieder der für die Fehler verantwortlichen Arbeitsgruppen abgleichen. Sie wussten von 3824 Arbeitern, welche Ausbildung sie hatten, wie lange sie bei Mercedes arbeiteten und wie alt sie waren.

Die Ergebnisse zeigen: Die auch bei Arbeitsökonomen verbreitete Meinung, ältere Beschäftigte wären weniger leistungsfähig, ist falsch: "Diese Ansicht können wir nicht bestätigen", heißt es in der Arbeit. "Die durchschnittliche Zahl der Fehler geht bis zum Alter von 65 Jahren zurück."

Zwar machen Teams, in denen mehr ältere Arbeitnehmer vertreten sind, insgesamt betrachtet etwas mehr Fehler. Doch die Anzahl der wirklich schlimmen Patzer ist bei ihnen deutlich geringer.

Die Ökonomen erklären dies damit, dass ältere Beschäftigte dank ihrer größeren Erfahrung besser mit Stress umgehen können. "Wenn etwas schiefgeht, gibt es meist sehr wenig Zeit, den Fehler zu beheben", heißt es in der Studie. "In solchen Extremsituationen, wenn man improvisieren muss, sind ältere, erfahrene Arbeiter offenbar besser in der Lage, große Probleme um jeden Preis zu vermeiden."

Verantwortlich dafür ist nicht in erster Linie das Lebensalter an sich, sondern die Dauer der Betriebszugehörigkeit - ein klares Indiz dafür, wie wichtig Erfahrung ist.

Die Forscher vermuten, dass gesamtwirtschaftlich betrachtet der Produktivitätsvorsprung älterer Arbeitnehmer größer ist, als die Studie zeigt. Schließlich kommt es in der Dienstleistungsbranche, auf die mehr als zwei Drittel der Wertschöpfung in Deutschland entfällt, weit weniger auf die körperliche Leistungsfähigkeit an als bei Fließbandjobs. Für Unternehmen wie für Wirtschaftspolitiker hat die Forschungsarbeit eine wichtige Botschaft: Wer klug ist, hegt und pflegt ältere Arbeitnehmer - und schickt sie nicht in den Vorruhestand.

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"Productivity and Age: Evidence from Work Teams at Assembly Lines", von A. Börsch-Supan und M. Weiss, MEA Working Paper (2011) Kostenloser Download der Studie - hier.

Kommentare (1)

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Morchel

12.05.2011, 10:23 Uhr

Persönlich konnte ich feststellen das junge Arbeitnehmer hoch motiviert gestartet sind, was ja sehr verständlich ist. Nur mit einen kontenuierlichen ausdauernden Abeitstempo und ordentliche herrangehensweise musste ich feststellen das es zu einen eindeutigen ergebnis kam. So das man sagen kann die Bauern waren schön früher kluger als manch Nadelstreif. ein alter ein junger Gaul zusammen ergaben eine menge ersparnis was mit Geld so nicht sichtbar wird.

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