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02.01.2006

17:00 Uhr

Serie: Die Klügsten Köpfe der BWL

Frau Professor Dr. Geht-nicht-gibt’s-nicht

VonNorbert Häring

Ruth Stock-Homburg ist Deutschlands jüngste BWL-Professorin. Die 33-Jährige, die an der Universität Hohenheim lehrt, hat früh gelernt, sich durchzubeißen.

Arbeit für zwei: Ruth Stock-Homburg, die mit 33 Jahren einen BWL-Lehrstuhl an der Universität Stuttgart-Hohenheim leitet. Foto: Handelsblatt

Arbeit für zwei: Ruth Stock-Homburg, die mit 33 Jahren einen BWL-Lehrstuhl an der Universität Stuttgart-Hohenheim leitet. Foto: Handelsblatt

STUTTGART. Weiblich, 33 Jahre, frisch verheiratet, hochschwanger mit dem zweiten Kind – das ist nicht der Steckbrief, hinter dem man eine hochproduktive deutsche BWL-Professorin vermuten würde.

Und doch ist Ruth Stock-Homburg, die seit Oktober an der Universität Stuttgart-Hohenheim den Lehrstuhl für Unternehmensführung, Organisation und Personalwesen innehat, mit ihrer immensen wissenschaftlichen Publikationsleistung auf Rang vier der Handelsblatt-Rangliste gelandet.

In den fünf Jahren seit ihrer Promotion hat sie ihre heute vierjährige Tochter Nadine aufgezogen, ging von Mannheim nach Hamburg und von dort für ein halbes Jahr nach Texas. In dieser Zeit schrieb sie sechzehn Aufsätze in renommierten Fachzeitschriften sowie einige Dutzend weitere wissenschaftliche Papiere.

Ungläubiges Staunen darüber, dass das geht, beantwortet sie mit ihrem persönlichem Lebensmotto: „Geht nicht, gibt es für mich nicht.“ Wenn sie etwas will, stelle sie sich nur noch die Frage, wie sie dieses Ziel erreichen kann. Schon als Teenagerin hat sie gelernt zu kämpfen. Als Erste und Einzige in ihrer Familie aus dem nordhessischen Limburg gab sich das dritte Kind eines Zugbegleiters und einer Hausfrau nicht mit ihrem Realschulabschluss zufrieden.

Die Eltern beobachteten den Ehrgeiz der Tochter eher skeptisch und unterstützten sie nicht darin. Ruth Stock-Homburg finanzierte sich ihren Lebensunterhalt mit einem Job bei einem Steuerberater, machte nebenher die Fachhochschulreife und studierte an der Fachhochschule Koblenz Betriebswirtschaftslehre. Am Horizont steht das aus ihrer damaligen Sicht ehrgeizige Ziel, selbst Steuerberaterin zu werden. Ein FH-Professor machte ihr klar, dass eine so kluge und wissenschaftlich interessierte Frau wie sie doch besser nach noch Höherem streben sollte.

Deshalb setzt Stock-Homburg ein Psychologie-Studium an der Fernuniversität Hagen drauf. Ihren Lebensunterhalt bestreitet sie dabei als selbstständige Unternehmensberaterin. Mit Mitte 20 bietet sie Seminare zum Thema Führungskräfteentwicklung an. Unternehmen, die nicht schon durch ihre Konzepte dafür zu gewinnen waren, eine junge Studentin ihre Führungskräfte fortbilden zu lassen, überzeugte sie auf ihre Weise: „Ich habe ihnen tief in die Augen geblickt und gesagt: ,Das wird gut, glauben Sie mir.’“ Nach dem Erfolg der ersten Führungskräfte-Seminare lief die Sache dann wie von selbst.

Mitgerissen hat sie auch ihren Doktorvater, den Mannheimer Marketing-Professor Christian Homburg, der auf Platz eins der Handelsblatt-Rangliste steht. Im Oktober haben die beiden geheiratet. Das Professoren-Ehepaar lebt mit seiner gemeinsamen Tochter in Neustadt an der Weinstraße. „Es war nicht leicht, schwanger eine Habilitationsstelle zu finden“, berichtet Stock-Homburg. Ihr strahlendes, optimistisches Lächeln wird ein einziges Mal von einem Anflug von Bitterkeit verdrängt – aber nur kurz. Alles in allem sei die Betriebswirtschaftslehre „nicht frauenfeindlich“. „Unabhängig vom Geschlecht muss man kämpfen, wenn man an die Spitze will.“

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