Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

09.10.2012

20:36 Uhr

Staatsdefizit

Japan steckt bis zum Hals in Schulden

VonMalte Buhse

Dass Japan hochverschuldet ist, ist bekannt. Doch nur wenige im Westen ahnen, welche Dimensionen das Problem angenommen hat. Schon bald könnte das Land von ausländischen Geldgebern abhängig sein. Das ist brandgefährlich.

Blick auf die Innenstadt von Tokio.

Blick auf die Innenstadt von Tokio.

Aus japanischer Sicht muten Europas Schuldenprobleme geradezu harmlos an. Das asiatische Land hat einen Schuldenberg aufgehäuft, der den von Griechenland, Portugal und Spanien weit in den Schatten stellt. Japans Staatsschulden überragen die jährliche Wirtschaftsleistung inzwischen um mehr als das Doppelte - in Griechenland liegen die Staatsschulden derzeit beim 1,5-Fachen der Wirtschaftsleistung.

Von einer Schuldenkrise fehlt in Japan trotzdem bislang jede Spur. Die Rendite für zehnjährige Staatsanleihen liegt bei unter einem Prozent.

Denn anders als Europa hat sich der japanische Staat vor allem im eigenen Land verschuldet. Rund 95 Prozent der Staatsanleihen gehören heimischen Banken, Versicherungen und den eigenen Bürgern.

Und die greifen immer wieder gerne zu, wenn die Regierung neue Anleihen versteigert. Noch, jedenfalls. Bald könnte es mit der Leichtigkeit des Schuldenmachens für Japans Regierung aber vorbei sein, glauben die Ökonomen Takeo Hoshi (University of California, San Diego) und Takatoshi Ito (Universität Tokio).

Ausgabenkürzung: Japans Staatskasse droht auszutrocknen

Ausgabenkürzung

Japans Staatskasse droht auszutrocknen

Die Regierung will Ausgaben in Milliardenhöhe streichen.

In einer Studie mit dem Titel "Defying Gravity" (deutsch: "Der Schwerkraft trotzen") werfen sie einen Blick in die Zukunft der japanischen Staatsfinanzen und zeichnen ein düsteres Szenario: Das Land steuert laut Hoshi und Ito geradewegs auf eine Schuldenkrise zu.

Denn die inländischen Geldquellen, aus denen sich die Regierung seit Jahrzehnten bequem bedienen kann, sprudeln immer schwächer. Schuld ist der demografische Wandel, der Japan besonders hart trifft. Innerhalb der vergangenen 20 Jahre ist der Anteil der über 64-Jährigen an der Gesamtbevölkerung von zehn auf 25 Prozent gestiegen. Alte Menschen sparen in der Regel weniger als junge, da sie nicht mehr in das Rentensystem einzahlen und von ihren Ersparnissen leben. Je älter eine Gesellschaft, desto kleiner daher in aller Regel die Gesamtersparnis, die dem Staat potenziell zur Verfügung steht.

Gleichzeitig steigen die japanischen Staatsschulden immer weiter. Knapp die Hälfte des Staatshaushalts finanziert die Regierung mit Krediten. Zuletzt musste Japan allein für den Wiederaufbau nach dem Tsunami und dem Atomunglück von Fukushima neue Schulden in Höhe von mehreren Hundertmilliarden Euro aufnehmen.

Steigende Staatsschulden und sinkende Ersparnisse sind eine gefährliche Mischung für Regierungen, die sich vor allem im eigenen Land verschulden. Erreicht Japan den Punkt, an dem der Kreditbedarf des Staates die gesamtwirtschaftliche Ersparnis übersteigt, könnte das Land schnell auf die schiefe Bahn geraten.

Kommentare (9)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

09.10.2012, 23:39 Uhr

"Dass Japan hochverschuldet ist, ist bekannt. Doch nur wenige im Westen ahnen, welche Dimensionen das Problem angenommen hat. Schon bald könnte das Land von ausländischen Geldgebern abhängig sein. Das ist brandgefährlich."

Na und? Je früher dieses Dreckssystem craht, desto preiswerter wird es. Also, let's go!

Gruenenberg

09.10.2012, 23:47 Uhr

Oberflächlicher Artikel und einer Wirtschaftszeitung nicht würdig. Es sind nicht die japanischen Bürger, die individuell Staatsanleihen zeichnen, sondern ihre Einlagen bei der Postbank, der größten Bank der Welt, werden verwendet, um diese zu kaufen. Das kann die Politik weitgehend frei steuern, sodass es keinen echten Markt gibt. Deshalb wollte Premierminister Koizumi die Postbank privatisieren. Doch es hat sich nichts geändert und der Wahnsinn geht weiter. Und warum wird die Notenpresse nicht angeschmissen? Denn Inflation wäre im deflationsgeplagten Japan doch mehr als willkommen! Weil dann auch die Staatsanleihen höher rentieren müssten. Und das würde dann so teuer werden, als müsste sich Japan im Ausland unter 'realen Bedingungen' verschulden, also zwischen 4 und 5% bei diesem miesen Rating, das auch mit A+ (Fitch) noch viel zu gut ist.

KMATTHES

10.10.2012, 00:26 Uhr

Ja - potentiell ist so ein großer Schuldenberg eine Gefahr. Aber bevor der GRÖßTE (!!!!!!) NETTOgläubiger der WELT (!!!!) nennenswert teueres fremdes Kapital aufsaugen muss (von wem denn eigentlich?) hat die Welt so viele ernstere Probleme, dass die Schulden Japans dann auch keine Rolle mehr spielen. MfG

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×