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30.04.2013

12:27 Uhr

Streitgespräch

Wie lassen sich Banken zähmen?

VonMalte Buhse

Ein Ökonom und ein Banker diskutieren auf Einladung des Handelsblatts über die richtigen Lehren aus der Finanzkrise und den Weg zu einem stabileren Bankensystem. Leidenschaftlich wurde es beim Thema Bankenaufsicht.

Banken-Skyline in Frankfurt. Die Bankenregulierung hat Hochkonjunktur. dpa

Banken-Skyline in Frankfurt. Die Bankenregulierung hat Hochkonjunktur.

KölnSeit fünf Jahren halten sie die Welt in Atem, sie haben Staaten in den Abgrund gerissen und mussten mit Milliarden Steuergeldern gerettet werden: Banken. Die Insolvenz der US-Investmentbank Lehman Brothers, der die Welt in eine tiefe Wirtschaftskrise stürzte, war für Politiker und Ökonomen ein Warnsignal. Das Finanzsystem ist zu einem gefährlichen Krisenherd geworden. In den vergangenen Jahren wurde daher ein regelrechtes „Feuerwerk an Regulierungsmaßnahmen“ gezündet, wie es Thomas Hartmann-Wendels, Direktor des Instituts für Bankwirtschaft und Bankrecht an der Universität Köln nennt. Das Ziel ist klar: Die Banken sollen sicherer werden. Doch wie das zu schaffen ist, darüber wird noch immer leidenschaftlich gestritten.

Finanzmarktforscher und Banker sind sich dabei nicht immer einig. Das wurde auch bei der fünften Ausgabe des Kölner wirtschaftspolitischen Dialogs deutlich, den das Handelsblatt regelmäßig mit dem Institut für Wirtschaftspolitik an der Universität Köln organisiert. Am Montag diskutierte dabei der Ökonom Thomas Hartmann-Wendels mit dem Präsidenten des Rheinischen Sparkassen- und Giroverbandes Michael Breuer über das Thema „Banken in Europa: Aufsicht und Regulierung.“

Für den Finanzmarktforscher Hartmann-Wendels ist die Sache klar: Banken haben ein Eigenkapitalproblem. „Ich bin dafür, dass die Eigenkapitalquoten steigen“, sagte er. „Und zwar sehr deutlich.“ Er könne sich gut Eigenkapitalquoten über 20 Prozent vorstellen, sagte Hartmann-Wendels.

Eigenkapital ist ein wichtiger Risikopuffer für Geldhäuser. Je höher die Eigenmittel sind, desto größere Verluste können die Banken verkraften. Das Risiko, dass sie in einer Krise vom Staat gerettet werden müssen, sinkt daher. Auch vor der Weltwirtschaftskrise Ende der 1920er Jahre seien die Eigenkapitalquoten der Banken stark gesunken und das Finanzsystem dadurch so anfällig geworden, sagte Hartmann-Wendels. Ähnliches habe sich vor der Krise 2008 wiederholt.

Banken sehen die Forderungen nach hohen Eigenkapitalquoten mit gemischten Gefühlen, denn Eigenkapital ist teuer und mindert daher den Gewinn. Grundsätzlich könne er sich aber auch hohe Eigenkapitalquoten vorstellen, sagte Michael Breuer. Wichtiger als der Gesamtanteil des Eigenkapitals seien jedoch die Anforderungen für die einzelnen Anlageklassen. Hier würden falsche Anreize gesetzt, so Breuer.

Kommentare (5)

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30.04.2013, 12:47 Uhr

"Leidenschaftlich wurde es beim Thema europäische Bankenaufsicht. Ein Thema, das vor allem Michael Breuer beschäftigte. „Die Bankenaufsicht ist keine europäische Aufgabe“, sagte er. „Die EU sollte sich um das kümmern, was die Nationalstaaten nicht mehr hinbekommen."

Naja, eine Bankenaufsicht ist eine WELTWEITE Aufgabe.
Mal wieder typisch, sich auf Kosten der "kleinen" Europäer sanieren lassen, aber Aufsicht? Noe!
Geld für Krisenstaaten - aber NUR mit Auflagen!
Geld für Banken - aber NICHT mit Auflagen!
Tse, alles klar auf der Andrea Doria!

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30.04.2013, 13:23 Uhr

Das Problem heißt fractional banking system und besteht darin, dass Banken aus jedem EUR Kundeneinlage ein Vielfaches an EUR machen können.

Das Ganze funktioniert übrigens auch völlig ohne Kundeneinlagen und Kunden - die Bank braucht nur etwas Reservenguthaben/unbares Zentralbankgeld, das bekommt sie von der Zentralbank z.B. gegen Hinterlegung von Wertpapieren. Mit der Basis dieses Zentralbankgeldes kann die Geschäftsbank die elektronische Druckerpresse anwerfen, dass es nur noch so kracht.

Der Mindestreservesatz der EZB wurde 2012 von lächerlichen 2% auf lächerliche 1% gesenkt. Die Giroguthaben betragen inwzischen das 900-fache (in Worten: "neuenhundertfache") der Reservenguthaben und die Geldmenge wächst inzwischen exponentiell. So kann es nicht weitergehen.

Mit der Eigenkapitalquote ist es wie mit anderen Optionen. Es ist zu spät. Das System ist inzwischen so labil geworden, dass es keine durchgreifende Korrektur mehr geben kann ohne zu riskieren, das System über den Abgrund zu stoßen. Die Korrektur wird das System selber durchführen.

Nach der finanznuklearen Implosion werden die Regeln geändert. Bis dahin heißt es für jeden: Mitnehmen was geht, sicher verstecken was geht. Ein Mantra für das man in der Finanzbranchen ganz sicher keine Extra-Übung braucht.

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07.05.2013, 17:16 Uhr

"Die Banken" sind nur Werkzeuge in den Händen einer winzigen unglaublich mächtigen internationalen Finanzelite.

Es muss darum gehen diese Macht zu zerschlagen bevor diese Europa in einen totalitären und damit nach belieben steuerbaren Superstaat ungewandelt hat.

Dies wird in Zeiten offener Märkte und Kaiptalverkehrsfreiheit nur auf gesamteuropäischer Ebene zu erreichen sein. Der Punkt ist nur, dass weder das EU-Parlament und schon gar nicht die Brüssler-Technokraten sich anschicken dies zu versuchen.

Solange der Druck von der Straße auf die Politik nicht höher als der Druck von Oben ist, wird gar nichts passieren.

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