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12.03.2012

20:05 Uhr

Studie aus Norwegen

Eine Frauenquote darf nicht überstürzt werden

VonOlaf Storbeck

Unternehmen können von mehr Frauen in Führungspositionen profitieren - sofern der Staat eine Quote nicht zu schnell einführt. Überhastete Regelungen schaden der Wirtschaft sogar: Das zeigt eine Studie aus Norwegen.

Die Frauenquote kam für Norwegens Unternehmen zu schnell, zeigt eine Studie. dapd

Die Frauenquote kam für Norwegens Unternehmen zu schnell, zeigt eine Studie.

LondonVierzig Jahre. So lange wird es dauern, bis Frauen in den Führungsetagen der europäischen Unternehmen auch nur annähernd die Hälfte aller Posten besetzen - wenn sich nichts ändert. Denn derzeit steigt der Anteil von Frauen in Vorständen und Aufsichtsräten nur im Zeitlupentempo.

Zwischen 2010 und 2012 kletterte er EU-weit gerade einmal von 11,8 auf 13,7 Prozent. EU-Kommissarin Viviane Reding und Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen ist das viel zu langsam - beide machen sich daher für eine gesetzliche Frauenquote stark. Ihr großes Vorbild ist dabei Norwegen. Dort müssen börsennotierte Unternehmen seit 2006 mindestens 40 Prozent Frauen im Verwaltungsrat haben. Norwegen, so ist Reding überzeugt, habe damit „gute Erfahrungen“ gemacht.

Genau das zweifelt ein amerikanisches Forscherteam in einer neuen Studie nachhaltig an. Die Frauenquote kam für Norwegens Unternehmen zu schnell, lautet das Fazit von Kenneth Ahern und Amy Dittmar, die beide an der University of Michigan tätig sind. Weil es zu wenig qualifizierte weibliche Kandidaten für die Führungspositionen gegeben habe, seien die Firmen gezwungen gewesen, jüngere und unerfahrenere Frauen in die Verwaltungsräte zu holen. Darunter habe die Performance der Unternehmen über Jahre gelitten. „Die norwegische Quotenregelung war zwar ein wirksames Instrument, um Geschlechtervielfalt zu erreichen“, schreiben Ahern und Dittmar. „Aber für die Aktionäre der Firmen ging sie mit beträchtlichen Kosten einher.“

Die Studie mit dem Titel „The Changing of the Boards“ ist in der aktuellen Ausgabe des „Quarterly Journal of Economics“ erschienen - einer der renommiertesten und anspruchsvollsten VWL-Fachzeitschriften der Welt. Die Ökonomen haben die Folgen der Frauenquote für die Unternehmen am Beispiel von 248 norwegischen Aktiengesellschaften analysiert. Dabei machten sie sich zunutze, dass nicht alle Unternehmen im gleichen Maß von diesen Folgen betroffen waren: Firmen, die vorher gar keine oder nur sehr wenige Frauen im Verwaltungsrat hatten, mussten ihre Führungsspitze deutlich stärker umbauen als andere.

Einst männerdominierten Unternehmen ging es durch die Quote wirtschaftlich mehrere Jahre lang erheblich schlechter, stellten die Forscher fest - diese Firmen wurden an der Börse deutlich abgestraft. In den Tagen unmittelbar nach der Ankündigung der Frauenquote brachen die Aktienkurse dieser Unternehmen im Schnitt um 3,5 Prozent ein. Bei Firmen, die mindestens eine Frau im Verwaltungsrat hatten, änderte sich die Bewertung dagegen so gut wie gar nicht. Die Effekte lassen sich weder mit der Größe der Unternehmen erklären noch mit der Branche, in der sie aktiv sind, stellen die Forscher fest.

Kommentare (15)

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Account gelöscht!

12.03.2012, 20:52 Uhr

Wie kann sich ein demokratischer Staat anmaßen, Unternehmern vorzuschreiben, mit welchen Geschlechtern sie Ihre Unternehmen auszustatten haben? Der nächste Schritt hin zurück zur DDR

azaziel

12.03.2012, 21:30 Uhr

Eine ganze Wissenschaftsindustrie hat sich ueber Jahrzehnte mit dem Anteil der Frauen an Schluesselpositionen beschaeftigt. Inwischen geht es nicht mehr darum nachzuweisen, dass Frauen genauso gut sind wie Maenner, es geht jetzt darum nachzuweisen, dass Maedchen schon in der Schule viel besser sind als Jungs. Die Methoden dieser Studien sind wahrscheinlich genauso fragwuerdig und unwissenschftlich wie die Auswahl des Themas selbst. Warum beschaeftigt sich eigenlich niemand mit der Frage des Anteils der Dunkelhaarigen gegenueber den Hellhaarigen? Oder der Protestanten und Katholiken?

Warum wirft niemand die Frage nach dem Nutzen auf? Was aendert sich fuer die Stellung der Frau, wenn einige Hundert Positionen kuenftig mit Frauen besetzt werden? Wie wirkt sich das auf die vielen Millionen beruftstaetiger Frauen aus, die keine Spitzenpositionen erlangen koennen? Welcher hoehere Nutzen rechtfertigt die grundgesetzlich garantierte Freiheit der Eigentuemer einzuschraenken, Positionen nach eigenem Ermessen zu besetzen? Welcher Schaden wird angerichtet, wenn man das Leistungsprinzip zugunsten einer fragwuerdigen Quote einschraenkt?

Und warum versucht nicht ein einziger Journalist sich an einer Begruendung WARUM eigentlich die Geschlechterverteilung der Gesellschaft in Schluesselpositionen nachgebildet werden soll?

Account gelöscht!

12.03.2012, 21:53 Uhr

Eigentlich liefert die Sudie mehr Vorteile durch Frauen und gemischten Teams als Ihr etwas tendenziöser Titel anmutet.

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