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30.10.2011

14:42 Uhr

Studie

Ölreichtum verhindert Demokratie

VonOlaf Storbeck

Rohstoffreiche Länder werden auffallend häufig diktatorisch regiert. Das ist kein Zufall, wie eine neue Studie aus den USA zeigt: Denn Ölfunde führen dazu, dass Autokraten ihre Macht festigen - mit einer Ausnahme.

Ölfeld in Libyen: Der negative Einfluss von Ölreichtum auf die Demokratie lässt sich nicht nur für die arabischen Staaten feststellen. dpa

Ölfeld in Libyen: Der negative Einfluss von Ölreichtum auf die Demokratie lässt sich nicht nur für die arabischen Staaten feststellen.

LondonDas Urteil der Washingtoner Denkfabrik "Freedom House" zu Saudi-Arabien ist seit Jahren das gleiche: ein "unfreies Land". In kaum einem anderen Staat der Welt haben die Menschen so wenig politische Freiheiten, stellt die Nichtregierungsorganisation in ihren Studien regelmäßig fest.

Die absolutistische Monarchie schneidet fast genauso schlecht ab wie Libyen zu den Zeiten des gestürzten Diktators Muammar al-Gaddafi. Ähnlich miserabel ist es auch im Iran um die politische Freiheit bestellt. Diese Regierungen gehören nicht nur zu den repressivsten Regimes der Welt - sie herrschen zudem über Länder mit enormen Rohölreserven.

Dieser Reichtum an Bodenschätzen ist ein wesentlicher Grund dafür, dass das Volk in diesen Ländern unterdrückt wird - zu diesem Schluss kommt Kevin Tsui, Volkswirt an der Clemson-Universität im US-Bundesstaat South Carolina. "Die Entdeckung von Ölvorkommen in einem Land führt dazu, dass dort der Übergang zur Demokratie langsamer stattfindet", lautet das Fazit der Arbeit, die jüngst im angesehenen "Economic Journal" erschienen ist.

Dass rohstoffreiche Länder häufig Diktaturen sind, ist Ökonomen schon länger aufgefallen. Ob es sich aber dabei um eine Ursache-Wirkung-Beziehung oder schlicht um Zufall handelt, war bislang unter den Wissenschaftlern sehr umstritten.

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

30.10.2011, 15:05 Uhr

Man muss nur zum Besipiel Venezuela betrachten, einst ein friedliches wunderschönes Agrarland mit Agrarexportüberschüssen. Nach den ersten Erdölfunden nimmt das Elend, die Ausbeutung, Korruption, Armut und Elend immer grössere Formen an. Leider hat sich dies auch nach der jüngsten Revolution auch nicht gebessert. Die die an den Töpfen sind verteidigen ihre Machtstellungen mit allen erdenklichen MItteln. Müsste nicht so sein!

nachhaltiger

04.11.2011, 17:44 Uhr

eine zweite Komponente ist viel wichtiger: mit Rohstoffen muss man als Machtelite nur diese verteidigen. Das Geld kommt ja von selbst für den Machterhalt durch die Sicherheitsapparate. So entsteht eine gespaltene Gesellschaft der Rohstoffprofiteure und dem Rest, der oft nicht mehr bezahlt werden kann.

Ohne Rohstoffe muss die Machtelite den Rest von sich überzeugen und überzeugende Systeme wie Bildung, Gesundheit zur Schaffung des Wohlstands bereitstellen.

Ansonsten werden sie von den Bürgern gestürzt oder verlassen.

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