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07.11.2011

12:16 Uhr

Studie zur Krise

Wenn Bankenrettung zum Zwang wird

VonOlaf Storbeck

Der ewige Fluch des "Too big to fail": Wissenschaftler warnen, dass die Politik Großbanken überhaupt nicht pleitegehen lassen kann - weil die Folgeschäden für den Rest der Wirtschaft einfach zu groß wären.

Teilnehmer einer Demo gegen die Macht der Banken halten in Berlin vor dem Reichstag ein Transparent mit der Aufschrift "Too big to fail!". dapd

Teilnehmer einer Demo gegen die Macht der Banken halten in Berlin vor dem Reichstag ein Transparent mit der Aufschrift "Too big to fail!".

LondonMoody's machte im Oktober den Anfang, Fitch folgte nur fünf Tage später. Beide Ratingagenturen senkten den Daumen für britische Banken. Die Herabstufung begründeten sie nahezu identisch: Mit den Geschäftszahlen der Geldinstitute habe der Schritt nichts zu tun, entscheidend seien ausschließlich politische Faktoren. Die britische Regierung sei in der nächsten Krise nicht mehr ohne weiteres bereit, strauchelnde Geldinstitute aufzufangen. "Der politische Wille, die impliziten staatlichen Garantien für Banken zurückzufahren, nimmt zu", hieß es bei Fitch.

Aber wäre die Behauptung einer Regierung, Problembanken im Fall der Fälle wirklich pleitegehen zu lassen, überhaupt glaubwürdig? Ein amerikanisch-asiatisches Forschertrio stellt das in einer neuen Studie nachhaltig in Frage.

Die Ökonomen kommen in ihrer Ende Oktober veröffentlichten Arbeit zu dem Schluss: Wenn es zum Schwur kommt, sind alle Beteuerungen hart zu bleiben, schnell vergessen - weil die Folgeschäden für den Rest der Wirtschaft zu groß wären. Volkswirte nennen dieses Phänomen "too big to fail".

Das Forscherteam um Todd Gormley von der Wharton School der University of Pennsylvania konzentriert sich in ihrer Fallstudie auf Korea während der Asienkrise. Die Ökonomen kommen zu dem Schluss: Obwohl die Regierung in Seoul zu Beginn der Krise Rettungsaktionen für einzelne Unternehmen kategorisch ausgeschlossen hatte, blieb ihr später keine andere Wahl. Den Akteuren auf dem Finanzmarkt war dieses Dilemma von Anfang an klar, und sie nutzten es gnadenlos aus. "Die Versprechen von Regierungen, systemwichtige Firmen nicht zu retten, sind nicht glaubwürdig", lautet das Fazit der Studie. Das Ergebnis ist ein Beispiel für das grundlegende Problem der "zeitlichen Inkonsistenz". Regierungen sind oft nicht in der Lage, unwiderrufliche Entscheidungen zu fällen. Unter anderem für diese Erkenntnis haben Finn Kydland und Ed Prescott 2004 den Ökonomie-Nobelpreis erhalten.
Derzeit sind 29 Geldinstitute so groß, dass sie das Weltfinanzsystem ins Wanken bringen können. Das Financial Stability Board hat am vergangenen Freitag in Cannes die mit Spannung erwartete Liste dieser Banken veröffentlicht. Unter anderem gehören die Deutsche Bank und die Commerzbank dazu.

Kommentare (4)

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Pequod

07.11.2011, 13:16 Uhr

''Too big to fail'' sollte lieber in ''Too big to save''
umgewandelt werden, denn woher sollen die Mittel noch
kommen?
Bewahrheiten sich doch inzwischen die Ausführungen von
Hans-Werner Sinn in der S.D.Z. Nr. 77 vom 2.04.2011,
nachdem die EU in die jetzt eingetretenen finanzielle
Phase, hauptsächlich verursacht durch das Targetpro-
gramm der EZB, die, nachdem die finanzielle Lage
in den GIPS aussichtslos geworden war, diese auch weiter-
hin mit Kapitalströmen hauptsächlich aus der BRD ver-
sorgte, ohne Rechenschaft ablegen zu müssen, über kurz
oder lang das Handtuch werfen wird. Das Monster kann
keiner retten!!!



Account gelöscht!

08.11.2011, 06:09 Uhr

"Aber wäre die Behauptung einer Regierung, Problembanken im Fall der Fälle wirklich pleitegehen zu lassen, überhaupt glaubwürdig?" - Nein, sicher nicht.

Man kann die Frage durchaus sinnvoll erweitern: Ist irgendeine Behauptung von Politikern überhaupt jemals glaubwürdig? - Meine Antwort lautet, daß alle Erfahrung dagegen spricht.

Mazi

08.11.2011, 21:52 Uhr

"Too big to fail"

Nach oft geäußerter Feststellung des Präsidenten der BAFin bedürfen die deutschen Banken einer Konsolidierung, um im europäischen Wettbewerb zu bestehen.

Gilt das nicht mehr oder war das mal wieder nur so dahin gesagt.

Was gilt denn überhaupt noch. "Rein in die Kartoffeln, raus aus den Kartoffeln."

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