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07.02.2012

21:28 Uhr

Studie zur Online-Enzyklopädie

Wie objektiv ist Wikipedia wirklich?

VonJohannes Pennekamp

Fast jeder kennt und nutzt das Online-Lexikon Wikipedia - aber wie objektiv sind die frei editierbaren Beiträge wirklich? Zwei US-Forscher haben tausende Texte untersucht - und kommen zu einem beunruhigenden Ergebnis.

Objektiv ist anders: Wikipedia-Artikel sind gespickt mit politischen Phrasen. dapd

Objektiv ist anders: Wikipedia-Artikel sind gespickt mit politischen Phrasen.

DüsseldorfWeniger als ein Jahrzehnt hat ausgereicht, um es zum größten Wissensspeicher der Menschheit zu machen: Rund 400 Millionen Menschen stöbern jeden Monat bei Wikipedia. Allein die 1,34 Millionen Artikel der deutschsprachigen Ausgabe würden ausgedruckt mindestens 700 Bücher mit je 1000 Seiten füllen. Das Brockhaus-Lexikon kommt in seiner aktuellen Ausgabe auf gerade mal 300.000 Artikel.

Doch die Mitmach-Enzyklopädie hat immer wieder mit dem Vorwurf zu kämpfen, anfällig für Manipulationen zu sein. Wie objektiv sind die Artikel, die jedermann verfassen und ändern kann und deren einzige Qualitätskontrolle die Aufsicht der Internetgemeinde ist?

Zwei US-Ökonomen sind dieser Frage wissenschaftlich auf den Grund gegangen. Shane Greenstein (Kellogg School of Management) und Feng Zhu (Marshall School of Business) haben untersucht, wie objektiv die Artikel über Politikthemen der US-Version des Online-Lexikons sind. Die Forscher stellen Wikipedia ein durchwachsenes Zeugnis aus: In den vergangenen Jahren habe die Neutralität zugenommen - bei rund 40 Prozent der Artikel fanden die Wissenschaftler aber Hinweise auf tendenziöse Darstellungen.

Um problematische Einträge zu identifizieren, nutzten sie eine bei Zeitungsanalysen gängige und akzeptierte Methode: Sie untersuchten, wie häufig Begriffe vorkommen, die eindeutig einem der beiden politischen Lager zuzuordnen sind. So sprechen zum Beispiel die Republikaner häufig von „illegal immigration“ - Demokraten nehmen die Wortkombination dagegen so gut wie nie in den Mund. „Genau andersherum ist es mit dem Begriff 'civil rights'“, erläutert Greenstein.

Die US-Forscher durchforsteten Anfang 2011 mehr als 70.000 Einträge auf die häufigsten Polit-Phrasen. In rund 28.000 Einträgen stießen sie auf mindestens eine problematische Floskel, in knapp vier Prozent der Fälle fanden sie gleich mehr als zehn der verdächtigen Schlüsselsätze.

Kommentare (16)

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acidwater1

07.02.2012, 22:01 Uhr

Zum Teufel mit Euch Kritikaskern!
Veröffentlicht besser oder macht Studien darüber, wie man Geld für diese Super Einrichtung Spenden kann, macht Vorschläge, wie man sie schützen kann, damit sie werbefrei bleibt und jedem weiterhin zugänglich.
Für Wikipedia würde ich sogar kämpfen. Information ist ein Teil der Freiheit. Man findet schlicht über alles sachliche Auskunft.


Jaguar

07.02.2012, 22:34 Uhr

Skandal! Besonders bei Themen wie den Bürgerrechten wird der Begriff civil rights besonders häufig verwendet.

Aber mal im Ernst: Bei wikipedia darf jeder mitschreiben. Deshalb ist es auch 100% klar, dass Unternehmen, Politiker etc. ihre Einträge beeinflussen. Das ist sogar ihr gutes Recht, denn es darf ja jeder mitschreiben, warum also nicht auch man selbst. Und, absolute Objektivität ist sowieso unmöglich, insbesondere bei politischen Themen. Dafür brauche ich aber keine dämliche Studie, um das rauszufinden.

Hier gehts drum durch tendenziöse Pseudo-Wissenschaftlichkeit ein gutes Informationsangebot schlecht zu machen.

Mich überzeugt das nämlich nicht, die Wörter civil rights und illegal immigration zu zählen, ohne den Text zu lesen. Diese Wörter können doch auch Teil eines Wortlautzitats sein, dass sich der wiki-Artikel gar nicht zu eigen macht. Oder Teil eines Namens (z. B. "civil rights movement").

ForzaEURO

07.02.2012, 22:51 Uhr

@acidwater1
Sie dokumentieren mit ihrer konfrontativen Selbstgefälligkeit und der Herabwürdigung der Meinung anderer nur, was die Studie belegt: Fehlende Neutralität, die man zu seinem eigenen Werk wenigstens versuchen sollte zu bewahren. Man nennt das Selbstkritik und die fehlt Wikipedia.

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