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06.08.2012

15:18 Uhr

Studie zur Teuerungsrate

Mit Inflation spielt man nicht

VonOlaf Storbeck

Wie viel Inflation ist gut für die Volkswirtschaften? Seit Jahren schwelt ein Streit um die Höhe der Teuerungsrate, angeführt vom IWF. Eine Studie prüft nun die These, dass vier Prozent Inflation noch in Ordnung seien.

Mit der Notenpresse sollten die Staaten vorsichtig sein, rät eine neue Studie. dpa

Mit der Notenpresse sollten die Staaten vorsichtig sein, rät eine neue Studie.

LondonEs war eine reichlich verwegene Idee, die Olivier Blanchard im Februar 2010 zur Diskussion stellte: Sollen die Notenbanken etwas mehr Inflation zulassen, um die Wirtschaft besser vor schweren Krisen schützen zu können? Das fragte der Chefvolkswirt des Internationalen Währungsfonds (IWF) damals. Er selbst gab folgende Antwort: "Wenn wir auf der grünen Wiese ein Inflationsziel wählen müssten, würde ich für eine Rate plädieren, die näher an vier als an zwei Prozent liegt."

Was folgte, war ein weltweiter Aufschrei von Hochschulvolkswirten und Notenbankern. Blanchard hatte an einem Grundkonsens der modernen Ökonomie gerüttelt - dass stabile Verbraucherpreise nicht nur das Beste, sondern auch das Einzige sind, was Notenbanken für den wirtschaftlichen Wohlstand tun können. In der Praxis folgt daraus für die Geldpolitik, eine Teuerung von um die zwei Prozent anzustreben. Denn höhere Inflation richte massive Schäden an.

Diese herrschende Meinung bestätigt jetzt auch der IWF selbst in einer neuen Studie. Der IWF-Volkswirt Etienne Yehoue widerlegt darin eines der zentralen Argumente von Blanchard. Der hatte die These aufgestellt, vier Prozent Inflation würden nicht mehr Schaden anrichten als zwei Prozent.

Die Arbeit kommt zum gegenteiligen Schluss. Schon geringfügig höhere Teuerungsraten gehen demnach mit erheblichen unangenehmen Nebenwirkungen einher. "Eine Anhebung der Inflationsziele der Notenbanken ist mit großer Vorsicht zu sehen", lautet daher das Fazit.

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Formal betrachtet handelt es sich bei der Arbeit nicht um eine offizielle Studie des IWF: Sie wurde als Diskussionspapier veröffentlicht, das nicht zwingend die offizielle Linie des Fonds widerspiegelt. Doch Blanchard dürfte Schwierigkeiten haben, in Zukunft Argumente zu vertreten, die ein Forscher seiner eigenen Institution widerlegt hat. De facto dürfte der IWF damit also die Gedankenspiele über höhere Inflationsziele beerdigen.

Hinter Blanchards Überlegungen stand der Wunsch, der Geldpolitik im Fall einer Krise größeren Spielraum für die Senkung der Leitzinsen zu geben. Denn Inflation und Zinsniveau hängen langfristig miteinander zusammen: je höher die Teuerung, desto höher das Zinsniveau. In einer tiefen Rezession hätte die Zentralbank durch das höhere Zinsniveau mehr Manövriermasse für Zinssenkungen: Es würde länger dauern, bis die Untergrenze von null, unter die die Leitzinsen nicht fallen können, erreicht wäre.

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"Wenn es möglich gewesen wäre, hätten die Zentralbanken in der Krise die Leitzinsen noch viel stärker gesenkt", schrieb Blanchard mit Blick auf die 2007 ausgebrochene Finanzkrise. So wäre es in den USA optimal gewesen, die Leitzinsen noch um drei bis fünf Prozentpunkte zu senken.

Kommentare (18)

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mh57

06.08.2012, 15:56 Uhr

Zitat:
"Ein Inflationsziel von vier statt von zwei Prozent würde das reale Haushaltseinkommen um 0,3 Prozent pro Jahr schmälern, stellt er fest.

Ein US-Haushalt mit einem durchschnittlichen Realeinkommen von rund 50 000 Dollar pro Jahr würde 1500 Dollar verlieren."

50'000 * 0,3% = 150, nicht 1500.

Account gelöscht!

06.08.2012, 16:27 Uhr

Jep, aber ist ja ein Handelsblatt hier, da kann man sich als Redakteur schon mal verrechnen, oder falsch abschreiben? :)

Im übrigen denke ich auch, ein bischen mehr Inflation schadet nicht, sondern gibt endlich mehr Zinsen, und zwar für richtige Anlagen, und hebt den Preiswettbewerb.
Aber auch das sollte man erst ins Auge fassen, wenn die Staaten ihre Haushalte wieder so konsolidiert haben, das sie wieder freier agieren können.

Account gelöscht!

06.08.2012, 17:29 Uhr

Ups, stimmt, da habe ich mich verrechnet. Wie peinlich. Danke für den Hinweis, der Fehler ist korrigiert. Bitte um Nachsicht.
Olaf Storbeck, Handelsblatt

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