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26.01.2009

11:25 Uhr

Subprime-Krise und Geldpolitik

Finanzkrise – wie die Fed versagt hat

VonOlaf Storbeck

Warum bekommt die US-Notenbank Finanzkrise nicht in den Griff? Eine Koryphähe der Geldpolitik, der Stanford-Professor John Taylor, erhebt jetzt schwere Vorwürfe gegen die Fed. Die sei zu sehr auf die "Great Depression" fixiert, habe die Natur der Krise falsch eingeschätzt und schwere Versäumnisse begangen.

Fed-Chef Ben Bernanke: Hat er im Kampf gegen die Finanzkrise scherer Fehler gemacht und die Lage verschlimmert? Das meint der US-Professor John Taylor aus Stanford. (Foto: dpa)

Fed-Chef Ben Bernanke: Hat er im Kampf gegen die Finanzkrise scherer Fehler gemacht und die Lage verschlimmert? Das meint der US-Professor John Taylor aus Stanford. (Foto: dpa)

DÜSSELDORF. Hoch und heilig hat es US-Notenbankchef Ben Bernanke seit Sommer 2007 immer wieder versprochen: Die Federal Reserve (Fed) werde alles tun, um die Finanzkrise in den Griff zu bekommen. Tatsächlich hat die Zentralbank die Leitzinsen seit September 2007 in dramatischer Geschwindigkeit nach unten geprügelt, zusätzlich hat sie Hunderte Milliarden Dollar an Liquidität in den Markt gepumpt.

Warum aber hat sich die Subprime-Krise trotzdem ausgeweitet? John Taylor, Ökonomie-Professor in Stanford und einer der international angesehensten Experten für Geldpolitik, stellt in einer neuen Studie mit dem Titel "The Financial Crisis and the Policy Responses: An Empirical Analysis of What Went Wrong" eine spektakuläre These auf: Die Politik der Fed ist für ihn nicht Teil der Lösung, sondern Teil des Problems. "Staatliche Handlungen und Interventionen haben die Finanzkrise verursacht, verlängert und verschärft", schreibt Taylor. Die Fed, so ein Hauptkritikpunkt, habe das zentrale Problem auf den Finanzmärkten nicht richtig diagnostiziert und daher zu den falschen Gegenmitteln gegriffen.

Als zentralen Indikator für das Ausmaß der Krise zieht der Forscher die Risikoaufschläge heran, die sich Banken für kurzfristige Kredite untereinander auf dem Geldmarkt in Rechnung stellen. Konkret betrachtet er die Differenz ("Spread") zwischen dem tatsächlichen Geldmarktzins für Dreimonatskredite zwischen Banken (Libor) und dem Leitzins, den der Markt innerhalb der nächsten drei Monate erwartet (Overnight Index Swap).

Bis Sommer 2007 war diese Zinsdifferenz nur minimal - sie betrug rund 0,1 Prozentpunkte. Im August 2007 verzehnfachte sie sich in zwei Tagen auf einen Prozentpunkt, im Oktober 2008 stieg sie auf 3,5 Prozentpunkte. Inzwischen ist sie zwar wieder auf 0,92 Prozentpunkte gefallen, liegt aber immer noch spürbar höher als vor der Lehman-Pleite im September, mit der die Finanzkrise eine neue Eskalationsstufe erreichte.

Der riesige Spread ist Gift für das Finanzsystem und für die Realwirtschaft. Denn er verteuert für Banken massiv die Refinanzierung, erschwert die Vergabe neuer Kredite und macht diese für Schuldner in der Realwirtschaft teurer.

Im Kampf der Notenbanken gegen die Krise sind niedrigere Spreads daher eines der wichtigsten Ziele. Dabei, so Taylor, habe die Fed aber weitgehend versagt - weil sie irrtümlich Liquiditätsprobleme der Banken als Ursache der hohen Spreads vermutet habe und daher den Instituten den Zugang zu Liquidität vereinfachte.

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